Als Ende der 1960er-Jahre das Ende mehrerer ungarischer Schmalspurbahnen absehbar war, faßte im Herbst 1969 die GySEV den
Entschluß zum Bau einer 760mm-spurigen Museumsbahn, um historisch bedeutsame Schmalspurfahrzeuge für die Nachwelt zu
erhalten. Zur selben Zeit begann die Wiederherstellung des Széchenyi-Schlosses in Nagycenk in der Nähe von Sopron,
sodaß es nahelag, die Museumsbahn von der an der GySEV-Strecke Győr - Sopron liegenden Station Fertőboz ausgehend
zum Schloß in Nagycenk zu errichten, zumal Graf István Széchenyi in den 1840er-Jahren den Bau der ersten Eisenbahnlinie in
Ungarn initiierte. Ihm zu Ehren erhielt die 3,6 km lange Museumsbahn den Namen "Széchenyi István Múzeumvasút"
(István Széchenyi-Museumsbahn). Der erste Teil der Strecke von Fertőboz bis zur heutigen Haltestelle Barátság
(= Freundschaft) nützt die Trasse des Anschlußgleises zur ehemaligen Zuckerfabrik Nagycenk, von Barátság bis zur
Endstation Kastély (= Schloß) hingegen mußte die Strecke komplett neu errichtet werden. Zur Unterbringung der Lokomotiven
erbaute man nahe der Abfahrtsstelle in Fertőboz ein zweiständiges Heizhaus, welches nach alten Vorschriften der MÁV
entstand und vier Dampflokomotiven Platz bietet. Das Aufnahmegebäude in der Endstation Kastély hingegen entstand nach
Plänen der k.k. priv. Südbahn-Gesellschaft, für die beiden winzigen Dienstgebäude der Haltestellen
Barátság und Nádtelep (= Schilflager) wiederum dienten Haltestellengebäude der Schmalspurbahn von Szurdokpüspöki
(ca. 24km westlich von Gyöngyös) als Vorlage. Auch die Signaleinrichtungen entlang der Strecke besitzen musealen
Wert, besonders hervorzuheben ist hier das Scheibensignal nach Banovits vor dem Bahnhof Kastély. Zur Sicherung der
Straßenkreuzung an der alten Landstraße nach Sopron wurde ein Schrankenposten errichtet.
Wie in den Ländern des ehemaligen Ostblocks mehrfach üblich wurde die Museumsbahn als sogenannte Pioniereisenbahn
betrieben, das heißt, daß bis auf die Lokführertätigkeit alle Dienste von Kindern und Jugendlichen ausgeübt
werden. Seit der Wende 1989 heißen diese Pioniereisenbahnen Kindereisenbahnen und bieten nach wie vor eine sinnvolle Art der
Freizeitgestaltung. Auch auf der Széchenyi-Museumsbahn versehen weiterhin Kinder ihren Dienst.
Zu Betriebsbeginn im Jahre 1970 standen zwei dreiachsige Dampfloks, die 394,023 (Budapest 1923) und die 394,057 (Budapest
1949), sowie die Personenwagen B 20, Ba 40 und Ba 41 zur Verfügung. Diese Wagen stammten von der
eingestellten Schmalspurbahn von Kisújszállás und wurden vor ihrer Wiederinbetriebnahme in der MÁV-Hauptwerkstätte
Debrecen restauriert. Weitere Personenwagen kamen im Jahr 1971 zur Museumsbahn. Im Herbst 1972 wurde von der damals gerade
in Auflösung befindlichen Grubenbahn des Steinkohlenbergwerks Tröszt in Balinka eine der bis dahin dort
eingesetzten Dampfloks, die Maschine "András", der Museumsbahn überlassen.
Die 394,057 kam im September 1998 zur Waldbahn Szilvásvárad, die 394,023 hingegen im Sommer 2005 auf die MÁV-Schmalspurbahn
Nyíregyháza und von dort im Dezember 2006 zur Zsuzsi-Waldbahn Debrecen, sodaß die "András" heute die einzige
Dampflok auf der Museumsbahn ist.
Für die geplante Verdieselung
der Museumsbahn wurden zwei von der MÁV ausgemusterte Dieselloks angeschafft, die jedoch beide (noch) nicht in Betrieb
genommen wurden. Die eine Maschine, Lok 4 der Szegeder Landbahnen (Ganz 1929), wurde nach jahrelanger Abstellzeit an die
Budapester Kindereisenbahn abgegeben, wo sie nun betriebsfähig aufgearbeitet wird, die andere, Dmot 953, eigentlich ein
Gepäcktriebwagen, stammt von der (bis heute in Betrieb befindlichen) Kecskeméter Wirtschaftsbahn und steht abgestellt
am Bahnhof Fertőboz. Schließlich beschaffte man eine Diesellok der Type C50, die zuletzt in Balatonfenyves abgestellt war,
wieder betriebsfähig aufgearbeitet und in den GySEV-Farben lackiert wurde, Seit dem Jahr 2004 kommt sie abwechselnd
mit der Dampflok zum Einsatz.
Auf der Museumsbahn besteht die Möglichkeit, gegen Bezahlung einer Gebühr unter Anleitung eines Lokführers
die Lokomotive selbst zu steuern, wofür man dann auch ein "Ehrenlokführerdiplom" ausgestellt bekommt.
Auskünfte bezüglich Fahrplan und Lokeinsatz erteilt die GySEV-Direktion Sopron, Abteilung Personenverkehr, dort
können auch Sonderzüge bestellt werden.
zur GySEV-Website
Bei der Endstation Kastély befindet sich eine kleine Freilichtausstellung, wo acht Dampfloks und
mehrere Personen- und Güterwagen das ganze Jahr über besichtigt werden können.
| Name | km | Anmerkungen |
|---|---|---|
| angeschriebene Nummer | Bauart/Spurweite | Hersteller | Herkunft | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
(Steinkohlenbergwerk Balinka) | ||||
| angeschriebene Nummer | Hersteller | Herkunft | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| angeschriebene Nummer | Hersteller, Baujahr | Herkunft | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
![]() MÁV Dmot 953 (Ganz 1940) abgestellt am Bahnhof Fertőboz. |
![]() MÁV Dmot 953 (Ganz 1940) abgestellt am Bahnhof Fertőboz. |
![]() Schienenauto "Darázs" (= Wespe) der Waldbahn Lillafüred vor dem Heizhaus in Fertőboz. |
| Koltai Mariann: | Nagycenk - Múzeumvasút; Tájak-Korok-Múzeumok Kiskönyvtára, Nr. 407, Budapest 1991 |
| N. N.: | A nagycenki Széchenyi Múzeumvasút; herausgegeben von der GySEV, erhältlich bei der Museumsbahn |
| N. N.: | István Széchenyi-Museumsbahn Nagycenk bei Sopron; herausgegeben von der GySEV, erhältlich bei der Museumsbahn |
| Tusnádi Csaba Károly, Knausz Valéria: | Magyarországi Kisvasutak; 7. Auflage, Pallas Stúdió, Budapest 2003 (deutsche Version unter dem Titel "Ungarns Schmalspurbahnen" erhältlich) |