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Meldungen vor dem 10. Juni 2001

merkur-online.de vom 14. April 2001:
Positive Signale aus Österreich
Kurs für Außerfernbahn steigt

GAP/Innsbruck (tab)
Die Außerfernbahn muss erhalten bleiben - zumindest Politiker und Vertreter der anliegenden Gemeinden sind sich darüber völlig einig. Am Donnerstag sprach sich jetzt auch die österreichische Verkehrsministerin, Dr. Monika Forstinger, in Innsbruck für die Verbindung zwischen Garmisch-Partenkirchen, Reutte und Pfronten aus. "Sie schien sehr zuversichtlich", bestätigt Dr. Peter Hirt, der der Politikerin zusammen mit anderen Interessensvertretern eine Resolution zum Erhalt der Strecke überreicht hatte.

Die Ministerin habe von österreichischer Seite die nötige Infrastruktur zugesichert, berichtet der Präsident der Euregio Zugspitze-Wetterstein-Karwendel von dem Gespräch in "kompetenter Runde". Auch ihr Kabinettsmitglied Arnold Schiefer erklärt: "Wir haben signalisiert, dass wir alles tun werden, um eine zufriedenstellende Lösung zu finden." Diese politische Aussage hält Hirt für entscheidend. Wichtig sei aber auch, dafür zu sorgen, dass Zusagen der DB - über den Wiederaufbau der Oberleitung zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen - und der Bayerischen Staatsregierung schriftlich vorliegen.
Von Seiten der Bahn gebe es bisher keine definitiven Zusicherungen. Trotzdem gelte es jetzt, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten, betont Schiefer. Schließlich müssten die Bedürfnisse von Wirtschaft und Tourismus ermittelt werden. Außerdem sei zu klären, "was für ein Beitrag vom Land und von den Kommunen nötig wäre." Während des Termins in Innsbruck hätten alle hohe Bereitschaft signalisiert, sich auch an den Kosten zu beteiligen, verdeutlichte er "den konstruktiven Output des Gesprächs".
Zuversichtlich gibt sich auch Fritz Gurgiser, Obmann des Transitforums Austria-Tirol, der vor dem offiziellen Teil die Gelegenheit hatte, mit der Ministerin unter vier Augen zu sprechen. "Von Frau Dr. Forstinger muss jetzt das Signal an die ÖBB kommen", sagt er. Der monatelange, "verwunderliche" Hickhack zwischen ÖBB und DB müsse endlich beendet werden. Für die Ministerin - "sie nimmt eben die gesetzlichen Verpflichtungen wahr" - sei es völlig klar, dass die Strecke erhalten bleibt. Und dann "muss es aber auch eine Bahn sein, die den heutigen Anforderungen entspricht." Gurgiser denkt hierbei nicht nur an einen abgestimmten Fahrplan, sondern auch an moderne, komfortable Züge. "In Viehwagons will niemand reisen."


Gespräch mit Österreichs Verkehrsministerin

Zur Rettung der Außerfernbahn ist eine Delegation aus Garmisch-Partenkirchen und dem benachbarten Außerfern bei der österreichischen Verkehrsministerin, Dr. Monika Forstinger, vorstellig. Bei dem Gespräch in Innsbruck soll geklärt werden, ob der Weiterbetrieb der Bahn zum Fahrplanwechsel im Juni auch tatsächlich vollzogen wird. Die Vertreter der Euregio und der betroffenen Region haben hier berechtigte Zweifel. Erst letzte Woche war eine Delegation der Euregio in Berlin im Bundesverkehrsministerium.

(Meldung des Radiosenders Radio Oberland,
übermittelt vom Alwin Reiter, Webmaster der Ammerseebahn).


DB AG soll Personenverkehr auf der Außerfernbahn übernehmen

Kempten (Eigener Bericht) - Bald schon soll es wieder einen durchgehenden Personen-Verkehr auf der Außerfernbahn geben. Dies berichtete auf einer Versammlung von PRO BAHN dessen Allgäuer Regionalsprecher Jürgen Schmid am 26. März 2001 im Kemptener Hauptbahnhof.

Zur Zeit würden - so Schmid - Verhandlungen zwischen dem Land Tirol und der DB AG geführt. Ziel sei es, die Außerfernbahn wieder durchgängig für den Personenverkehr zu öffnen. Derzeit klafft im Zug-Verkehr eine Lücke zwischen Ehrwald und Garmisch-Partenkirchen. Dort wird derzeit "Schienenersatzverkehr" mit Bussen durchgeführt. Ziel der Verhandlungen sei es, die Strecke mit Diesel-Triebzügen von Pfronten-Steinach durchgängig über Reutte/Tirol bis Garmisch-Partenkirchen zu bedienen.

Ab dem Fahrplanwechsel zum 2. Juni 2001 soll diese Nachricht Wirklichkeit werden. Wie aus "gut unterrichteten Kreisen" von seiten der DB AG zu erfahren war, würde diesem Vorhaben kaum mehr etwas entgegenstehen.


Der Standart 06.03.2001:

Energie für neuen Gästestrom
Die bedrohte Außerfernbahn hat Lobbyisten gefunden

Reutte - Drei Güterwaggons, die von zwei Dieselloks gezogen werden müssen - das ist seit Mitte Oktober 2000 nicht die einzige Skurrilität im Zugverkehr im Außerfern. Wer von Innsbruck aus den Hauptort Reutte mit der Bahn erreichen will, dem empfiehlt die Homepage der ÖBB eine sechsstündige Rundreise über München-Füssen. Denn auf der steilen Strecke über Garmisch fährt kein Zug. Wien liegt 30 Fahrminuten näher.

Der Außerfernbahn fehlt der Strom - neun Jahrzehnte nachdem sie 1913 zwischen Garmisch und Reutte als eine der ersten elektrischen Nebenbahnen der Monarchie durch einen Staatsvertrag mit Bayern eröffnet wurde. Die Deutsche Bahn hat auf dem deutschen Abschnitt die reparaturbedürftige Fahrleitung abmontiert, will für die Instandsetzung Garantien eines Betreibers; die ÖBB fahren mit Bussen und planen, mit Blick auf die Bilanzen, den Personenverkehr einzustellen.

Dennoch will ein bayerisch-tirolerischer Marketingbeirat an alte Zeiten anknüpfen. Vertreter der Länder, Wirtschaftskammern und Tourismusverbände sowie Kommunalpolitiker aus dem Allgäu, dem Außerfern und dem Raum Garmisch setzen auf eine elektrifizierte Bahn als Herzstück der regionalen Entwicklung. Als Maximalvariante ist auch an eine Elektrifizierung auf dem nur mit Diesel befahrenen Abschnitt Reutte-Pfronten gedacht.

Tourismus-Highlight

In einer Machbarkeitsstudie werden die Investitionen in acht Jahren auf 500 Mio. S (36,35 Mio. EURO) geschätzt. Als "touristisches Highlight" soll die Außerfernbahn "positioniert" werden, den Ballungsraum München vor Augen.

Der Bezirkshauptmann von Reutte, Dietmar Schennach, sieht neue Möglichkeiten: etwa Anknüpfungen an die 1999 gestartete Interreg-Initiative "Vitales Land". Elf Ferienregionen zwischen Schwangau und Pfronten, dem Lechtal und Tannheimertal präsentieren sich seither gemeinsam. Auch im derzeit entstehenden Konzept für einen Nationalpark im Natura-2000-Gebiet des Lechtals soll die Bahn zentralen Stellenwert erhalten.

Als unabdingbar gilt ein Strombetrieb für den Gütertransport, vor allem für einen der großen Betriebe im Außerfern, das Zementwerk Schretter & Cie in Vils. Jährlich werden 120.000 Tonnen zum eigenen Malwerk in Kirchbichl geführt, am anderen Ende Tirols. Mit zwei Dieselloks pro Fahrt wird es teuer. (bs)


Tiroler Tageszeitung 11.02.2001:

Konkurrenz für Bahn durch Schienenersatz

Trotz der von der Deutschen Bahn seit kurzem betriebenen Züge zwischen Reutte und Ehrwald lassen die ÖBB weiterhin ihren Schienenersatzverkehr fahren.

REUTTE (huma). Fast schon paradiesische Zustände herrschen derzeit für Benützer von öffentlichen Verkehrsmitteln im Zwischentoren. Wer von Reutte nach Ehrwald oder retour fahren will, hat die Qual der Wahl: Neben Postbussen verkehrt auch der Schienenersatzverkehr der ÖBB und parallel dazu fahren die Züge der Deutschen Bahn.

Die Triebwagen rattern auf dieser Strecke nach längerer Pause erst wieder seit dem 3. Februar. Diese täglichen Zugverbindungen im Zweistunden-Takt von 8.30 bis 17.30 Uhr sind vom Land Tirol bestellt und werden von der Deutschen Bahn ausgeführt ein absolutes Novum. Für viele absolut unverständlich ist allerdings, dass zeitgleich auf der Straße der Schienenersatzverkehr der Österreichischen Bundesbahnen weiterläuft so, als ob es die Züge gar nicht geben würde. Emmerich Müller, der Leiter des ÖBB-Personenverkehrs für Tirol, verteidigt dieses Vorgehen und weist auf den mit dem Land Tirol abgeschlossenen Verkehrsdienstevertrag hin: Für uns gilt weiterhin der Fahrplan, den wir laut Vertrag zu erfüllen haben. Von seiner Seite könne daher keine Initiative zur Einstellung des Schienenersatzverkehrs ausgehen. Zu Vorwürfen, wonach es seinerseits eine Weisung gebe, dass die ÖBB-Busse die in Ehrwald endenden Züge nicht abwarten sollen, sagt Müller: Es gibt keine Weisung, diese Zeiten sind längst vorbei. Das Problem würden einzig zu spät kommende Züge darstellen: Wir können mit den Bussen nicht zu lange warten, sonst erreichen wir die Anschlusszüge in Garmisch nicht mehr.

Diethelm Judmaier von der Verkehrsabteilung des Landes bezeichnet die neuerliche Aufnahme des Schienenverkehrs auf dieser Strecke als ersten Schritt zur Wiederbelebung der Außerfernerbahn: Wir sind uns bewusst, dass das keine Ideallösung ist. Die Züge seien aber sehr gut ausgelastet. Außerdem würden mit den ÖBB Gespräche über eine Einstellung des Parallelverkehrs laufen: Ich hoffe in den nächsten Tagen auf eine einvernehmliche Lösung.

Wie die Zukunft der Nebenbahn nach dem 9. Juni ausschauen wird, wenn die ÖBB den Personenverkehr offiziell einstellen werden, darüber könne derzeit noch nichts Konkretes gesagt werden. Es würden derzeit mehrere Varianten geprüft. Fest stehe nur, dass man Neuland betreten werde.

Martin Teißl von PRO BAHN Allgäu/Tirol reagierte auf diese unmögliche Situation mit einem Schreiben an die österreichische Verkehrsministerin. Der Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Dipl.-Ing. Dr. Forstinger,
ich darf bitten, dass Sie SOFORT den von den ÖBB im Außerfern durchgeführten Schienenersatzverkehr einstellen lassen, weil dadurch Steuergeld vernichtet wird. Die Fakten entnehmen Sie bitte dem unten zitierten Artikel aus der Tiroler Tageszeitung vom 11.02.2001. Ich darf daran erinnern, dass der Leiter des ÖBB-Personenverkehrs für Tirol, Herr Mag. Emmerich Müller, von Ihrem Vorgänger, Dipl.-Ing. Michael Schmid "diszipliniert" wurde, weil er die Außerfernbahn stilllegen wollte. Und jetzt wirft der "disziplinierte" Regionalmanager Steuergeld beim Fenster hinaus, weil er am nicht mehr notwendigen Schienenersatzverkehr festhält. Direkt neben den Zügen der DB Regio AG fahren zeitgleich ÖBB-Busse im Schienenersatzverkehr. Ich danke für Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Teißl
PRO BAHN Allgäu/Tirol
Pirchanger 73
A-6130 Schwaz in Tirol


Die ÖBB haben nicht nur den Personenverkehr auf der Außerfernbahn eingestellt. Sondern Sie lassen den sog. "Schienenersatzverkehr" durch Busse der österreichischen Post erledigen. Dies kommentiert "Dar Hofer" wie folgt:

"Dia ÖBB sind's uanzige Verkehrsunternehmen, des offenbar it verkehra will: Die Bahn im Außerfera hond si ganz ei'gestellt und ihrn eigena Ersatzverkehr macht d'Poscht"


Tiroler Tageszeitung 29.12.2000:

Bahnerhalt: Lösung in Sicht

Gelohnt zu haben scheinen sich die Bemühungen der beiden Tourismusregionen Reutte und Zwischentoren. Die Deutsche Bahn übernimmt ab Februar den "Schnee-Express" auf den Gleisen im Außerfern.
AUSSERFERN (fasi). Ausschlaggebend für die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn AG waren die Forderungen der ÖBB, das Dreifache der bisher geleisteten Zahlungen zu erbringen. Da bereits seit geraumer Zeit mit den Nachbarn Gespräche geführt wurden, erfolgte prompt eine Krisensitzung in Garmisch. Dabei wurde die Idee laut, für den bisher bestehenden „Schnee-Express“, zwischen Reutte und Ehrwald, Züge der Deutschen Bahn einzusetzen. „Bereits damals signalisierte uns die Deutsche Bahn, helfend ein¦zu¦springen. Allein die Personalknappheit und Ausbildungsdauer verzögert die Um¦setzung noch ein wenig“, bestätigt der Obmann des TVB-Ferienregion Reutte, Werner Amman. In einem Schreiben kündigte nun die Deutsche Bahn an, ab 3. Februar Züge im Zwi¦schen¦toren einzusetzen. Diese sollen im Zwei-Stunden-Takt verkehren und so den Erhalt des „Schnee-Express“ sichern.


Keine Übernahme durch die BOB

Folgendes eMail erreichte den Sprecher von PRO BAHN Allgäu/Tirol am 1.12.2000:

Sehr geehrter Herr Teissl,

nach dem letzten Stand der Überlegungen seitens unseres Auftraggebers, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft mbH (BEG), einer Tochtergesellschaft des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Verkehr und´Technologie, wird in Absprache mit dem Fahrzeughersteller und uns auf einen Einsatz der "Integral"-Triebzüge auf der Ausserfernbahn verzichtet. Mitentscheidend ist die Anzahl der derzeit verfügbaren Fahrzeuge, da eine bestimmte Zahl zuerst zwingend für den Teillastbetrieb auf der Tegernseebahn-Strecke benötigt wird.

Mit freundlichen Grüssen
i.A. Hannes Geier
BOB-Pressesprecher


Ab Dezember bereits mit der BOB im Außerfern ?
Verhandlungen laufen mit der Bayerischen Oberlandbahn

Die Bayerische Oberlandbahn hat jetzt PRO BAHN Allgäu/Tirol mitgeteilt, dass derzeit Verhandlungen laufen und die BOB möglicherweise den Auftrag erhält, in absehbarer Zeit (vielleicht schon im Dezember) die Strecke von Garmisch nach Reutte mit Integraltriebwagen zu bedienen. Der Pressesprecher der BOB hat PRO BAHN gebeten, später bei ihm noch einmal nachfragen, weil er derzeit noch keine sicheren Aussagen machen kann.

Dass in Österreich die Außerfernbahn saniert wird, dürfte ziemlich sicher sein. Vermutlich wird dabei der signalisierte Zugleitbetrieb (SZB) eingebaut.


Schienenersatzverkehr bis 10.6.2001

Bis zunächst zum 10.6.2001 wird auf dem Teilstück der Außerfernbahn von Garmisch-Partenkirchen (GAP) nach Reutte/Tirol Schienenersatzverkehr von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) durchgeführt. Auf dem Teilstück von Kempten nach Reutte/Tirol rollt der Personen-Verkehr weiterhin auf der Schiene mit der DB AG.
Der Güterverkehr auf der Strecke zwischen Vils und GAP erfolgt jedoch weiterhin auf der Schiene.
Die Oberleitung zwischen GAP und Griesen (Staatsgrenze) wurde zwischenzeitlich abgebaut; entgegen ursprünglichen Befürchtungen wurden gut erhaltene Fahrmasten nicht abgebaut.
Wer Neuigkeiten kennt, möge diese bitte im Forum der Allgäu-Bahn veröffentlichen. Danke!


ÖBB-Güterzug (Vils - Reutte/Tirol - Innsbruck - Hall in Tirol) kurz vor Garmisch-Partenkirchen (an der Spitze des Zuges ist eine deutsche, am Ende eine österreichische Diesellokomotive).


Gut erhaltene Masten, die nicht abgebaut wurden, auf dem Teilabschnitt zwischen Griesen und Garmisch-Partenkirchen (Fotos: Martin Teißl).


Keine Totaldemontage der Oberleitung

Die DB AG hat zwar die Fahrleitung und das Tragseil zwischen Garmisch-Partenkirchen und der Staatsgrenze bei Griessen demontiert. Allerdings wurden entgegen den ursprünglichen Planungen nur jene Masten abgetragen, die nicht mehr saniert werden können. Alle anderen Masten sind erhalten geblieben.
Da der österreichische Verkehrsminister zurückgetreten ist, ist zu hoffen, das der Neue sich an die von seinem Vorgänger abgegebene Bestandsgarantie zur Außerfernbahn hält.


Übernimmt BOB die Außerfernbahn ?

In der Allgäuer Zeitung vom 28.10.2000 wird über die um fast eine Milliarde(!) gegenüber der Planung höheren Kosten der ICE-Neubaustrecke München - Ingolstadt - Nürnberg berichtet. Im letzten Absatz dieses Berichtes wird eine verbesserten Zusammenarbeit zwischen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und der DB-AG erwähnt. Die DB will zu 50 % bei der BOB mit einsteigen, dafür prüfe man bei der BOB einen Einstieg bei der von der Stilllegung bedrohten Ausserfernbahn(!) von Garmisch-Partenkirchen in das Allgäu. Gut so, im Oberland ist seinerzeit die DB "eingesprungen", weil die BOB nicht mehr fahren konnte oder deren Fahrzeuge nicht funktionierten, jetzt springt im Ausserfern die BOB ein, weil DB und ÖBB nicht in der Lage sind, einen ordentlichen Betrieb durchzuführen.


Die Verwirrspiele des Personenverkehrschefs
Von Markus Herbert Inderst

Daß der Personenverkehrschef einer der vehementesten Verfechter für die Schließung von Nebenbahn ist, wußte man spätestens dann, als sich der Generaldirektor Draxler sowie auch andere Vorstanddirektoren mit öffentlichen Aussagen zurückhielten, und VD Stindl weiterhin an den bisherigen Aussagen festhielt, womit die Reputation des Unternehmens merklich nach unten sank. Warum VD Stindl in der Öffentlichkeit so vorpreschte, ist offensichtlich, da er schon der Meinung war, fix im neuen Vorstand als Chef des Absatzbereiches anzugehören.

Zwischenzeitlich gibt es Überlegungen, ob man nicht die wichtigsten vier Nebenbahnen, die bei der Bevölkerung am beliebtesten sind, im Rahmen einer neu zu gründenen Tochtergesellschaft weiterbetreiben möchte. Die Salzburger Nachrichten (SN) vom 11. Oktober berichten unter anderem, daß sich die ÖBB an einigen fixen Schließungskanditaten wieder interessieren. Konkret sind das

* die Pinzgaubahn,
* die Ybbstalbahn,
* die Mariazellerbahn und
* die Außerfernbahn.

Der Hintergrund für das Weiterbetreiben dieser vier C-Netz-Bahnen liegt darin, daß sich der ÖBB-Vorstand vor weiterer Konkurrenz fürchtet, insbesondere wegen des neuen Partners der GKE, der besonders finanzstark ist, und der ÖBB in der Zukunft merklich Probleme (Nahverkehr) bereiten könnten.

Die SN berichtet, daß VD Stindl bestätigt, "daß es Überlegungen gäbe, sich via einer Tochter für die Infrastruktur einzelner Strecken wieder zu bewerben. Daß die Idee aus dem Haus kommt, bestreitet er allerdings: Das ist eine der Varianten, die außerhalb der ÖBB ventiliert werden." In der Tiroler Tageszeitung (TT) vom 12. Oktober war hingegen zu lesen, "ÖBB-Personenverkehrschef Gerhard Stindl dementierte gestern gegenüber der TT Meldungen, wonach die ÖBB schließungsgefährdete Nebenbahnen über eine zu gründende Tochtergesellschaft doch weiterführen könnten." Und Stindl weiter, "wir werden uns an einer Ausschreibung dieser Bahnen nicht mehr beteiligen."

In Bezug auf die Außerfernbahn meinte Stindl gegenüber der TT, "die Fahrleitung werde von der DB demontiert, die ÖBB werden den Personenverkehr mit Bussen bedienen, der Betrieb ist bis zum 9. Juni 2001 garantiert. Danach wollen die ÖBB den Personenverkehr einstellen, der Güterverkehr könnte aber weiter betrieben werden." Während bei dieser Aussage VD Stindl das Wort "könnte" verwendet, sagte er gegenüber der Süddeutschen Zeitung vom 6. Oktober, "das eine entgültige Schließung des Güterverkehrs noch von Gesprächen zwischen den ÖBB und ihren Kunden abhänge." Stindl sagte aber weiter, "Hintergrund für den Entschluß, die Außerfernbahn doch nicht zu still zu legen, sei das 1955 (es wurde eigentlich 1958 abgeschlossen) geschlossene Außerfern-Mittenwald-Abkommen (AMÜ) zwischen Österreich und Deutschland, welches die österreichische und die deutsche Bahn verpflichtet, die Strecke zu erhalten. Das Abkommen sei bisher nicht gekündigt worden, und bindet uns nach wie vor". Stindl bestätigt außerdem noch die von seinem Kollegen DI Hainitz zugesagte Sanierung der Fahrleitung. Die DB hofft, wie aus diesem Artikel zu entnehmen ist, auf einen neuen Betreiber, den es auch geben wird. Denn der Geschäftsführer der GKE, Mag. Weintögl, bestätigte gegenüber der TT auch weiterhin an der Außerfernbahn interessiert zu sein. Er meinte allerdings auch, sollte sich die ÖBB via einer Tochter bewerben, dann fühle er sich "gefolzelt!". Er sagte weiters, "falls man ÖBB-Lokführer bekomme, könne der Betrieb rasch aufgenommen werden, sonst werde es über ein Jahr brauchen." Daß die GKE übrigens auch Lokführer der DB anmieten könnte, sei nur am Rande erwähnt.

Alleine schon diese Aussagen nur rund um die Außerfernbahn zeigen, wie verwirrend momentan ein Vorstandsmitglied in der Öffentlichkeit agiert. Der ursprüngliche Plan, mehr Geld von den Ländern zu holen, bestätigt sich immer mehr, ansonsten würden die ÖBB bezüglich ihrer Nebenbahnen viel offener und auch sachlicher argumentieren.

Abschließend sei noch erwähnt, daß die Idee der oben angesprochenen Tochtergesellschaft auf eine kleine Gruppe von Schmalspurbahnfreunden zurückzuführen ist, die diese Idee im Rahmen einer Sonderfahrt damals verkündet haben. Für das Schmalspurnetz im Waldviertel hätte es eine Lösung gegeben, indem eine tschechische Privatbahn, die ebenfalls eine Schmalspurbahn nördlich von Litschau betreibt, die Bahn übernommen wollte, allerdings mit ÖBB-Fahrzeugen. Die ÖBB waren damit nicht einverstanden und teilten dem interessierten Betreiber mit, daß die Fahrzeuge selbst benötigt werden. Wozu eigentlich, wenn sie alle Schmalspurstrecken abgeben will!

eMail an Markus Herbert Inderst


ÖBB fordert von der DB AG den Erhalt der Oberleitung

Ich darf Sie davon in Kenntnis setzen, dass der Österreichische Verkehrsminister, DI Michael Schmid in seinem Schreiben vom 5. Oktober 2000 an den Vorstandsdirektor der Deutschen Bahn AG, Herrn Dr. Hartmut Mehdorn, (Potsdamer Platz 2, D-10785 Berlin) u.a. wörtlich schreibt (Kopie liegt mir vor; die Tippfehler des Originalschreibens habe ich im Zitat beibehalten!):

"Sehr geehrter Herr Vorstandsdirektor!

Wie Ihnen sicher bekannt ist, gibt es derzeit in Tirol größte Sorge um den Weiterbestand der sog. Außerfernbahn zwischen Garmisch-Partenkirchen und Reutte in Tirol aufgrund der dieser Tage beabsichtigten Abtragung der Fahrleitung auf dem Deutschen Streckenabschnitt zwischen Garmisch und Griesen. Ich möchte nochmals in Erinnerung rufen, daß die Strecke auf der österreichischen Seite in jedem Fall aufrechterhalten wird, unabhängig davon, ob die ÖBB im Personenverkehr den Betrieb aufrechterhält oder ob dieser gegebenfalls durch einen anderen Betreiber weitergeführt wird. Der Güterverkehr steht aufgrund seines hohen Aufkommens ohnedies nicht zur Disposition. Ich darf auch erwähne, daß derzeit auf dem österreichischen Streckenteil Sanierungsarbeiten an der Lechtalbrücke durchgeführt werden, was die Absicht eines Weiterbetriebes dieser Strecke augenscheinlich unterstreicht.

Ich ersuche Sie daher, in ihrem Zuständigkeitsbereich alles zu unternehmen, um die Abtragung der Fahrleitung zu verhindern bzw. im Falle einer zwingenden technischen Notwendigkeit dieser Maßnahme eine rasche Wiedererrichtung zu gewährleisten."

Mit freundlichen Grüßen
Martin Teißl, PRO BAHN Allgäu/Tirol, Pirchanger 73, A-6130 Schwaz in Tirol


NUR NOCH GÜTERVERKEHR AUF DER AUSSERFERNBAHN ?
ÖBB wollen Personenverkehr einstellen

Von Jürgen Schmid, Sprecher von PRO BAHN Allgäu und einer der Sprecher von PRO BAHN Allgäu/Tirol

Liebe Freundinnen und Freunde der Ausserferner Bahn,

allen Protesten von uns und von vielen anderen Institutionen und Privatpersonen zum Trotz konnte leider nicht verhindert werden, dass die DB-Netz AG die angeblich marode Fahrleitung zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen (Oberbayern) abreißen wird.

Immerhin hat man nicht, wie in vielen Medien berichtet, bereits in dieser Woche mit dem Abreißen begonnen, man hat den Beginn der Abbauarbeiten nochmals um eine Woche verschoben und will nun ab Montag, dem 16.10.2000 die elektrische Fahrleitung abschalten und danach mit der Demontage beginnen. FÜR REISENDE eine LETZTE CHANCE: So kann man BIS einschliesslich SONNTAG, dem 15.10.2000 noch ein letztes Mal die GESAMTE Ausserfernbahn von Kempten über Pfronten nach Reutte nach Garmisch abzufahren und ggf. mit der Mittenwaldbahn weiter nach Innsbruck durchzufahren.

Wie dem nachfolgend zitierten Bericht aus der Allgäuer Zeitung vom 11.10.2000 zu entnehmen ist, wollen die ÖBB voraussichtlich DEN GANZEN WINTER ÜBER von Reutte bis Garmisch keine Personenzüge fahren lassen. Ab dem Sommerfahrplan 2001 wird der Personenverkehr dann auch "offiziell" stillgelegt (ab nächste Woche fährt "nur" ein Schienenersatzverkehr), und zwar dann auf dem GESAMTEN österreichischen Abschnitt bis zum Grenzübergang Pfronten-Steinach (von Pfronten bis Reutte fährt derzeit noch die DB von Kempten kommend, wobei die Fahrt über die Grenze hinaus im Auftrag und auf Verantwortung der Österreichischen Bundesbahnen erfolgt, übrigens gab es Pläne des für den Personenverkehr Tirol zuständigen ÖBB-Managers, auch diesen Verkehr bereits jetzt im Herbst einzustellen, so dass die Bezirkshauptstadt Reutte mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf der Schiene nicht mehr erreichbar gewesen wäre).

Kempten/Reutte (mun). Kommenden Montag wird auf dem Abschitt Garmisch bis zur Landesgrenze der Außerfernbahn mit dem Abbau der maroden FahrleitunRen begonnen. Gleichzeitig fahren statt der Personenzüge zwischen Garmisch und Reutte nur noch Busse. Güterzüge verkehren allerdings weiter.
Das sagte Arno Guggenbichler von den österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Nach wie vor wollten die ÖBB ab Juni 2001 den Personenverkehr auf der gesamten Strecke ganz einstellen, Güterzüge sollen aber weiter fahren. Diese Situation könne sich ändern, wenn ein anderer Betreiber für die defizitare Strecke gefunden werde. Der Oberallgäuer Grünen-Landtagsageordnete´Adi Sprinkart hat in einem Dringlichkeitsantrag im Verkehrsausschuss gefordert, Bayern und Tirol sollten einen neuen Betreiber für die Bahn suchen.

Ein schwacher Trost: Wenigstens der Güterverkehr und damit der Bestand der Infrastruktur (Schienen) ist laut o.g. Bericht nun endgültig gesichert (es war zuletzt zu befürchten, daß bis zu 140.000 Tonnen pro Jahr auf den LKW verlagert werden müßten). Wie wir einem anderen Zeitungsbericht (Süddeutsche Zeitung vom 06.10.2000) entnommen haben, ist sogar ziemlich sicher, dass im Frühjahr/Sommer wieder eine neue Oberleitung aufgebaut wird (die Fahrleitung war bisher der Dreh- und Angelpunkt bezüglich des Bestandes der Strecke), und wenn die DB dies nicht tut, dann baut sogar die ÖBB auch noch auf deutschem(!) Boden eine neue Leitung. Somit ist langfristig auch die Elektrifizierung sicher.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass nun wirklich sehr bald ein neuer Betreiber defintiv sich bereit erklärt, die Strecke zu übernehmen und dann unter privater Regie auch wieder Personenzüge auf dieser langschaftlich einmaligen Verbindung
fahren. Vielleicht kann ein neuer Betreiber das Ganze auch besser vermarkten.

Da der einstweilen als Ersatz angebotene Busverkehr vor allem im Winter bei ungünstigen Straßenverhältnissen oder bei Stau zwangsläufig alles Andere als zuverlässig sein wird, empfiehlt es sich für Reisende aus dem Allgäu ab der kommenden Woche NICHT mehr, weiter als bis Reutte (zwischen Kempten und Reutte fahren die Züge ohnehin mit Diesel und sind deshalb von der Stromabschaltung nicht betroffen) mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

Wer nach Innsbruck oder weiter nach Süden will, dem können wir ab nächste Woche bis auf weiteres nur das nahelegen, was bisher die DB-AG ohnehin schon immer getan hat (sie tat das bisher, um zu VERHINDERN, dass zu viele Reisende auf die Ausserfernbahn kommen), nämlich den Umweg über Lindau - Bregenz - Bludenz und dann über den Arlberg zu nehmen oder doch besser gleich mit dem Pkw über den Fernpaß zu fahren. Mit Letzterem steht man dann zwar auch im Stau genauso wie der Bus, aber wenigstens sitzt man im Warmen, kann Autoradio hören und braucht keine Angst zu haben, einen Anschluß zu versäumen und man muß auch nicht einen teuren Umweg bezahlen. Reisenden, die nach Garmisch wollen oder müssen, bietet sich alternativ noch die Strecke über Geltendorf und Weilheim oder über München-Pasing an...

Grüße aus dem Allgäu,
Euer Jürgen.


AUßERFERNBAHN GERETTET ?
Landespressedienst Tirol vom 3.10.2000

"Der Abbau der Fahrleitung auf der deutschen Strecke der Ausserfernbahn ist aus technischen Gründen notwendig. Trotzdem wird sichergestellt, dass der elektrische Schienenbetrieb auf der Ausserfernbahn weitergeht." Diese Zusicherung gab heute der stellvertretende ÖBB-Generaldirektor DI Helmut Hainitz dem Tiroler Landeshauptmann Dr. Wendelin Weingartner.

Es soll laut Hainitz entweder durch die Deutsche Bahn im Auftrag der ÖBB oder durch die ÖBB selbst eine neue Oberleitung errichtet werden. "Durch die Zusicherung der ÖBB, die Strecke langfristig weiterbetreiben zu wollen, ist die Deutsche Bahn bereit, auch auf ihrem Streckennetz den Betrieb technisch zu gewährleisten", so Landeshauptmann Weingartner.


OFFENES SCHREIBEN AN DEN ÖSTERR. VERKEHRMINISTER
VON DER "ALLGÄU-BAHN":

Sehr geehrter Herr Verkehrsminister,

das Internet-Projekt Allgäu-Bahn (http://www.allgaeu-bahn.de) begleitet in seiner Rubrik "Rettet die Außerfernbahn!" konstruktiv die Bemühungen zahlreicher Organisationen und Persönlichkeiten, die sich um den Erhalt der Außerfernbahn bemühen.
So wurde auch das an Sie gerichtete Schreiben (eMail) von PRO BAHN Allgäu/Tirol vom 2.10.2000, in dem Sie gebeten wurden, den ÖBB-Regionalmanager Mag. Emmerich Müller abzuziehen, veröffentlicht.

Ab 8. Oktober 2000 wird die Deutsche Bahn AG (DB) die Oberleitung zwischen Garmisch-Partenkirchen und Staatsgrenze aufgrund des maroden Zustandes abbauen. Trotz vorhandener finanzieller Mittel wird diese Oberleitung - zunächst - nicht ersetzt. Der Grund: die ungeklärte Lage in Österreich über den Bestand der Außerfernbahn ab Sommer 2001. Ich bitte Sie nun, sehr geehrter Herr Minister, die Besucher des Internet-Projektes "Allgäu-Bahn" davon zu unterrichten, ob die Außerfernbahn auch über den Sommer 2001 auf österreichischer Seite weiterhin besteht und - wichtig - auch befahren wird und wie lange die österreichische Staatsregierung den Bestand dieser Bahn garantiert.

Zu dem wollen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) über den ganzen Winter hindurch Schienenersatzverkehr auf dem Abschnitt Reutte - Garmisch-Partenkirchen anbieten. So äußerte sich zumindest der schon oben angesprochene Mag. Müller auf einer Podiumsdiskussion am 2. Oktober 2000 in Pfronten (Ostallgäu). Der Grund dafür sei die fehlende Oberleitung zwischen Staatsgrenze und Garmisch-Partenkirchen. So müssten zwei Diesellokomotiven eingesetzt werden, und dazu hätten die ÖBB in ganz Österreich keine entsprechenden Fahrzeuge vorrätig. Daraufhin hat Herr Dipl.-Ing. Andreas Schulz, Prokurist und Abteilungsleiter Planung bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft mbH, Herrn Mag. Müller das Angebot unterbreitet zu versuchen, in Europa diese zwei erforderlichen Diesellokomotiven aufzutreiben, damit die ÖBB dadurch in die Lage versetzt werden, auch im kommenden Winter den Personenverkehr auf der Schiene aufrechtzuerhalten. Das Ausleihen von Diesellokomotiven innerhalb der europäischen Bahnverwaltungen ist ein durchaus übliches Verfahren, um Engpässe an Lokmaterial zu vermeiden.

So sehr das Angebot von Herrn Dipl.-Ing. Andreas Schulz zu begrüßen ist, so sehr wäre es wohl die Aufgabe der ÖBB, selbst dafür zu sorgen, dass zwei Diesellokomotiven zur Verfügung stehen. Ich darf Sie daher bitten, den ÖBB die entsprechende Weisung zu erteilen die sicherstellt, dass auch im bevorstehenden Winter der Verkehr zwischen Reutte und Garmisch-Partenkirchen auf der Schiene stattfindet. Alles andere wäre der vorzeitige Todesstoß für die Außerfernbahn.

Desweiteren bitte ich um Mitteilung, wie sich die österreichische Staatsregierung die weitere Zukunft des Güterverkehrs auf der Außerfernbahn vorstellt. In den letzten Jahren hat sich die Tonnage auf nunmehr dieses Jahr geschätzten 140.000 Tonnen verdoppelt. Die außerferner Wirtschaft - das belegen diese Zahlen - hat sich dadurch erfolgreich bemüht, Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen. Die leidige Diskussion um den Erhalt der Außerfernbahn ist nicht förderlich, diese begrüßenswerte Entwicklung beizubehalten.
...
Mit freundlichen Grüßen

Internet-Projekt ALLGÄU-BAHN

Rolf Bickelhaupt, Diplom-Verwaltungswirt, Von-Grünenstein-Straße 10, D-87634 Obergünzburg


PRO BAHN ALLGÄU/TIROL FORDERT ABLÖSUNG EINES ÖBB-SPITZENMANAGERS
Offenes Schreiben an den österreichischen Verkehrsminister

In einem Schreiben an den österreichischen Verkehrsminister hat der Sprecher der grenzüberschreitenden Fahrgastvereinigung PRO BAHN Allgäu/Tirol, Magister Martin Teißl, am 2. Oktober 2000 die Ablösung von Magister Emmerich Müller, dem Leiter des ÖBB-Personenverkehrs Tirol, gefordert. Hier Auszüge aus dem Wortlaut des Schreibens:

"Sehr geehrter Herr Verkehrsminister,

....
Dann darf ich Ihnen noch mitteilen, dass der Tiroler ÖBB-Regionalmanager für den Personenverkehr am 1. Oktober 2000 bei einer Veranstaltung zur Zukunft der Außerfernbahn in Pfronten nahe der Bayerisch-Tirolerischen-Grenze erneut erklärt hat, dass die ÖBB bereits in diesem Herbst einen dauerhaften Schienenersatzverkehr mit Bussen einführen werden (auch der überaus beliebte Schneeexpress soll im Winter durch Busse ersetzt werden). Mir ist bekannt, dass Sie bereits einmal eine Weisung gegeben haben, dass die ÖBB hinkünftig solche Aussagen zu unterlassen haben und dass Sie garantieren, dass die Außerfernbahn heuer sicher nicht stillgelegt werden wird. Können Sie Herrn Mag. Müller bitte nicht dahingehend disziplinieren, dass er ENDLICH aufhört, derartige Aussagen zu machen, wie er sie am 1. Oktober 2000 wieder gemacht hat. Ich darf dringend bitten, Herrn Mag. Müller von seinem Posten abzuziehen, da er trotz Ihrer Weisung weiterhin keine Gelegenheit auslässt, um die Außerfernbahn noch heuer endgültig zu ruinieren. Ich darf bereits im Voraus für Ihre geschätzte Stellungnahme danken.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Teißl
PRO BAHN Allgäu/Tirol
Pirchanger 73
A-6130 Schwaz in Tirol"


ÖBB wollen im Winter mit Bussen fahren
Bayer. Eisenbahngesellschaft will das verhindern!

Von Rolf Bickelhaupt

Pfronten. Ab 8. Okt. 2000 baut die Deutsche Bahn AG (DB) die Oberleitung zwischen Garmisch-Partenkirchen und der Staatsgrenze bei Griessen ab. Dies ist für die DB aufgrund der maroden Oberleitung unbedingt erforderlich. Trotz vorhandener finanzieller Mittel erfolgt vorerst jedoch kein Neubau der Oberleitung. Grund: die ungeklärte Lage in Österreich im weiteren Verlauf der Trasse von der Staatsgrenze bis Reutte/Tirol. Zwar ist der Betrieb seitens der österreichischen Regierung zunächst bis Sommer 2001 gesichert, aber was danach kommt, steht in der Sternen.

Zudem wollen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die die Strecke von Garmisch-Partenkirchen bis nach Reutte/Tirol grenzüberschreitend bedienen, über den gesamten Winter Schienenersatzverkehr (sprich Einsatz von Linienbussen) durchführen. Grund: aufgrund der dann fehlenden Oberleitung auf deutschem Staatsgebiet müssen zwei Dieselloks eingesetzt werden, und dafür könnten die ÖBB in ganz Österreich keine entsprechenden Fahrzeuge auftreiben. So zumindest Magister Emmerich Müller, der Leiter des ÖBB-Personenverkehrs Tirol, am 1. Okt. 2000 auf einer Podiumsdiskussion der Gemeinde Pfronten anlässlich des Tages der Regionen.

Das hat nun den Abteilungsleiter Planung bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, Andreas Schulz, auf den Plan gerufen. Am Rande der Podiumsdiskussion hat er Magister Müller das Angebot unterbreitet, dass er sich in ganz Europa bemühen werde, die notwendigigen zwei Dieselloks aufzutreiben, damit die ÖBB dadurch in die Lage versetzt wird, auch im Winter den Schienenverkehr aufrechtzuerhalten.

Sollte Schulz mit seinen angekündigten Bemühungen erfolgreich sein, so liegt dann der "Schwarze Peter" ausschliesslich bei den ÖBB. Es wird also spannend!



Was wollte denn der Gleismeßzug am 4.9.2000 in Griesen?
Foto: Moritz Gretzschel


Privater Interessent für Außerfernbahn

Ein privater Anbieter interessiert sich jetzt für die Außerfernbahn. Bereits am Dienstag werden entsprechende Gespräche geführt, hat der Reuttener Bürgermeister Helmut Wiesenegg angekündigt.

Ob der neue Interessent die Bahn ganz übernehmen oder den Österreichischen Bundesbahnen die finanziellen Mittel zur Erhaltung der Bahn zur Verfügung stellen will, ist noch nicht klar.

Sollte die Außerfernbahn einen Abnehmer finden, hat die deutsche Bundesregierung zugesichert, den deutschen Streckenteil der Bahn auszubauen.


Außerfernbahn fährt weiter
Schliessung vorerst aufgehoben!

Österreichs Infrastrukturminister Michael hat am 27. August gegenüber Radio Tirol (ORF) versichert, dass die Außerfernbahn nicht eingestellt wird, außer es gäbe Alternativen, mit denen die Betroffenen in der Region einverstanden wären. Kurz zuvor hatten das Transitforum Austria/Tirol und die Arbeiterkammer Tirol eine Rettungsaktion zum Erhalt der Trasse gestartet.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wollten ursprünglich diese Strecke wegen Unrentabilität einstellen. Offensichtlich hat dagegen Schmid sein Veto, das er kraft seines Amtes bei Stilllegungsabsichten der ÖBB hat, eingelegt. Dies bedeutet zugleich, dass die Republik Österreich das für die notwendige Sanierung der Strecke Pfronten - Reutte/Tirol - Garmisch benötigte Geld zur Verfügung stellen wird.

Unabhängig davon wird es spätestens im Jahre 2007 zur Privatisierung der Außerfernbahn kommen, weil dies von der Europäischen Union (EU) bei defizitären Eisenbahnstrecken für den Personenverkehr zwingend vorgeschrieben ist.


Allgäuer Zeitung vom 26.08.2000:
Bayern und Tirol für Erhalt der Außerfernbahn

"Fischen. "Der Freistaat Bayern und das Land Tirol sind sich einig, dass die Außerfernbahn erhalten bleiben muss." Dies hat Bayerns Wirtschaftsminister Dr. Otto Wiesheu an den Vorsitzenden des Regionalen Planungsverbandes, Toni Vogler, geschrieben. Wie berichtet, soll die Außerfernbahn zwischen Garmisch, Reutte und Pfronten zum 6. Oktober stillgelegt werden. Bayern halte, so heißt es in dem Schreiben weiter, an den "geplanten Infrastrukturmaßnahmen im Abschnitt Garmisch - Griesen fest, solange eine Aussicht auf den Erhalt und die Bedienung der Strecke" bestehe. Das Land Tirol wiederum wolle die Einhaltung des "Verkehrsdienstevertrages" mit der Österreichischen Bahn mit allen Mitteln durchsetzen."


Allgäuer Zeitung vom 24.08.2000:
Protest gegen Stilllegung der Außerfernbahn

"Kempten. Mehrere Politiker aus der Region, dem angrenzenden Oberbayern und Tirol haben in einer Resolution gegen die angekündigte Stilllegung der Außerfernbahn protestiert. Wie berichtet, hatte die Österreichische Bundesbahn bekannt gegeben, die Bahnstrecke ab 6. Oktober einzustellen. Die Resolution an den österreichischen Bundeskanzler Schüssel war auf Initiative der Wirtschaftskammer Tirol zustande gekommen."


Stellungnahme der DB Netz zur Außerfernbahn vom 21.08.2000 an PRO BAHN Allgäu
Abbau der Oberleitung in Deutschland aufgrund geplanter ÖBB-Streckenstilllegungsplänen

In den folgenden Ausführungen gibt die DB Netz AG den "schwarzen Peter" hinsichtlich der Stilllegung der Außerfernbahn an die ÖBB. Hier die Stellungnahme der DB Netz AG:

"Sehr geehrter Herr Schmid,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 18.07.2000, in dem Sie sich für den Erhalt von Eisenbahninfrastruktur in Bayern einsetzen.

Die DB Netz AG ist aus kaufmännischen Gründen allgemein gehalten, laufend die Notwendigkeit der Vorhaltung der kostenintensiven Infrastruktur zu überprüfen und bei anstehenden Investitionen alle Möglichkeiten der Kostenreduzierung zu nutzen. Hinsichtlich der Kreuzungsbahnhöfe Durach, Jodbad Sulzbrunn und Nesselwang haben erste Untersuchungen ergeben, dass die Kreuzungsgleise sehr selten benutzt werden, und die Fahrpläne des Allgäu-Schwaben-Taktes die Kreuzungsgleise dort entbehrlich werden lassen.

Sie werden verstehen, dass wir vor diesem Hintergrund vor der Erneuerung der abgängigen Anlagen sehr genau prüfen, ob sie auch in Zukunft noch benötigt werden. Bei dieser Prüfung werden auch die Auswirkungen eines Rückbaus von Kreuzungsgleisen auf die Leistungsfähigkeit der Strecke untersucht. Ergebnisse dieser Detailuntersuchungen für die Strecke Kempten - Pfronten liegen noch nicht vor; Entscheidungen sind daher noch nicht getroffen worden. Sofern durch zusätzliche Bestellungen des Freistaates Bayern neue, höhere Leistungsanforderungen an die Strecke gestellt werden, müssen diese Untersuchungen natürlich neu geführt werden.

Wie Ihnen sicher bekannt ist, ist die Oberleitung auf dem Streckenabschnitt von Garmisch-Partenkirchen nach Griesen abgängig und erfordert eine grundlegende Erneuerung. Die Umsetzung dieser Maßnahme wurde Anfang dieses Jahres fachtechnisch geplant und sollte im Herbst erfolgen.

Im Frühjahr dieses Jahres wurden wir nun von der ÖBB schriftlich darüber informiert, dass die ÖBB beabsichtigen, ihren Schienenpersonennahverkehr zum Fahrplanwechsel 2001 wegen Unwirtschaftlichkeit einzustellen. Als Grund für die Einstellung nannten die ÖBB ein erhebliches jährliches Defizit und die beabsichtigte Kürzung bisheriger staatlicher Zuschüsse. Auch stehen in den nächsten Jahren auf dem ca. 30 km langen Streckenabschnitt der ÖBB von Griesen bis Pfronten-Steinach Investitionen in die Infrastruktur von über 40 Mio. DM an. Die durch das Fahrtgastaufkommen erzielten Erlöse stehen bei nur. ca. 250 Reisenden pro Tag in keinem Verhältnis zu den erforderlichen Aufwendungen. Da auch die DB Netz AG in den nächsten Jahren ca. 16 Mio. DM in ihre Anlagen investieren muss, ist die künftige Verkehrsabwicklung auf der Außerfernbahn aus der Sicht des Infrastrukturbetreibers zumindest in Frage gestellt.

Vor diesem Hintergrund sah sich die DB Netz AG nun nicht mehr in der Lage, kurzfristig 5 Mio. DM in eine notwendige Erneuerung der Oberleitung zu investieren. Da die Fahrleitungsmasten durch Frosteinwirkungen im kommenden Winter einsturzgefährdet sind, haben wir uns zur Vermeidung einer technisch bedingten Streckensperrung entschliessen müssen, die Oberleitungsanlagen (Masten, Oberleitung, Speiseleitung) noch vor Einbruch des Winters zurückzubauen. Dieser Rückbau wird im Oktober dieses Jahres im Zuge einer Streckensperrung mit Schienenersatzverkehr erfolgen. Anschließend, also ab Anfang November, ist auf diesem Streckenabschnitt wieder eine Betriebsabwicklung möglich, allerdings nur im Dieselbetrieb. Die DB Regio AG ist bemüht, entsprechende Fahrzeuge in diesem Bereich einzusetzen.

Falls sich die verkehrliche Situation zugunsten einer Weiterführung bzw. Wiederaufnahme des Betriebes auf Seiten der ÖBB ändern und ein elektrischer Betrieb wieder erforderlich werden sollte, ist unter Berücksichtigung der entsprechenden Vorlaufzeiten eine Wiedererrichtung der Oberleitungsanlagen technisch jederzeit möglich. Letztendlich muss sich diese Maßnahme jedoch für die DB Netz AG rechnen

Es ist richtig, dass die DB Netz AG ihr Regionalstreckennetz auf Wirtschaftlichkeit hin untersucht. Bislang wurden jedoch noch keine Entscheidungen getroffen, Strecken im Allgäu an Dritte abzugeben oder Kooperationen mit örtlichen, mittelständischen Unternehmen einzugehen.

Ich hoffe, Sie mit meinen Darlegungen ausreichend informiert zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

gez.: "Stempel"


DER STANDARD, 23. August 2000 TIROL
Deutsche kappen Strom: Aus für Außerfernbahn

Innsbruck/Wien - Die Außerfernbahn auf der Route Garmisch-Ehrwald-Reutte-Pfronten stellt Anfang Oktober den Personen- und Güterverkehr ein. Mit gleichem Fahrplan werde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet, erklärt Emmerich Müller, Leiter des ÖBB-Personenverkehrs in Innsbruck.

Bisher galt die Außerfernbahn - wie 92 andere Nebenbahnen auch - als einstellungsgefährdet, war aber durch einen Vertrag zwischen ÖBB und Land Tirol bis Ende 2007 abgesichert. Nun jedoch hätten sich die Rahmenbedingungen des Vertrages "wesentlich geändert", erklärt Müller: Die Deutsche Bahn (DB) habe angekündigt, in sechs Wochen auf ihrem Abschnitt den Strom abschalten zu wollen.

Weil auch der "Saft" für den österreichischen Bahnabschnitt aus Deutschland komme, wäre ein weiterer Betrieb also nur mit Dieselloks möglich. Dieselloks jedoch seien weder in Deutschland noch in Österreich aufzutreiben. "Das ärgert uns nicht", fügt Müller hinzu, das Aus für die Außerfernbahn erfolge bloß früher als jenes für die anderen Nebenbahnen.

Tirols SPÖ-Klubobmann Walter Guggenberger spricht von einem Rechtsbruch seitens der ÖBB und fordert die Landesregierung zu einer Klage auf. Per einstweiliger Verfügung solle das Land versuchen, den weiteren Betrieb der Bahn zu erzwingen.

ÖBB-Vorstandsdirektor Gerhard Stindl lehnt diese Kritik als "völlig haltlos" ab und verweist auf gute Gespräche mit dem Land. Wie vorgesehen werde es zur Ausschreibung des Außerfernbahnnetzes kommen. Ob sich ein neuer Betreiber finde, sei jedoch fraglich. (hs)


"AUSSERFERNBAHN WIRD EINGESTELLT"
Unter dieser Überschrift veröffentlicht die "Allgäuer Zeitung" am 19. Aug. 2000 den folgenden Bericht. Wie daraus zu entnehmen ist, sind sich die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und das Land Tirol nicht einig geworden, den Erhalt der Bahn zu sichern. Die Bahn soll jetzt "zum Verkauf angeboten" werden!
Die Meldungen der "Allgäuer Zeitung" im Einzelnen:

Die Außerfernbahn Pronten - Reutte - Garmisch wird ab 6. Oktober ihren Betrieb einstellen, sagt Emmerich Müller, der Leiter Personenverkehr bei der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB). Vorläufig werden auf der Strecke Ersatzbusse eingesetzt, bis endgültig über die Zukunft der Bahn entschieden ist. Aus wirtschaftlichen Gründen sei die Außerfernbahn für die ÖBB nicht mehr tragbar, so Müller. Für den Erhalt der einzigen Bahn-Verbindung vom Allgäu nach Österreich über Kempten - Pfronten - Reutte müssten laut Müller mindestens 30 Millionen Mark in die Infrastruktur investiert werden. Zusammen mit dem Land Tirol sei es nicht gelungen, ein Konzept zur Rettung zu erstellen, sagt Müller. Auf deutscher Seite kann die Bundesbahn die Fahrleitungen ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen nicht reparieren. Deshalb wird die Bahn ab Herbst zum Verkauf angeboten.


Alpenpolitische Nachrichten-Agentur
MEDIEN-NETZWERK ALPEN:
18.08.2000

ZUM WOCHENAUSKLANG
>>> Verdammt noch mal, stärkt endlich die Bahn!

Von Wilfred ALPINUS Richter

Im ALPEN-NEWSLETTER vom vergangenen Montag zitierte ich aus dem Umweltbericht der Europäischen Umweltagentur:
".....So haben sich der Personen- und Gütertransport mehr als verdoppelt und zwar in einer dramatischen Verschiebung in Richtung Strasse. Dies ist umso besorgniserregender, als diese Art von Verkehr mittlerweile wissenschaftlich gesichert als Hauptemittent der Treibhausgase identifiziert wurde".....
Ausserdem wurden im Kommentar die anstehenden, massiven Streckenstillegungen bei den Regional- und Nebenbahnen in Österreich angeprangert.

Nun, das "muntere Spielchen" Richtung "dramatische Verschiebung Richtung Strasse" geht weiter, wie verschiedene Meldungen in dieser Woche bezeugen. Da kündigt der deutsche Verkehrsminister Klimmt in Presseaussendungen seines Ministeriums "Mehr Tempo beim Ausbau der Strassen in den Bundesländern" an, und die bayerische SPD (!) verkündet stolz, dass der Bund für Strassenprojekte in Bayern weitere 143 Millionen zur Verfügung stellt.

Die "schaurigste" Meldung aber betraf den Schienengüterverkehr. Nach verschiedenen Medien befindet sich die Deutsche Bahn-Tochter DB-Cargo "in existenzbedrohenden Schwierigkeiten". Gerade diese Meldung tangiert den Alpentransitverkehr auf fundamentale Weise, denn die Deutsche Bahn hätte die dringende Aufgabe, viel Güterverkehr aufzunehmen und auf Langstrecken durch Europa und damit auch durch die Alpen zu schicken.

Irgendwie kommt mir die Deutsche Bahn mit ihrem Sektor Güterverkehr vor wie eine Fussballmannschaft, die vor lauter Angst vor einer Niederlage nur noch mauert statt in die Offensive zu gehen und anzugreifen. Die Ergebnisse solcher Taktik sind hinlänglich bekannt.

Die DB Cargo tut dasselbe: Der Gegner auf der Strasse ist stark, und so wird ängstlich "gemauert", sprich abgebaut, statt anzugreifen. Wie heisst es so schön im Fussball: "Angriff ist die beste Verteidigung".

Beim ständigen Strassenausbau beisst sich die Katze in den Schwanz: Mehr Strassen = mehr Verkehr = weitere Begehrlichkeiten. Die Umwelt bleibt auf der Strecke.

Verdammt noch mal, Politikerinnen, Politiker und Bahnverantwortliche: Stärkt endlich die Bahn!

P.S.: In der Ausgabe vom vergangenen Montag beschäftigte ich mich mit der drohenden Stillegung der Ausserfernerbahn zwischen dem Allgäu, dem Tirol und dem Werdenfelser Land. Die DB und die ÖBB wurden "eingeladen", zu dem Kommentar Stellung zu nehmen. Bisher - welche "Überraschung" - Fehlanzeige.

Da es sich bei der Ausserfernerbahn um eine alpengrenzübergreifende Bahn handelt, hat sich MEDIEN-NETZWERK ALPEN entschlossen, diese Bahn zu einem

PILOTPOJEKT GEGEN BAHN-ABBAUER UND VERKEHRS-VERNUNFT-TÖTER

zu erklären. Wer sich mit dieser Pilot-Aktion solidarisiert, sendet bitte ein e-mail mit entsprechender Meinungs-Äusserung an ALPINUS.

Achtung: Die Zeit drängt.


ORF ON 18.08.2000

Hochschülerschaft für Außerfernbahn

Nach massiven Protesten aus dem Bezirk Reutte kritisiert jetzt auch die Hochschülerschaft der Uni-Innsbruck die geplante Einstellung der Außerfernbahn. Davon wären auch viele Studenten aus dem Außerfern betroffen, die dieses umweltfreundliche Verkehrsmittel zur Fahrt nach Innsbruck benützen.

Viele Studierende könnten sich kein Auto leisten und müssten demnach auf Linienbusse umsteigen, die aber bereits jetzt meist überfüllt seien. Die Hochschülerschaft fordert die Bundesbahnen auf, die Auflassung des Personenverkehrs nochmals zu überdenken.


ORF ON 17.08.2000

ABBAU DER OBERLEITUNG
Protest gegen Bahn-Stilllegung


Als illegal bezeichnet der bayerische Fahrgastverband PRO Bahn den geplanten Abbau der Oberleitungen bei der Außerfernerbahn auf deutscher Seite.
Die Deutsche Bahn versuche damit, die Strecke gegen den Willen des Freistaats Bayern klammheimmlich stillzulegen. Auch die Österreichischen Bundesbahnen würden mit der geplanten Einstellung des Personenverkehrs auf der Außerfernerbahn gegen den Vertrag mit dem Land verstoßen.

Trotzdem glaubt man beim Interessenverband PRO BAHN, dass mit der Ankündigung der Bundesbahnen, sich auf dieser Strecke zurückzuziehen, nicht automatisch das Ende der Ausserfernbahn besiegelt ist. Das Land Tirol und Bayern könnten dafür nämlich einen neuen Betreiber finden.


AUSSERFERNBAHN VOR DER "ENDGÜLTIGEN" SCHLIESSUNG ?

Zur Information finden Sie unten eine Pressemeldung des Österreichischen Rundfunks (ORF) vom 11.08.2000 (ich habe den vom ORF zitierten Artikel in der Tiroler Tageszeitung selbst gelesen; er kann dahingehend interpretiert werden, dass der Schienenersatzverkehr am 06.10.2000 AUF UNBESTIMMTE ZEIT eingeführt wird; das würde einer Stilllegung des Personenverkehrs gleichkommen).

Martin Teißl, PRO BAHN Allgäu/Tirol, Pirchanger 73, 6130 Schwaz

ORF-ON 11.08.2000:

ZUG FÄHRT AB - Außerfernbahn vor Schließung

Voraussichtlich am 6. Oktober soll die Außerfernbahn seitens der ÖBB und der Deutschen Bahn eingestellt werden.
Das meldet die Tiroler Tageszeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Am 6. Oktober soll angeblich die Deutsche Bahn auf den bayrischen Streckenteilen den Strom abdrehen. Das Land Tirol sowie der Freistaat Bayern würden sich nach wie vor um den Erhalt der Bahn bemühen, heißt es. Eine Möglichkeit wäre auch, für die Bahn einen privaten Betreiber zu finden. Ab dem 6. Oktober soll ein Schienenersatzverkehr mit Bussen auf der Außerferner Strecke verkehren.


Stellungnahme der DB Netz AG vom 26. Juli 2000 zum geplanten Fahrleitungsabbau auf dem bayerischen Streckenabschnitt der Außerfernbahn als Antwort zum Schreiben vom 14.7.2000 der PRO BAHN Allgäu/Tirol (siehe unten):

Deutsche Bundesbahn
Niederlassung Süd
Richelstraße 3
D-80634 München

Herr Martin Teißl
Pro Bahn Allgäu/Tirol
A-6130 Schwaz in Tirol

Oberleitung der Außerfernbahn, Ihr Schreiben vom 14.07.2000

Sehr geehrter Herr Teißl,

wir danken für Ihr Schreiben vom 14.07.2000 und sind gerne bereit Ihnen eine Stellungnahme zu denen von Ihnen dargestellten Punkten zukommen zu lassen.

Nach der Ankündigung des Vorstandsvorsitzenden der ÖBB Herrn Daxler, dass die ÖBB auf 23 Nebenstrecken in Österreich den Personenverkehr mit Ende 2001 einstellen wird, wenn nicht Länder, Kommunen, Verbände etc. den Betrieb finanzieren, wurde der Landshauptmann von Tirol, Wendelin Weingartner von Herrn Stindl, ÖBB-Vorstand Personenverkehr, und Herrn Mag. Müller gebeten der Einstellung des Personenverkehrs auf der Außerfernbahn im Wege einer Verhandlungslösung zuzustimmen.
Der Verkehrsdienstevertrag zwischen dem Land Tirol und ÖBB ist bis 2007 gültig, wobei eine Änderung bei beiderseitigem Einvernehmen möglich ist.

Wie von Ihnen richtig dargestellt wurde die Sanierung der Oberleitung zwischen Griesen und Garmisch-Partenkirchen aus Mitteln nach Bundesschienenwegeausbaugesetz 8.2 zwischen dem Freistaat Bayern und der DB Netz AG abgestimmt.
Nach der Ankündigung von ÖBB-Personenverkehr geht die DB Netz AG nicht mehr davon aus, dass die Strecke als bestandsgesichert gilt und teilt dies dem Eisenbahnbundesamt mit, auf Grund dessen das Eisenbahnbundesamt die Mittel für die Fahrleitungssanierung nicht freigibt. Die Entwurfsplanung zur Erneuerung der Oberleitung auf der Außerfernbahn wurde bereits im März 2000 gefertigt.
Unter den dargestellten Gesichtspunkten kann die abgängige Oberleitung auf der Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen von der DB Netz AG nicht erneuert werden. Aus technischen Gründen muss daher auf DB-Seite spätestens ab 01.11.2000 der elektrische Betrieb eingestellt werden.
Über die Möglichkeit der Umstellung auf Dieselbetrieb werden zur Zeit zwischen ÖBB und DB Regio Gespräche geführt.
Auf Grund von Gesprächen zwischen dem Bayrischen Wirtschaftsministerium, OBB, DB Netz AG und Abklärung aller Sachverhalte mit dem Betriebsstandort München wurde den Beteiligten mitgeteilt, dass für die Strecke Garmisch-Partenkirchen - Griesen für den kommenden Winter die technische Verantwortung für den elektrischen Betrieb ohne eine grundlegende Erneuerung nicht mehr übernommen werden kann.
Deshalb muss ab 09. Oktober 2000 der Rückbau der Fahrleitung durchgeführt werden. Während dieser Zeit ist Schienenersatzverkehr erforderlich. Eine Wiederinbetriebnahme mit Dieselfahrzeugen wäre zum 05. November möglich.

Sollten Sie noch weitere Fragen in dieser Angelegenheit haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

DB Netz AG, Niederlassung Süd
Gez. p.p.a. Streble


SZ vom 20.07.2000 Bayern

Vergebliche Hoffnung auf Staatsvertrag
Außerfernbahn nach Österreich ist nicht zu retten

Von Christian Schneider

München - Das Aus für die Außerfernbahn scheint besiegelt. Daran ändert auch ein Abkommen nichts, das Deutschland und Österreich 1955 für den Betrieb dieser Bahnstrecke abgeschlossen haben. Die Außerfernbahn führt von Garmisch-Partenkirchen über österreichisches Gebiet nach Reutte und von dort über Pfronten im Allgäu weiter nach Kempten.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Albert Schmidt in einem Brief an den Bahn-Chef in Bayern, Peter Lisson, an dieses Abkommen erinnert und erklärt, die zwischen Deutschland und Österreich getroffenen Vereinbarungen für die Außerfernbahn hätten den "Charakter eines Staatsvertrages", aus dem sich die Bahn nicht einfach fortstehlen könne. In dem Abkommen sei der technische Erhalt der Strecke vorgeschrieben.

Die Deutsche Bahn (DB) will - wie berichtet - auf dem deutschen Streckenabschnitt der Außerfernbahn zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen die sanierungsbedürftige elektrische Oberleitung abbauen und nicht mehr erneuern. Dies, so befürchtet nicht nur Schmidt, bedeute das Ende für diese Strecke, die wegen zahlreicher Steigungen für den Betrieb mit Diesel-Triebzügen nicht geeignet sei.

"Wir sind ein Privatunternehmen und daher für die Einhaltung von Staatsverträgen nicht der richtige Ansprechpartner", erklärte am Mittwoch ein DB-Sprecher in München auf Anfrage der SZ. Weiter sagte der Bahnsprecher, "wenn wir einen Auftrag erhalten, diese Strecke weiter zu befahren, dann werden wir das tun und dafür auch ein geeignetes Fahrzeug finden". Damit hat die DB den Schwarzen Peter zunächst an das bayerische Wirtschaftsministerium weitergegeben, das als Besteller von Zugleistungen tätig werden müsste. Allerdings: Die Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Reutte wird derzeit von der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) betrieben. Auf dem Abschnitt zwischen Reutte (Tirol) und Pfronten (Allgäu) fährt die DB im Auftrag der ÖBB. Erst ab Pfronten fahren DB-Züge bis Kempten auf Bestellung und Rechnung des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Die ÖBB hat schon vor längerem wissen lassen, sie werde von 2001 an den Personenverkehr auf der Außerfernbahn einstellen. Erst nach dieser Ankündigung hat sich die DB entschlossen, auf die sechs Millionen Mark teure Erneuerung der Oberleitung zu verzichten.

© 2000 Süddeutsche Zeitung GmbH / SV online GmbH


Freitag, 14. Juli 2000

OFFENER BRIEF VON PRO BAHN ALLGÄU / TIROL

Eine Kopie dieses Schreibens ergeht neben anderen auch an:
Hedwig Schubert (Bayerische Eisenbahngesellschaft)
Andreas Schulz (Bayerische Eisenbahngesellschaft)
Wolfgang Öser (Bayerische Eisenbahngesellschaft)
Jürgen Tallner (Bayerische Eisenbahngesellschaft)
Österreichischer Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie,
Dipl.Ing. Michael Schmid (Wien)
Ministerialrat Horst Kühschelm (Wien)
Eduard Oswald (MdB Deutscher Bundestag, Berlin)
Winfried Wolf (MdB Deutscher Bundestag, Berlin)
Bürgermeister von Reutte, Helmut Wiesenegg
Fritz Gurgiser (Transitforum Austria Tirol)
Bertram Wolf (Österreichischer Rundfunk)

Herrn
Peter Amsl
DB Netz, NL Süd
Öffentlichkeitsarbeit
NNV 02
962-6440
München

Sehr geehrter Herr Amsl!

Wie ich den Medien entnehmen konnte (der Österreichische Rundfunk hat am 28.06.2000 ausführlich darüber berichtet), plant die DB Netz AG für Anfang Oktober 2000 den ersatzlosen Abbau der Elektrofahrleitung an der Bahnstrecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen. Dadurch wird ab diesem Zeitpunkt auch keine Speisung der Fahrleitung im ÖBB-Bereich (Ehrwald Grenze bis Reutte) mehr möglich sein. Da wir von PRO BAHN Allgäu/Tirol diese Planungen schärfstens zurückweisen, darf ich einige Fakten klarstellen:

Faktum Nummer 1: Der Bayerische Staatsminister Dr. Otto Wiesheu hat PRO BAHN Allgäu/Tirol in seinem Brief vom 28.03.2000 darüber informiert, dass von seinem Haus aus die Sanierung der Elektrofahrleitung im Bayerischen Abschnitt der Außerfernbahn durch Anmeldung des Projekts nach § 8 Abs. 2 Bundesschienenwegeausbaugesetz unterstützt wird und dass die DB Netz AG noch für dieses Jahr die vollständige Erneuerung der Oberleitung und damit die Beseitigung der Langsamfahrstrecke (durchgehende Beschränkung auf 40 km/h) plant.

Faktum Nummer 2: Die Kammer für Arbeiter und Angestellte für Tirol informierte PRO BAHN Allgäu/Tirol am 27.04.2000 schriftlich darüber, dass das Land Tirol mit den ÖBB einen aufrechten Verkehrsdienstevertrag hat, der erst 2007 ausläuft. Aus diesem Verkehrsdienstevertrag können >die ÖBB nicht einseitig aussteigen, und jede Verschlechterung des Stilllegung der Außerfernbahn auf Tiroler Seite), kann seitens des Landes Tirol zivilrechtlich eingeklagt werden.

Faktum Nummer 3: Am 13.07.2000 hat PRO BAHN Allgäu/Tirol aus dem Büro des Landeshauptmannes von Tirol (Dr. Wendelin Weingartner) ein Schreiben erhalten, in dem uns mitgeteilt wird, dass der Landeshauptmann folgende Strategien verfolgt:
A) Festhalten am bestehenden Vertrag: Die Position zur ÖBB ist, dass der Vertrag einzuhalten ist. Vorschläge über verschiedene denkbare und auch konkret in Erwägung gezogene Modelle wie etwa Ausschreibung, Beauftragung Dritter werden zum derzeitigen Zeitpunkt den ÖBB nicht angeboten bzw. mit den ÖBB verhandelt, da dies den rechtlich guten Standpunkt des Landes Tirol schwächen würde.
B) Klage gegen die ÖBB: Das Schreiben aus dem Büro des Landeshauptmannes betont, dass mit den ÖBB zunächst auf vertraglicher Ebene Perspektiven für den Weiterbetrieb gesucht werden. Wenn auf diese Art und Weise kein Ergebnis erzielt werden kann, das den Weiterbetrieb des Tiroler Teils der Außerfernbahn durch die ÖBB bis 2007 garantiert, wird das Land Tirol auch nicht vor einer Klage gegen die ÖBB zurückschrecken (siehe Faktum Nummer 2.).

Faktum Nummer 2 und Faktum Nummer 3 belegen klar und eindeutig, dass die vom ÖBB-Management am 29.06.2000 getroffene Entscheidung, den Tiroler Teil der Außerfernbahn im Juni 2001 stilllegen zu wollen zurückgenommen werden muss. Daran wird kein Weg vorbeiführen, weil seitens des Landes Tirol nötigenfalls sämtliche rechtlichen Mittel ausgeschöpft werden (Klage gegen die ÖBB), um den Weiterbetrieb bis zum Jahr 2007 durch die ÖBB zu erzwingen. Aus diesem Grund ist es völlig inakzeptabel und unverständlich, dass die DB Netz AG im Oktober 2000 die Elektrofahrleitung mit dem fadenscheinigen Hinweis auf die Stilllegungspläne der ÖBB abtragen will. Wir fordern die DB Netz AG unmissverständlich auf, die unter Faktum Nummer 1 angeführten Abmachungen mit dem Bayerischen Staatsministerium einzuhalten und mit der Sanierung der schadhaften Fahrleitung unverzüglich zu beginnen. Unsere Forderung nach einer sofortigen Sanierung der Elektrofahrleitung durch die DB Netz AG können wir noch durch folgende weitere Fakten erhärten:

Faktum Nummer 4: Die Österreichische Zeitung Kurier vom 08.07.2000 berichtet, dass die Industriellenvereinigung Tirol eine Aussendung gemacht hat, in der es heißt, dass alljährlich weit mehr als 100.000 Tonnen an Gütern auf der Außerfern-Strecke mit der Bahn in den Tiroler Zentralraum und in die Gegenrichtung transportiert werden. Die Industriellenvereinigung Tirol hat aus diesem Grund an die Außerferner Unternehmen in Tirol eine Anfrage zum Schienengüterverkehr gestellt hat. Die angefragten Unternehmen sind sich einig sind, dass weiteres Potential für eine Mengensteigerung gegeben ist (dass der ÖBB-Güterverkehr bereits jetzt schwarze Zahlen schreibt, darf als bekannt vorausgesetzt werden).

Faktum Nummer 5: Dr. Reinhard Schretter vom Zementwerk Vils teilte uns mit, dass das Zementwerk Vils (Hauptkunde der ÖBB) aufgrund des mit den ÖBB abgeschlossenen Vertrages für die Beförderung von Gütern erst vor kurzem den Gleisanschluss unter Einsatz beträchtlicher finanzieller Mittel erneuert hat (wir werden uns dafür einsetzen, dass überprüft wird, welche rechtlichen Maßnahmen gegen die DB Netz AG im Fall der Durchführung des Fahrleitungsabbaues eingeleitet werden können, da bereits jetzt wegen der Steilheit der Strecke und der Schwere der Güterzüge absehbar ist, dass aufgrund des Fahrleitungsabbaues der Fortbestand des Schienengüterverkehrs und damit die Einhaltung des zwischen dem Zementwerk und den ÖBB bestehenden Vertrages nicht mehr in jedem Fall sichergestellt werde kann).

Faktum Nummer 6: Es hat bereits vor Jahren Probefahrten gegeben, die gezeigt haben, dass bei einer Umstellung des Güterverkehrs auf Gewichts teilweise hängen bleiben können bzw. dass eine wirtschaflichte Führung der Züge kaum möglich ist, weil bei Dieselgüterzügen wegen der erforderlichen Doppel- und Dreifachtraktion die Kosten explodieren. Der Österreichische Rundfunk hat am 28.06.2000 in einer Sendung darauf hingewiesen, dass ganz allgemein festgehalten werden kann, dass die Transportkapazitäten im Güterverkehr mit Dieselloks wesentlich geringer sind.

Faktum Nummer 7: Der österreichische Eisenbahnverkehr auf der Außerfernbahn über deutsches Staatsgebiet ist mit Staatsvertrag geregelt (Staatsvertrag für die Strecke Scharnitz-Ehrwald und Vils-Ehrwald, BGBl. 242/1957 in der Fassung BGBl IIII Nr. 58/1998-Außerfern-Mittenwald-Übereinkommen AMÜ). Aus rein rechtlicher Sicht bestehen daher Verpflichtungen der ÖBB und der Republik Österreich zur Aufrechterhaltung der Außerfernbahn.

Sehr geehrter Herr Amsl, ich habe Ihnen nun die Fakten ausführlich dargelegt und darf Sie um eine ebensolche ausführliche Stellungnahme für die DB Netz AG Niederlassung Süd bitten. Ich möchte mich bereits im Voraus für Ihre rasche und geschätzte Antwort bedanken.

Mit freundlichen Grüßen

MMag. Martin Teißl
PRO BAHN Allgäu/Tirol
Pirchanger 73
6130 Schwaz in Tirol
eMail an MMag. Martin Teißl


Donnerstag, 13. Juli 2000

OFFENER BRIEF VON PRO BAHN e.V., REGIONALGRUPPE ALLGÄU

An Herrn Eduard Oswald, MdB
Deutscher Bundestag
11011 Berlin
diesmal per E-Mail

87448 Waltenhofen, am 13. Juli 2000

Betreff: Willkürzliche Zerstörung von Schienen-Infrastruktur durch die Deutsche Bahn AG auf der Außerfernbahn Kempten (Allg)- Pfronten - Garmisch-Partenkirchen
Bezug: Ihr Schreiben (Brief) vom 23. März 2000 Unser Schreiben vom 20.03.2000


Sehr geehrter Herr Oswald,

am 20.03.2000 habe ich Ihnen per "normaler" (Brief-)Post über die vorsätzlich falsche Antwort der Deutschen Bahn AG auf eine kleinen Anfrage im Bundestag berichtet. Damals ging es um den möglichen Rückbau von Ausweichgleisen in den Bahnhöfen Durach, Jodbad-Sulzbrunn und Nesselwang.

Mit Brief vom 23.03.2000 haben Sie mir mitgeteilt, daß Sie sich der Sache annehmen und die Angelegenheit überprüfen lassen werden. In der Zwischenzeit wurde das Ausweichgleis am Bahnhof Jodbad-Sulzbrunn gesperrt, aber (noch) nicht demontiert. Die Gleise in Durach und Nesselwang sind noch betriebsbereit und werden jeden Werktag vom morgendlichen Schülerzug benutzt. Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, sei der Zustand des Oberbaus im deutschen Teil der Außerfernbahn zwischen Kempten und Pfronten-Steinach abschnittsweise so schlecht, daß lokbespannte Züge (und damit auch Güterzüge) dort nicht odernur noch ausnahmsweise fahren dürfen. Mit Triebwagen könne man aber noch ein paar Jahre ohne größere Probleme den Personenverkehr aufrecht erhalten. Dabei ist der Oberbau vor allem deswegen in einem miserablen Zustand, weil seit Jahren oder sogar Jahrzehnten nicht in die Strecke investiert wurde und uralte Holzschwellen allmählich zu verfaulen beginnen würden. Und dies, obwohl der Freistaat Bayern durch die Bayerische Eisenbahn-GmbH im Stundentakt Züge bestellt und einschließlich Trassenpreis auch bezahlt.

Mittlerweile gibt es noch eine neue Hiobsbotschaft von der Außerferner Bahn, und zwar aus dem oberbayerischen Teilstück zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen. Dort ist der Zustand der elektrischen Oberleitung seit dem Pfingsthochwasser im Jahr 1999 so schlecht, daß alle Züge nur mit 40 km/h fahren dürfen. Eigentlich hätte im Herbst 2000 die Sanierung dieser Leitung stattfinden sollen. Stattdessen plant die DB-Netz AG nunmehr, ab dem 04.10.2000 mit der DEMONTAGE(!) dieser Fahrleitung zu beginnen.

Geht es nach dem Willen der DB-Netz AG, so würde die Strecke vom 04.10. bis zum 05.11.2000 (also einen Monat lang) während der Abbauarbeiten KOMPLETT gesperrt, danach wäre eine Bedienung nur noch mit Dieselfahrzeugen möglich. Durch den dann notwendigen Schienenersatzverkehr würden Bahnkunden erneut verprellt und zum Abwandern auf das Auto gedrängt. Es ist sehr fraglich, ob für eine Bedienung im Personenverkehr nach dem 05.11.2000 geeignete Dieseltriebwagen zur Verfügung gestellt werden können. Selbst wenn Dieselfahrzeuge vorhanden wären, dürfte der jetzt noch sehr starke (und laut einer uns vorliegenden aber nicht zur Veröffentlichung bestimmten Aussage der ÖBB sogar RENTABLE) Güterverkehr von Innsbruck nach Reutte durch die Abbaumaßnahme zum Erliegen kommen, da eine Umleitung der Züge (denkbar wäre eine vorübergehende Führung über Mittenwald - Geltendorf - Kempten oder über München - Buchloe - Kempten) wegen des oben erwähnten schlechten Streckenzustandes zwischen Kempten und Pfronten-Steinach sowie wegen der gesperrten Ausweiche in Jodbad-Sulzbrunn vermutlich nicht möglich sein wird. Nach dem 05.11.2000 wird eine Bedienung mit Güterzügen von Innsbruck über Garmisch nach Reutte und weiter nach Vils wiederum nur sehr erschwert möglich sein, da ein Testbetrieb bereits im Jahr 1994 ergeben hat, daß Dieselloks die großen Steigungen zwischen Ehrwald und Reutte nicht oder nur mit großer Mühe bewältigen können und immer wieder hängenbleiben.

Der österreichische und der oberbayerische Teil der Außerfernbahn von Reutte in Tirol bis Garmisch-Partenkrichen und die Anschlußstrecke der Mittenwald- und Karwendelbahn nach Innsbruck sind seit ihrer Eröffnung im Jahr 1914 durchgehend elektrifiziert, weil es wegen der auf diesem Teilstück großen Steigungen keine oder nur wenige geeigneten Dieselfahrzeuge gibt und im österreichischen Abschnitt zudem bis heute ein reger Güterverkehr vorhanden ist, der ohne elektrischen Betrieb stark beeinträchtigt würde.

Ein etwaiger Abbau der Fahrleitung zwischen Garmisch und Griesen ausgerechnet im Jahr 2000 (vor ein paar Jahren haben wir uns erhofft, daß Deutschland -auch auf dem Gebiet des ÖPNV- bei Erreichen dieser "magischen" Jahreszahl zum "High-Tech-Standort" erwachsen würde) wäre vor allem deshalb mehr als schizophren, da die Fahrleitung im österreichischen Teil zwischen Ehrwald und Reutte in Tirol laut Aussage eines Experten in einem absolut einwandfreien Zustand ist und ohne größere Investitionsarbeiten noch 30 Jahre lang betriebsfähig wäre. Da nach den Plänen der DB-AG aber nicht nur die eigentliche Fahrleitung, sondern auch die Speise- leitung (Verbindung) von Murnau nach Ehrwald demontiert werden soll, wäre die völlig intakte und noch vor wenigen Jahren für teueres Geld sanierte Oberleitung im österreichischen Teil danach praktisch nutzlos.

Die DB-Netz AG begründet den geplanten Abbau der Fahrleitung damit, daß sich die ÖBB zum Sommerfahrplan 2001 von der Außerfernbahn zurückziehen wolle. Derartige Bestrebungen sind zwar leider durchaus vorhanden, doch hat das österreichische Verkehrsministerium eine Stillegung bisher nicht genehmigt. Das Land Tirol hat auf einen Vertrag hingewiesen, wonach der Betrieb der Außerfernbahn bis zum Jahr 2007 auf jeden Fall aufrecht erhalten werden muß. Im Wege einer Ausschreibung sollte bis spätestens dann ein anderer Betreiber gefunden werden, der jedoch ebenfalls auf das Funktionieren der Stromleitung angewiesen ist. Und sogar die ÖBB selbst hat zugesagt, den Zugverkehr zumindest bis zum Sommerfahrplan 2001 aufrechtzuerhalten. Ein Abbau der Fahrleitung zwischen Garmisch und Griesen bereits zum jetzigen Zeitpunkt würde daher sowohl den Interessen des Landes Tirol, der Republik Österreich als auch der ÖBB widersprechen.

Die Aufrechterhaltung der Befahrbarkeit der Strecke zwischen Mittenwald und Griesen ist gesetzlich zwischen der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland im sogenannten Außerfern-Mittenwald-Übereinkommen (AMÜ) festgehalten. Dagegen würde die Bundesrepublik Deutschland bzw. in deren Auftragsverwaltung die DB-AG eindeutig verstoßen. Letztendlich bestellt der Freistaat Bayern auf der Strecke zwischen Garmisch und Griesen (Grenze) durch die Bayerische Eisenbahn-GmbH (BEG) einen regelmäßigen Zugverkehr und zahlt ebenfalls Trassenpreise. Auch den Interessen des Freistaates Bayern wird somit widersprochen.

Uns ist wie Ihnen auch bekannt, daß die Deutsche Bahn AG als Wirtschaftsunternehmen nach den Aspekten der Rentabilität handeln muß. Jedoch kostet auch ein Abbau von Infrastruktur Geld, und nachdem aufgrund der obengenannten Verträge durchaus auch Schadenersatzforderungen oder sogar eine Klage auf Wiederaufbau der Fahrleitung auf die DB-AG zukommen könnte, sehen wir -selbst wenn man versucht sich in die Situation der DB-Netz AG zu versetzen- keinerlei Rechtfertigung für diese völlig sinnlose Zerstörung von Infrastruktur. Nach dem Regent-Modell will die DB-AG außerdem in naher Zukunft Strecken an private Betreiber abgeben, doch welcher Privatunternehmer will eine Infrastruktur übernehmen, die zuvor vom Staatsunternehmen kaputtgemacht worden ist?

Unter diesen Aspekten bitten wir Sie, Ihre bereits laufenden Recherchen fortzusetzen und im Rahmen Ihrer Möglichkeiten alles zu unternehmen, um den drohenden Abbau der Fahrleitung zwischen Garmisch und Griesen sowie der Ausweichgleise zwischen Pfronten und Kempten zu verhindern und stattdessen die schnellstmögliche Sanierung der Stromleitung und auch eine baldige Verbesserung des Oberbaus zwischen Kempten und Pfronten, evtl. sogar mit dem Ziel einer Erhöhung der Reisegeschwindigkeit von derzeit 60 auf 80 km/h im Bereich zwischen Nesselwang und Pfronten-Kappel) in die Wege zu leiten.

Wir gehen davon aus, daß Sie uns über die erzielbaren Ergebnisse auf dem Laufenden halten werden. Für Ihre Bemühungen danken wir Ihnen im voraus.

Mit den besten Wünschen,
für PRO BAHN e.V.
Ihr Jürgen Schmid
eMail an Jürgen Schmid


Samstag, 8. Juni 2000

FAHRT ZU EINEM "BEGRÄBNIS"
Protestkundgebung gegen die Schließung der Außerfernbahn

Die Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) lässt keinen Zweifel: sie will so schnell als möglich die Außerfernbahn schliessen. Daher trafen sich am 8. Juni 2000 Tiroler Landtags- und Kommunalpolitiker zu einer Protestkundgebung im bayerischen Grenzbahnhof Griessen.

Dass die Demonstration nicht im außerferner Tirol, sondern in Bayern stattfand, hatte zwei Gründe: einmal will die Deutsche Bahn AG der ÖBB insoweit "Schützenhilfe leisten", in dem sie die Fahrleitung auf der oberbayerischen Seite zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griessen ab 5. Oktober dieses Jahres kappen will, und zweitens stellte der südbayerische Fahrgastverband PRO BAHN den Politikern einen hypermodernen Triebwagenzug vor. Und der erhielt von der ÖBB keine "Einreisegenehmigung".

Auf der Zugfahrt zur Kundgebung brachte es der Bürgermeister von Reutte, Helmut Wiesenegg, auf den Punkt: "Ich fahr jetzt zu einem Begräbnis". Und er war es auch, der die Akzente auf der Kundgebung setzte: so habe die ÖBB die Strecke "bewusst heruntergewirtschaftet", um sie sodann aus Gründen der Ökonomie schließen zu können. Dies sei ein "Todesstoß für die ganze Region". Die Fahrleitungen wären "noch für 30 Jahre gut", betonte der langjährige Eisenbahner immer wieder. Die Schließung der Bahn würde auch eine massive Belastung des Straßenverkehrs mitsichbringen: bis zu 8.000 zusätzliche LKW würden dann jährlich über den Fernpaß fahren.

Die Tiroler Landtagsabgeordnete Maria Scheiber betonte, dass die Außerfernbahn für die Region eine "Hauptbahn" sei. Die Trasse müsse "betriebswirtschaftlich interessant" gemacht werden. Gleichzeitg forderte sie die Regierungen in Wien, Berlin, Innsbruck und München sowie die ÖBB und die DB auf, die Verträge einzuhalten, die den Bestand der Bahn bis zum Jahr 2007 garantieren würden. In die gleiche Richtung gingen die Beiträge des Landtagsabgeordneten Bernhard Eggel und von Hofrat Diethelm Judmaier vom Amt der Tiroler Landesregierung, der einen Stundentakt zwischen Garmisch-Partenkirchen und Kempten einforderte. Und für die Außerferner Wirtschaft betonte Dr. Reinhard Schretter aus Vils, dass auch der Güterverkehr auf der Schiene für die Region ein wesentliches wirtschaftliches Standbein sei.


Abgeordnete zum Tiroler Landtag Maria Scheiber

Angereist war der Fahrtgastverband PRO BAHN mit dem nebenstehenden Triebzug aus München, den die Organisation leihweise von der Saarbrücker Stadtbahn erhalten hatte. Und als Bürgermeister Wiesenegg den hypermodernen Zug sah, schöpfte er wieder Hoffnung. Mit einem solchen Triebwagenangebot - so hofft er - könne auch die Außerfernbahn erhalten werden.

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