Seite erstellt: 2005.02.13./letzte Aktualisierung: 2007.12.26.


Waldviertler Schmalspurbahnen
Bahnhofstrasse 59, A-3871 Alt-Nagelberg
Tel. +43.680.1253003
email: urban@erlebnisbahn.at

 
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Die nördlichen Strecken der Waldviertler Schmalspurbahnen

Die 25 km lange Strecke Gmünd-Litschau mit der 13 km langen Zweigstrecke von Altnagelberg nach Heidenreichstein wurde am 3.7.1900 als Privatbahn (Nieder-Österreichische Waldviertelbahn A.G.) eröffnet und durch das NÖ Landeseisenbahnamt (später NÖ Landesbahn) betrieben. 1922 übernahmen die BBÖ den Betrieb, die Verstaatlichung erfolgte 1940 unter Naziregime. Ende Mai 1986 endete der planmäßige Personenverkehr. Anfang Juni 1992 wurde zwischen Altnagelberg und Heidenreichstein der Güterverkehr eingestellt.

Seit 1987 betrieb der Waldviertler Schmalspurbahnverein (WSV) auf diesen Strecken Museumszüge mit der Dampflok 399.03. Bei der Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h blieb genügend Muße, die vielfachen Reize der herben Waldviertler Landschaft voll auszukosten. Ab 1993 nahm der WSV den Abschnitt zwischen dem neu errichteten Sperrschuh in km 0.259 nördlich des Bf Altnagelberg und dem Endpunkt im Bf Heidenreichstein in Pacht und ist seitdem für Betrieb und Erhaltung des "Heidenreichsteiner Astes" zuständig.

Der verbliebene Güterverkehr zwischen Gmünd NÖ und Altnagelberg, Brand und Litschau endete offiziell mit 31.12.2000, die Abholung der letzten Wagen erfolgte am 9.1.2001.

Zum 2. Teil der Beschreibung: Strecke Gmünd - Litschau
Höhenprofil Altnagelberg-Heidenreichstein
Höhenprofil (Quelle: K. Just, Na úzkém rozchodu v Jindřichově Hradci a Gmündu. Litoměřice 2004)

1. Heidenreichstein - Altnagelberg

Nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Heidenreichstein und der Querung der Bezirksstraße nach Thaures führt die Strecke entlang des Geländes der ehemals mit einem Anschlußgleis bedienten metallverarbeitenden Firma MKE (frühere Eisert AG), überquert den Eisertweg und weiter auf einem Damm hoch über einem Reitplatz (links in Fahrtrichtung). Am Rande der Katastralgemeinde Kleinpertholz führt die Strecke über die vorgesehene Haltestelle Moor- und Torfmuseum (km 12.5) zur Haltestelle Gasthof Weinstabl (km 11.95), die hoch auf dem Damm im Linksbogen liegt. Nach einem weiteren Kilometer über Felder sind links die Gebäude einer Textilfabrik zu sehen, bevor die Strecke den Wald erreicht. Mitten im Wald queren wir die Forststraße, die zur Diebsbrücke führt. Den Wald verlassen wir erst wieder kurz vor der nächsten Station, Aalfang (km 8.1). Das Stationsgebäude (links) war Sitz des Bahnmeisters Aalfang und ist jetzt im Besitz der Kulturinitiative Amaliendorf-Aalfang. Nahe dem Wohnhaus rechts der Haltestelle lag die ehemalige Glasfabrik, die 1914 aus Arbeitskräftemangel schließen mußte.

Die Strecke verläßt die Station durch einen Felseinschnitt im Rechtsbogen, der nahtlos in einen Linksbogen übergeht. Die Betonbrücke über die Braunau in km 7.7 ist das einzige nennenswerte Bauwerk auf diesem Ast und wurde, ähnlich dem bekannteren Lainsitzviadukt (System Mounier), nach dem Betonplatten-System Wayss als eine der ersten Betonbrücken der österreichisch-ungarischen Monarchie erbaut. Links kann man nach der Sandgrube bewachsene Dammreste erkennen, es handelt sich dabei um den "Aalenfang", der dem Ort seinen Namen gab.

Im Streckenkilometer 6.5 erreichen wir Langegg (Familienwandertag 15. August, Gemeinde Schrems), die Häuser rechts gehören zur Katastralgemeinde Kiensaß. Nach kurzer und leichter Steigung erreichen wir in km 5.5 wieder den Wald, der uns die nächsten drei Kilometer begleiten wird. Nach Überquerung der Bezirksstraße Langegg-Brand (km 4.2) und der am 12.6.1999 eröffneten Bedarfshaltestelle "Brand Süd" (km 4.1) beginnt der steilste Abschnitt der nördlichen Waldviertler Strecken mit rund 2,5% Gefälle.

Erst im km 2.0 erreichen wir offenes Gelände - den nördlichen Ortsrand von Altnagelberg (Gemeinde Brand-Nagelberg). Das in Fahrtrichtung gesehen von rechts kommende Gleis ist das der Strecke von Litschau (km 1.82; Kreuzung mit der Landesstraße Gmünd-Litschau), es verläuft bis in den Bahnhof Altnagelberg parallel zum Heidenreichsteiner Ast.

In Kilometer 1.7 wurde im Herbst 2000 die WSV-Haltestelle "Altnagelberg ERGO-Kindlinger" errichtet. Die letzten Kilometer verlaufen in mäßigem Gefälle am westlichen Ortsrand der alten Glasmachersiedlung. Nach der Kreuzung mit dem Friedhofweg (km 0.4) wurde 1998 die Endstelle "Herrenhaus" errichtet und mit einem Gleisstutzen zum Umsetzen des Triebfahrzeuges ausgestattet. Der Wagenverschub erfolgt mit Schwerkraft im leichten Gefälle. Von 1992 bis 2004 bestand in km 0.259 der Übergabepunkt zwischen Bundesbahn und Verein, gesichert mit einem schlüsselgesperrten Gleissperrschuh. Sicherungskasten und Fernsprecher waren am Telefonmast am Fuße des rund 5 Meter hohen Bahndammes nur mühsam erreichbar.

Am nordöstlichen Bahnhofskopf ist links der Wasserturm (10 m³) zu sehen, der zugehörige Wasserkran steht zwischen Heidenreichsteiner (Gleis 2) und Litschauer Gleis (1).

Nach 11-jährigen Anstrengungen war es am 18.6.2004 soweit: mit Unterstützung durch die Landesverkehrsorganisation NÖVOG und der ÖBB-Infrastruktur konnte der Anschlußbahnstatus bis zum Streckenkilometer -0.11 in den Bahnhofsgleisen 2 und 4 erweitert werden, die Ankunft und Abfahrt der WSV-Züge erfolgt seit dem 19.6.2004 vom Bf Altnagelberg. Die seit September 1998 bestehende (temporäre) WSV-Endstelle "Altnagelberg Herrenhaus" bei der Eisenbahnkreuzung Friedhofweg ist seitdem als Bedarfshaltestelle in Verwendung.

Das Glasfabriksareal südöstlich des Bahnhofs war Sitz eines der Nachfolgeunternehmen der Firma Carl Stölzle & Cie. (eine der Mitbegründerinnen der NÖ Waldviertelbahn), die endgütig zur Jahresmitte 2002 ihre Pforten schloß. Das Nachfolgeunternehmen COPAL veräußert die Maschinenanlagen und Lagerbestände des Traditionsunternehmens und bietet Lagerraum im weitläufigen Werksgelände an. Der seit längerem im Schatten der Glasfabrik ansässige Familienbetrieb A. Apfelthaler mit Standorten in Neu- und Altnagelberg eröffnete 2001 ein Glasmuseum (täglich von 10.00 bis 17.30 Uhr geöffnet), erwarb das ehemaligen Werkverkaufsgebäude der "Neuen Stölzle" und errichtete dort eine Schauglashütte mit Verkaufsräumlichkeiten.
2091.03 in Heidenreichstein
ÖBB 2091.03 mit Planzug in Heidenreichstein
(Photo: Gerhard Urban, 1986.05.29.)

298.207 in Heidenreichstein
ÖBB 298.207 mit Zug 71432 am 22.11.1980 in Heidenreichstein
(Photo: Stefan Motz, 1980.11.22.)

399.06 in Aalfang
ÖBB 399.06 mit Zug 71434 am 19.6.1981 in Aalfang
(Photo: Stefan Motz, 1981.06.19.)

Doppelausfahrt
ÖBB 399.01 mit Zug 71434 nach Heidenreichstein und 298.207 mit Zug 71436 nach Litschau beim Friedhof Altnagelberg
(Photo: Stefan Motz, 1980.11.22.)

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