Schmalspurige Tenderlok,
Werkstyp 70 der Maschinenfabrik Budapest
MÁV-Baureihe 490

490,056 (MÁVAG 5848/1950) in Budapest-Hűvösvölgy
Technische Daten
| Bauart/Achsfolge |
D tn2 |
Zylinderdurchmesser |
325 mm |
| Treibraddurchmesser |
750 mm |
Kolbenhub |
350 mm |
| Laufraddurchmesser vorne |
--- |
Kesseldruck |
14 bar |
| Laufraddurchmesser hinten |
--- |
Verdampferheizfläche |
m2 |
| Länge über Puffer |
7465 mm |
Rostfläche |
m2 |
| Höchstgeschwindigkeit |
30 km/h |
Wasservorrat |
4 m3 |
| max. Achslast |
6,0 t |
Kohlevorrat |
1 t |
| Reibungslast |
24,0 t |
Baujahre |
1906-1950 |
| Dienstgewicht |
24,0 t |
gebaute Stückzahl |
142 |
| Leistung |
|
erhalten gebliebene Loks |
siehe Liste |
In Ungarn erhaltengebliebene Loks
| Betriebsnr. | Baudaten | Standort | Zustand |
| 490,039 | Bp 5260/1942 | Budapest-Hűvösvölgy | betriebsfähig |
| 490,041 | Bp 5262/1942 | Szombathely, MÁV-Direktion | Denkmal |
| 490,053 | Bp 5274/1942 | Kecskemét | betriebsfähig |
| 5 "Imre" | Bp 5276/1942 | Gánt, Bauxitbergbau-Museum | Denkmal |
| 490,056 | Bp 5848/1950 | Budapest-Hűvösvölgy | betriebsfähig |
| 490,057 | Bp 5849/1949 | Museum Nagycenk | Denkmal |
| 490,058 | Bp 5850/1950 | Ópusztaszer | Denkmal |
Weitere erhaltengebliebene Loks vom Werkstyp 70
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
| Baudaten | Betriebsnummer | Standort | Zustand | Bemerkungen |
| Bp 2619/1910 | CFF 764-222 | FIM Freiland (A) | abgestellt | |
| Bp 2832/1911 | CFF 764-243 | Kulturpflegeverein Steinberg (A) | abgestellt | Aufarbeitung geplant |
| Bp 4680/1922 | CFF 764-313 | Vişeu de Sus (RO) | abgestellt | |
| Bp 5277/1942 | ČSD U46.901 | Čierny Balog (SK) | Denkmal | |
| Bp 5278/1942 | ČSD U46.902 | Pribylina (SK) | Denkmal | |
| Bp 5599/1947 | 55-99 | Banovici (BiH) | Denkmal | |
| Bp 5842/1949 | 58-42 "Guma" | Grosuplje (SLO) | Denkmal | |
| Bp 5859/1949 | CFF 764-348 | Lapuşna (RO) | abgestellt | Existenz nicht gesichert |
| Bp 5862/1949 | CFF 764-355 | Vişeu de Sus (RO) | zerlegt | |
Der Werkstyp 70 der Budapester Maschinenfabrik ist die wohl bekannteste ungarische Schmalspurdampflok. Die Einheitstype für die ungarischen
Schmalspurbahnen wurde in der Zeit von 1905 bis 1950 in verschiedenen Ausführungen, dem jeweiligen Stand der Technik angepaßt, in insgesamt
142 Exemplaren gebaut. Fast die Hälfte dieser Loks tat bei der MÁV, zunächst als Klasse XXIC, seit 1911 als Reihe 490 bezeichnet, Dienst,
weiters wurde die Type in großer Zahl auch an die Waldbahnen im heutigen Rumänien geliefert.
Beim Werkstyp 70 handelt es sich um eine laufachslose, vierfach gekuppelte Tenderlok mit Außenrahmen, deren Kessel sowohl für die Verfeuerung
von Kohle wie auch für Holz geeignet ist. Zur besseren Bogenläufigkeit sind die äußeren Radsätze als Klien-Lindner-Hohlachsen
ausgebildet. Ursprünglich hatten die Loks Flachschieber und Stephenson-Steuerung, ab 1942 kamen Kolbenschieber und Heusinger-Steuerung zur
Anwendung.
Obwohl sich die Type sehr gut bewährte, blieben nur relativ wenige Exemplare der Nachwelt erhalten. In Ungarn wurden die meisten Loks durch die
fast vollständige Verdieselung der Schmalspurbahnen bereits in den 1960er-Jahren überflüssig, in Rumänien ersetzten ab den
1950er-Jahren die Neubau-Dampfloks der sogenannten Reşiţa-Type die teilweise bereits in die Jahre
gekommenen 70er. Trotzdem kann die Type 70 in Ungarn auch heute noch im aktiven Betrieb erlebt werden, so wurde die in Budapest-Hűvösvölgy
lange als Denkmal aufgestellte 490,039 reaktiviert und führt seit Juni 2007 die Nostalgiezüge auf der
Budapester Kindereisenbahn (Széchenyi-hegyi Gyermekvasút). Sie ersetzt dort die 490,056, die
bis 2000 auf der Wirtschaftsbahn von Balatonfenyves Nostalgiezüge beförderte und wegen abgelaufener
Kesselfrist mit Ende 2007 abgestellt werden mußte. Eine weitere betriebsfähige Vertreterin dieser Type war die 490,053 "Bugaci
Kispöfögő" ("Bugacer Schnauferl") auf der Kecskeméter Wirtschaftsbahn, deren Kesselfrist ebenfalls mit Ende 2007 abgelaufen
ist. Ob sie wieder aufgearbeitet wird, ist derzeit noch nicht bekannt, zumal überhaupt die generelle Zukunft der MÁV-Schmalspurbahnen noch nicht
vollständig gesichert sein dürfte. Über weitere erhaltengebliebene Loks vom Typ 70 geben die obigen Tabellen Auskunft, wobei
erwähnenswert erscheint, daß die vermutlich älteste erhaltene 70er sich heute im Feld- und Industriebahnmuseum im niederösterreichischen
Türnitz befindet. Diese Lok stand bis 1992 auf der Waldbahn Berzasca in Betrieb.
Während des Zweiten Weltkrieges standen 2 Loks dieser Type auch in Österreich im Einsatz, nämlich die 490,015 (Bp 2861/1912)
unter der DRB-Nummer 99 831 auf der Waldviertelbahn, und die 490,019 (Bp 3106/1912) unter der StLB-Bezeichnung O.40 in Kapfenberg. Sie wurden von
der DRB aus Jugoslawien (dort als JDŽ 81-001 bzw. 81-004 im Einsatz) nach Österreich überstellt und nach dem Krieg wieder an Jugoslawien
zurückgegeben. Die 490,956 (Bp 4275/1916, ex kkHB 4056) verschlug es sogar bis nach Deutschland, sie stand unter der DRB-Betriebsnummer
99 2563 bis zu ihrer Verschrottung im Jahre 1955 (nach anderen Quellen 1944) in Mügeln im Einsatz.

490,058 (Bp 5850/1950) in Ópusztaszer

490,057 (Bp 5849/1949) im Museum Nagycenk

490,039 (Bp 5260/1942) am 9. August 2003 in Budapest-Hűvösvölgy.
Die Lok wurde am 17. 4. 1942 an die Schmalspurbahn Marosvásárhely (heute Tîrgu Mureş, Rumänien) geliefert,
1943 kam sie nach Szatmár (heute Satu Mare, Rumänien), 1945 auf die Wirtschaftsbahn Békéscsaba. Seit 1949 befindet sie sich auf der Budapester
Kindereisenbahn, ab 1973 war sie bei der Endstation Hűvösvölgy als Denkmal aufgestellt. Von Dezember 2004 bis Mai 2007 wurde sie
in der MÁV-Hauptwerkstätte Istvántelek betriebsfähig aufgearbeitet und steht seither für Nostalgiefahrten zur Verfügung.

CFF 764-222 (Bp 2619/1910) im Feld- und Industriebahnmuseum Freiland, Niederösterreich.