AKTUELLes:
Das ARCHIV von der AUßERFERNBAHN
Meldungen vor dem 10. Juni 2001
merkur-online.de vom 14. April 2001:
Positive Signale aus
Österreich
Kurs für
Außerfernbahn steigt
GAP/Innsbruck (tab)
Die Außerfernbahn muss erhalten bleiben - zumindest Politiker
und Vertreter der anliegenden Gemeinden sind sich darüber
völlig einig. Am Donnerstag sprach sich jetzt auch die
österreichische Verkehrsministerin, Dr. Monika Forstinger, in
Innsbruck für die Verbindung zwischen Garmisch-Partenkirchen,
Reutte und Pfronten aus. "Sie schien sehr
zuversichtlich", bestätigt Dr. Peter Hirt, der der
Politikerin zusammen mit anderen Interessensvertretern eine
Resolution zum Erhalt der Strecke überreicht hatte.
Die Ministerin habe von
österreichischer Seite die nötige Infrastruktur zugesichert,
berichtet der Präsident der Euregio
Zugspitze-Wetterstein-Karwendel von dem Gespräch in
"kompetenter Runde". Auch ihr Kabinettsmitglied Arnold
Schiefer erklärt: "Wir haben signalisiert, dass wir alles
tun werden, um eine zufriedenstellende Lösung zu finden."
Diese politische Aussage hält Hirt für entscheidend. Wichtig
sei aber auch, dafür zu sorgen, dass Zusagen der DB - über den
Wiederaufbau der Oberleitung zwischen Garmisch-Partenkirchen und
Griesen - und der Bayerischen Staatsregierung schriftlich
vorliegen.
Von Seiten der Bahn gebe es bisher keine definitiven
Zusicherungen. Trotzdem gelte es jetzt, ein entsprechendes
Konzept zu erarbeiten, betont Schiefer. Schließlich müssten die
Bedürfnisse von Wirtschaft und Tourismus ermittelt werden.
Außerdem sei zu klären, "was für ein Beitrag vom Land und
von den Kommunen nötig wäre." Während des Termins in
Innsbruck hätten alle hohe Bereitschaft signalisiert, sich auch
an den Kosten zu beteiligen, verdeutlichte er "den
konstruktiven Output des Gesprächs".
Zuversichtlich gibt sich auch Fritz Gurgiser, Obmann des
Transitforums Austria-Tirol, der vor dem offiziellen Teil die
Gelegenheit hatte, mit der Ministerin unter vier Augen zu
sprechen. "Von Frau Dr. Forstinger muss jetzt das Signal an
die ÖBB kommen", sagt er. Der monatelange,
"verwunderliche" Hickhack zwischen ÖBB und DB müsse
endlich beendet werden. Für die Ministerin - "sie nimmt
eben die gesetzlichen Verpflichtungen wahr" - sei es völlig
klar, dass die Strecke erhalten bleibt. Und dann "muss es
aber auch eine Bahn sein, die den heutigen Anforderungen
entspricht." Gurgiser denkt hierbei nicht nur an einen
abgestimmten Fahrplan, sondern auch an moderne, komfortable
Züge. "In Viehwagons will niemand reisen."
Gespräch mit Österreichs Verkehrsministerin
Zur Rettung der Außerfernbahn ist eine Delegation aus
Garmisch-Partenkirchen und dem benachbarten Außerfern bei der
österreichischen Verkehrsministerin, Dr. Monika Forstinger,
vorstellig. Bei dem Gespräch in Innsbruck soll geklärt werden,
ob der Weiterbetrieb der Bahn zum Fahrplanwechsel im Juni auch
tatsächlich vollzogen wird. Die Vertreter der Euregio und der
betroffenen Region haben hier berechtigte Zweifel. Erst letzte
Woche war eine Delegation der Euregio in Berlin im
Bundesverkehrsministerium.
(Meldung des Radiosenders Radio Oberland,
übermittelt vom Alwin
Reiter, Webmaster der Ammerseebahn).
DB AG soll Personenverkehr auf der Außerfernbahn übernehmen
Kempten (Eigener Bericht) - Bald schon soll es wieder einen
durchgehenden Personen-Verkehr auf der Außerfernbahn geben. Dies
berichtete auf einer Versammlung von PRO BAHN dessen Allgäuer
Regionalsprecher Jürgen Schmid am 26. März 2001 im Kemptener
Hauptbahnhof.
Zur Zeit würden - so Schmid - Verhandlungen zwischen dem Land
Tirol und der DB AG geführt. Ziel sei es, die Außerfernbahn
wieder durchgängig für den Personenverkehr zu öffnen. Derzeit
klafft im Zug-Verkehr eine Lücke zwischen Ehrwald und
Garmisch-Partenkirchen. Dort wird derzeit
"Schienenersatzverkehr" mit Bussen durchgeführt. Ziel
der Verhandlungen sei es, die Strecke mit Diesel-Triebzügen von
Pfronten-Steinach durchgängig über Reutte/Tirol bis
Garmisch-Partenkirchen zu bedienen.
Ab dem Fahrplanwechsel zum 2. Juni 2001 soll diese Nachricht
Wirklichkeit werden. Wie aus "gut unterrichteten
Kreisen" von seiten der DB AG zu erfahren war, würde diesem
Vorhaben kaum mehr etwas entgegenstehen.
Der Standart 06.03.2001:
Energie für neuen Gästestrom
Die bedrohte Außerfernbahn hat Lobbyisten gefunden
Reutte - Drei Güterwaggons, die von zwei Dieselloks
gezogen werden müssen - das ist seit Mitte Oktober 2000 nicht
die einzige Skurrilität im Zugverkehr im Außerfern. Wer von
Innsbruck aus den Hauptort Reutte mit der Bahn erreichen will,
dem empfiehlt die Homepage der ÖBB eine sechsstündige Rundreise
über München-Füssen. Denn auf der steilen Strecke über
Garmisch fährt kein Zug. Wien liegt 30 Fahrminuten näher.
Der Außerfernbahn fehlt der Strom - neun Jahrzehnte nachdem
sie 1913 zwischen Garmisch und Reutte als eine der ersten
elektrischen Nebenbahnen der Monarchie durch einen Staatsvertrag
mit Bayern eröffnet wurde. Die Deutsche Bahn hat auf dem
deutschen Abschnitt die reparaturbedürftige Fahrleitung
abmontiert, will für die Instandsetzung Garantien eines
Betreibers; die ÖBB fahren mit Bussen und planen, mit Blick auf
die Bilanzen, den Personenverkehr einzustellen.
Dennoch will ein bayerisch-tirolerischer Marketingbeirat an
alte Zeiten anknüpfen. Vertreter der Länder, Wirtschaftskammern
und Tourismusverbände sowie Kommunalpolitiker aus dem Allgäu,
dem Außerfern und dem Raum Garmisch setzen auf eine
elektrifizierte Bahn als Herzstück der regionalen Entwicklung.
Als Maximalvariante ist auch an eine Elektrifizierung auf dem nur
mit Diesel befahrenen Abschnitt Reutte-Pfronten gedacht.
Tourismus-Highlight
In einer Machbarkeitsstudie werden die Investitionen in acht
Jahren auf 500 Mio. S (36,35 Mio. EURO) geschätzt. Als
"touristisches Highlight" soll die Außerfernbahn
"positioniert" werden, den Ballungsraum München vor
Augen.
Der Bezirkshauptmann von Reutte, Dietmar
Schennach, sieht neue
Möglichkeiten: etwa Anknüpfungen an die 1999 gestartete
Interreg-Initiative "Vitales Land". Elf Ferienregionen
zwischen Schwangau und Pfronten, dem Lechtal und Tannheimertal
präsentieren sich seither gemeinsam. Auch im derzeit
entstehenden Konzept für einen Nationalpark im
Natura-2000-Gebiet des Lechtals soll die Bahn zentralen
Stellenwert erhalten.
Als unabdingbar gilt ein Strombetrieb für den
Gütertransport, vor allem für einen der großen Betriebe im
Außerfern, das Zementwerk Schretter & Cie in Vils. Jährlich
werden 120.000 Tonnen zum eigenen Malwerk in Kirchbichl geführt,
am anderen Ende Tirols. Mit zwei Dieselloks pro Fahrt wird es
teuer. (bs)
Tiroler Tageszeitung 11.02.2001:
Konkurrenz für Bahn durch Schienenersatz
Trotz der von der Deutschen Bahn seit kurzem betriebenen
Züge zwischen Reutte und Ehrwald lassen die ÖBB weiterhin ihren
Schienenersatzverkehr fahren.
REUTTE (huma). Fast schon paradiesische Zustände herrschen
derzeit für Benützer von öffentlichen Verkehrsmitteln im
Zwischentoren. Wer von Reutte nach Ehrwald oder retour fahren
will, hat die Qual der Wahl: Neben Postbussen verkehrt auch der
Schienenersatzverkehr der ÖBB und parallel dazu fahren die Züge
der Deutschen Bahn.
Die Triebwagen rattern auf dieser Strecke nach längerer Pause
erst wieder seit dem 3. Februar. Diese täglichen Zugverbindungen
im Zweistunden-Takt von 8.30 bis 17.30 Uhr sind vom Land Tirol
bestellt und werden von der Deutschen Bahn ausgeführt ein
absolutes Novum. Für viele absolut unverständlich ist
allerdings, dass zeitgleich auf der Straße der
Schienenersatzverkehr der Österreichischen Bundesbahnen
weiterläuft so, als ob es die Züge gar nicht geben würde.
Emmerich Müller, der Leiter des ÖBB-Personenverkehrs für
Tirol, verteidigt dieses Vorgehen und weist auf den mit dem Land
Tirol abgeschlossenen Verkehrsdienstevertrag hin: Für uns gilt
weiterhin der Fahrplan, den wir laut Vertrag zu erfüllen haben.
Von seiner Seite könne daher keine Initiative zur Einstellung
des Schienenersatzverkehrs ausgehen. Zu Vorwürfen, wonach es
seinerseits eine Weisung gebe, dass die ÖBB-Busse die in Ehrwald
endenden Züge nicht abwarten sollen, sagt Müller: Es gibt keine
Weisung, diese Zeiten sind längst vorbei. Das Problem würden
einzig zu spät kommende Züge darstellen: Wir können mit den
Bussen nicht zu lange warten, sonst erreichen wir die
Anschlusszüge in Garmisch nicht mehr.
Diethelm Judmaier von der Verkehrsabteilung des Landes
bezeichnet die neuerliche Aufnahme des Schienenverkehrs auf
dieser Strecke als ersten Schritt zur Wiederbelebung der
Außerfernerbahn: Wir sind uns bewusst, dass das keine
Ideallösung ist. Die Züge seien aber sehr gut ausgelastet.
Außerdem würden mit den ÖBB Gespräche über eine Einstellung
des Parallelverkehrs laufen: Ich hoffe in den nächsten Tagen auf
eine einvernehmliche Lösung.
Wie die Zukunft der Nebenbahn nach dem 9. Juni ausschauen
wird, wenn die ÖBB den Personenverkehr offiziell einstellen
werden, darüber könne derzeit noch nichts Konkretes gesagt
werden. Es würden derzeit mehrere Varianten geprüft. Fest stehe
nur, dass man Neuland betreten werde.
Martin Teißl von PRO BAHN Allgäu/Tirol reagierte auf
diese unmögliche Situation mit einem Schreiben an die
österreichische Verkehrsministerin. Der Wortlaut:
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Dipl.-Ing. Dr.
Forstinger,
ich darf bitten, dass Sie SOFORT den von den ÖBB im Außerfern
durchgeführten Schienenersatzverkehr einstellen lassen, weil
dadurch Steuergeld vernichtet wird. Die Fakten entnehmen Sie
bitte dem unten zitierten Artikel aus der Tiroler Tageszeitung
vom 11.02.2001. Ich darf daran erinnern, dass der Leiter des
ÖBB-Personenverkehrs für Tirol, Herr Mag. Emmerich Müller, von
Ihrem Vorgänger, Dipl.-Ing. Michael Schmid
"diszipliniert" wurde, weil er die Außerfernbahn
stilllegen wollte. Und jetzt wirft der "disziplinierte"
Regionalmanager Steuergeld beim Fenster hinaus, weil er am nicht
mehr notwendigen Schienenersatzverkehr festhält. Direkt neben
den Zügen der DB Regio AG fahren zeitgleich ÖBB-Busse im
Schienenersatzverkehr. Ich danke für Ihre Unterstützung.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Teißl
PRO BAHN Allgäu/Tirol
Pirchanger 73
A-6130 Schwaz in Tirol
Die ÖBB haben nicht nur den Personenverkehr auf der
Außerfernbahn eingestellt. Sondern Sie lassen den sog.
"Schienenersatzverkehr" durch Busse der
österreichischen Post erledigen. Dies kommentiert "Dar
Hofer" wie folgt:
"Dia ÖBB sind's uanzige
Verkehrsunternehmen, des offenbar it verkehra will: Die Bahn im
Außerfera hond si ganz ei'gestellt und ihrn eigena Ersatzverkehr
macht d'Poscht"
Tiroler Tageszeitung 29.12.2000:
Bahnerhalt: Lösung in Sicht
Gelohnt zu haben scheinen sich die Bemühungen der beiden
Tourismusregionen Reutte und Zwischentoren. Die Deutsche Bahn
übernimmt ab Februar den "Schnee-Express" auf den
Gleisen im Außerfern.
AUSSERFERN (fasi). Ausschlaggebend für die Verhandlungen mit der
Deutschen Bahn AG waren die Forderungen der ÖBB, das Dreifache
der bisher geleisteten Zahlungen zu erbringen. Da bereits seit
geraumer Zeit mit den Nachbarn Gespräche geführt wurden,
erfolgte prompt eine Krisensitzung in Garmisch. Dabei wurde die
Idee laut, für den bisher bestehenden
Schnee-Express, zwischen Reutte und Ehrwald, Züge
der Deutschen Bahn einzusetzen. Bereits damals
signalisierte uns die Deutsche Bahn, helfend ein¦zu¦springen.
Allein die Personalknappheit und Ausbildungsdauer verzögert die
Um¦setzung noch ein wenig, bestätigt der Obmann des
TVB-Ferienregion Reutte, Werner Amman. In einem Schreiben
kündigte nun die Deutsche Bahn an, ab 3. Februar Züge im
Zwi¦schen¦toren einzusetzen. Diese sollen im Zwei-Stunden-Takt
verkehren und so den Erhalt des Schnee-Express
sichern.
Keine Übernahme durch die BOB
Folgendes eMail erreichte den Sprecher von PRO BAHN
Allgäu/Tirol am 1.12.2000:
Sehr geehrter Herr Teissl,
nach dem letzten Stand der Überlegungen seitens unseres
Auftraggebers, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft mbH (BEG),
einer Tochtergesellschaft des Bayerischen Staatsministeriums für
Wirtschaft, Verkehr und´Technologie, wird in Absprache mit dem
Fahrzeughersteller und uns auf einen Einsatz der
"Integral"-Triebzüge auf der Ausserfernbahn
verzichtet. Mitentscheidend ist die Anzahl der derzeit
verfügbaren Fahrzeuge, da eine bestimmte Zahl zuerst zwingend
für den Teillastbetrieb auf der Tegernseebahn-Strecke benötigt
wird.
Mit freundlichen Grüssen
i.A. Hannes Geier
BOB-Pressesprecher
Ab Dezember bereits mit der BOB im Außerfern ?
Verhandlungen laufen mit der Bayerischen Oberlandbahn
Die Bayerische Oberlandbahn hat jetzt PRO BAHN Allgäu/Tirol
mitgeteilt, dass derzeit Verhandlungen laufen und die BOB
möglicherweise den Auftrag erhält, in absehbarer Zeit
(vielleicht schon im Dezember) die Strecke von Garmisch nach
Reutte mit Integraltriebwagen zu bedienen. Der Pressesprecher der
BOB hat PRO BAHN gebeten, später bei ihm noch einmal nachfragen,
weil er derzeit noch keine sicheren Aussagen machen kann.
Dass in Österreich die Außerfernbahn saniert wird, dürfte
ziemlich sicher sein. Vermutlich wird dabei der signalisierte
Zugleitbetrieb (SZB) eingebaut.
Schienenersatzverkehr bis 10.6.2001
Bis zunächst zum 10.6.2001 wird auf dem Teilstück der
Außerfernbahn von Garmisch-Partenkirchen (GAP) nach Reutte/Tirol
Schienenersatzverkehr von den Österreichischen Bundesbahnen
(ÖBB) durchgeführt. Auf dem Teilstück von Kempten nach Reutte/Tirol rollt der Personen-Verkehr weiterhin auf der Schiene
mit der DB AG.
Der Güterverkehr auf der Strecke zwischen Vils und GAP erfolgt
jedoch weiterhin auf der Schiene.
Die Oberleitung zwischen GAP und Griesen (Staatsgrenze) wurde
zwischenzeitlich abgebaut; entgegen ursprünglichen
Befürchtungen wurden gut erhaltene Fahrmasten nicht abgebaut.
Wer Neuigkeiten kennt, möge diese bitte im Forum
der Allgäu-Bahn veröffentlichen. Danke!

ÖBB-Güterzug (Vils - Reutte/Tirol - Innsbruck - Hall in Tirol)
kurz vor Garmisch-Partenkirchen (an der Spitze des Zuges ist eine
deutsche, am Ende eine österreichische Diesellokomotive).

Gut erhaltene Masten, die nicht abgebaut wurden, auf dem
Teilabschnitt zwischen Griesen und Garmisch-Partenkirchen (Fotos:
Martin Teißl).
Keine Totaldemontage der Oberleitung
Die DB AG hat zwar die Fahrleitung und das Tragseil zwischen
Garmisch-Partenkirchen und der Staatsgrenze bei Griessen
demontiert. Allerdings wurden entgegen den ursprünglichen
Planungen nur jene Masten abgetragen, die nicht mehr saniert
werden können. Alle anderen Masten sind erhalten geblieben.
Da der österreichische Verkehrsminister zurückgetreten ist, ist
zu hoffen, das der Neue sich an die von seinem Vorgänger
abgegebene Bestandsgarantie zur Außerfernbahn hält.
Übernimmt BOB die Außerfernbahn ?
In der Allgäuer Zeitung vom 28.10.2000 wird über die um fast
eine Milliarde(!) gegenüber der Planung höheren Kosten der
ICE-Neubaustrecke München - Ingolstadt - Nürnberg berichtet. Im
letzten Absatz dieses Berichtes wird eine verbesserten
Zusammenarbeit zwischen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und
der DB-AG erwähnt. Die DB will zu 50 % bei der BOB mit
einsteigen, dafür prüfe man bei der BOB einen Einstieg bei der
von der Stilllegung bedrohten Ausserfernbahn(!) von
Garmisch-Partenkirchen in das Allgäu. Gut so, im Oberland ist
seinerzeit die DB "eingesprungen", weil die BOB nicht
mehr fahren konnte oder deren Fahrzeuge nicht funktionierten,
jetzt springt im Ausserfern die BOB ein, weil DB und ÖBB nicht
in der Lage sind, einen ordentlichen Betrieb durchzuführen.
Die Verwirrspiele des Personenverkehrschefs
Von Markus Herbert Inderst
Daß der Personenverkehrschef einer der vehementesten
Verfechter für die Schließung von Nebenbahn ist, wußte man
spätestens dann, als sich der Generaldirektor Draxler sowie auch
andere Vorstanddirektoren mit öffentlichen Aussagen
zurückhielten, und VD Stindl weiterhin an den bisherigen
Aussagen festhielt, womit die Reputation des Unternehmens
merklich nach unten sank. Warum VD Stindl in der Öffentlichkeit
so vorpreschte, ist offensichtlich, da er schon der Meinung war,
fix im neuen Vorstand als Chef des Absatzbereiches anzugehören.
Zwischenzeitlich gibt es Überlegungen, ob man nicht die
wichtigsten vier Nebenbahnen, die bei der Bevölkerung am
beliebtesten sind, im Rahmen einer neu zu gründenen
Tochtergesellschaft weiterbetreiben möchte. Die Salzburger
Nachrichten (SN) vom 11. Oktober berichten unter anderem, daß
sich die ÖBB an einigen fixen Schließungskanditaten wieder
interessieren. Konkret sind das
* die Pinzgaubahn,
* die Ybbstalbahn,
* die Mariazellerbahn und
* die Außerfernbahn.
Der Hintergrund für das Weiterbetreiben dieser vier
C-Netz-Bahnen liegt darin, daß sich der ÖBB-Vorstand vor
weiterer Konkurrenz fürchtet, insbesondere wegen des neuen
Partners der GKE, der besonders finanzstark ist, und der ÖBB in
der Zukunft merklich Probleme (Nahverkehr) bereiten könnten.
Die SN berichtet, daß VD Stindl bestätigt, "daß es
Überlegungen gäbe, sich via einer Tochter für die
Infrastruktur einzelner Strecken wieder zu bewerben. Daß die
Idee aus dem Haus kommt, bestreitet er allerdings: Das ist eine
der Varianten, die außerhalb der ÖBB ventiliert werden."
In der Tiroler Tageszeitung (TT) vom 12. Oktober war hingegen zu
lesen, "ÖBB-Personenverkehrschef Gerhard Stindl dementierte
gestern gegenüber der TT Meldungen, wonach die ÖBB
schließungsgefährdete Nebenbahnen über eine zu gründende
Tochtergesellschaft doch weiterführen könnten." Und Stindl
weiter, "wir werden uns an einer Ausschreibung dieser Bahnen
nicht mehr beteiligen."
In Bezug auf die Außerfernbahn meinte Stindl gegenüber der TT,
"die Fahrleitung werde von der DB demontiert, die ÖBB
werden den Personenverkehr mit Bussen bedienen, der Betrieb ist
bis zum 9. Juni 2001 garantiert. Danach wollen die ÖBB den
Personenverkehr einstellen, der Güterverkehr könnte aber weiter
betrieben werden." Während bei dieser Aussage VD Stindl das
Wort "könnte" verwendet, sagte er gegenüber der
Süddeutschen Zeitung vom 6. Oktober, "das eine entgültige
Schließung des Güterverkehrs noch von Gesprächen zwischen den
ÖBB und ihren Kunden abhänge." Stindl sagte aber weiter,
"Hintergrund für den Entschluß, die Außerfernbahn doch
nicht zu still zu legen, sei das 1955 (es wurde eigentlich 1958
abgeschlossen) geschlossene Außerfern-Mittenwald-Abkommen (AMÜ)
zwischen Österreich und Deutschland, welches die
österreichische und die deutsche Bahn verpflichtet, die Strecke
zu erhalten. Das Abkommen sei bisher nicht gekündigt worden, und
bindet uns nach wie vor". Stindl bestätigt außerdem noch
die von seinem Kollegen DI Hainitz zugesagte Sanierung der
Fahrleitung. Die DB hofft, wie aus diesem Artikel zu entnehmen
ist, auf einen neuen Betreiber, den es auch geben wird. Denn der
Geschäftsführer der GKE, Mag. Weintögl, bestätigte gegenüber
der TT auch weiterhin an der Außerfernbahn interessiert zu sein.
Er meinte allerdings auch, sollte sich die ÖBB via einer Tochter
bewerben, dann fühle er sich "gefolzelt!". Er sagte weiters, "falls man ÖBB-Lokführer bekomme, könne der
Betrieb rasch aufgenommen werden, sonst werde es über ein Jahr
brauchen." Daß die GKE übrigens auch Lokführer der DB
anmieten könnte, sei nur am Rande erwähnt.
Alleine schon diese Aussagen nur rund um die Außerfernbahn
zeigen, wie verwirrend momentan ein Vorstandsmitglied in der
Öffentlichkeit agiert. Der ursprüngliche Plan, mehr Geld von
den Ländern zu holen, bestätigt sich immer mehr, ansonsten
würden die ÖBB bezüglich ihrer Nebenbahnen viel offener und
auch sachlicher argumentieren.
Abschließend sei noch erwähnt, daß die Idee der oben
angesprochenen Tochtergesellschaft auf eine kleine Gruppe von
Schmalspurbahnfreunden zurückzuführen ist, die diese Idee im
Rahmen einer Sonderfahrt damals verkündet haben. Für das
Schmalspurnetz im Waldviertel hätte es eine Lösung gegeben,
indem eine tschechische Privatbahn, die ebenfalls eine
Schmalspurbahn nördlich von Litschau betreibt, die Bahn
übernommen wollte, allerdings mit ÖBB-Fahrzeugen. Die ÖBB
waren damit nicht einverstanden und teilten dem interessierten
Betreiber mit, daß die Fahrzeuge selbst benötigt werden. Wozu
eigentlich, wenn sie alle Schmalspurstrecken abgeben will!
eMail an Markus
Herbert Inderst
ÖBB fordert von der DB AG den Erhalt der Oberleitung
Ich darf Sie davon in Kenntnis setzen, dass der
Österreichische Verkehrsminister, DI Michael Schmid in seinem
Schreiben vom 5. Oktober 2000 an den Vorstandsdirektor der
Deutschen Bahn AG, Herrn Dr. Hartmut Mehdorn, (Potsdamer Platz 2,
D-10785 Berlin) u.a. wörtlich schreibt (Kopie liegt mir vor; die
Tippfehler des Originalschreibens habe ich im Zitat
beibehalten!):
"Sehr geehrter Herr Vorstandsdirektor!
Wie Ihnen sicher bekannt ist, gibt es derzeit in
Tirol größte Sorge um den Weiterbestand der sog. Außerfernbahn
zwischen Garmisch-Partenkirchen und Reutte in Tirol aufgrund der
dieser Tage beabsichtigten Abtragung der Fahrleitung auf dem
Deutschen Streckenabschnitt zwischen Garmisch und Griesen. Ich
möchte nochmals in Erinnerung rufen, daß die Strecke auf der
österreichischen Seite in jedem Fall aufrechterhalten wird,
unabhängig davon, ob die ÖBB im Personenverkehr den Betrieb
aufrechterhält oder ob dieser gegebenfalls durch einen anderen
Betreiber weitergeführt wird. Der Güterverkehr steht aufgrund
seines hohen Aufkommens ohnedies nicht zur Disposition. Ich darf
auch erwähne, daß derzeit auf dem österreichischen
Streckenteil Sanierungsarbeiten an der Lechtalbrücke
durchgeführt werden, was die Absicht eines Weiterbetriebes
dieser Strecke augenscheinlich unterstreicht.
Ich ersuche Sie daher, in ihrem Zuständigkeitsbereich alles zu
unternehmen, um die Abtragung der Fahrleitung zu verhindern bzw.
im Falle einer zwingenden technischen Notwendigkeit dieser
Maßnahme eine rasche Wiedererrichtung zu gewährleisten."
Mit freundlichen Grüßen
Martin Teißl, PRO BAHN Allgäu/Tirol, Pirchanger 73, A-6130
Schwaz in Tirol
NUR NOCH GÜTERVERKEHR AUF DER
AUSSERFERNBAHN ?
ÖBB wollen Personenverkehr einstellen
Von Jürgen Schmid, Sprecher von PRO
BAHN Allgäu und einer der Sprecher von PRO BAHN Allgäu/Tirol
Liebe Freundinnen und Freunde der Ausserferner Bahn,
allen Protesten von uns und von vielen anderen Institutionen
und Privatpersonen zum Trotz konnte leider nicht verhindert
werden, dass die DB-Netz AG die angeblich marode Fahrleitung
zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen (Oberbayern)
abreißen wird.
Immerhin hat man nicht, wie in vielen Medien berichtet,
bereits in dieser Woche mit dem Abreißen begonnen, man hat den
Beginn der Abbauarbeiten nochmals um eine Woche verschoben und
will nun ab Montag, dem 16.10.2000 die elektrische Fahrleitung
abschalten und danach mit der Demontage beginnen. FÜR REISENDE
eine LETZTE CHANCE: So kann man BIS einschliesslich SONNTAG, dem
15.10.2000 noch ein letztes Mal die GESAMTE Ausserfernbahn von
Kempten über Pfronten nach Reutte nach Garmisch abzufahren und
ggf. mit der Mittenwaldbahn weiter nach Innsbruck durchzufahren.
Wie dem nachfolgend zitierten Bericht aus der Allgäuer
Zeitung vom 11.10.2000 zu entnehmen ist, wollen die ÖBB
voraussichtlich DEN GANZEN WINTER ÜBER von Reutte bis Garmisch
keine Personenzüge fahren lassen. Ab dem Sommerfahrplan 2001
wird der Personenverkehr dann auch "offiziell"
stillgelegt (ab nächste Woche fährt "nur" ein
Schienenersatzverkehr), und zwar dann auf dem GESAMTEN
österreichischen Abschnitt bis zum Grenzübergang
Pfronten-Steinach (von Pfronten bis Reutte fährt derzeit noch
die DB von Kempten kommend, wobei die Fahrt über die Grenze
hinaus im Auftrag und auf Verantwortung der Österreichischen
Bundesbahnen erfolgt, übrigens gab es Pläne des für den
Personenverkehr Tirol zuständigen ÖBB-Managers, auch diesen
Verkehr bereits jetzt im Herbst einzustellen, so dass die
Bezirkshauptstadt Reutte mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf
der Schiene nicht mehr erreichbar gewesen wäre).
Kempten/Reutte (mun). Kommenden Montag wird auf
dem Abschitt Garmisch bis zur Landesgrenze der Außerfernbahn mit
dem Abbau der maroden FahrleitunRen begonnen. Gleichzeitig fahren
statt der Personenzüge zwischen Garmisch und Reutte nur noch
Busse. Güterzüge verkehren allerdings weiter.
Das sagte Arno Guggenbichler von den österreichischen
Bundesbahnen (ÖBB). Nach wie vor wollten die ÖBB ab Juni 2001
den Personenverkehr auf der gesamten Strecke ganz einstellen,
Güterzüge sollen aber weiter fahren. Diese Situation könne
sich ändern, wenn ein anderer Betreiber für die defizitare
Strecke gefunden werde. Der Oberallgäuer
Grünen-Landtagsageordnete´Adi Sprinkart hat in einem
Dringlichkeitsantrag im Verkehrsausschuss gefordert, Bayern und
Tirol sollten einen neuen Betreiber für die Bahn suchen.
Ein schwacher Trost: Wenigstens der Güterverkehr und damit
der Bestand der Infrastruktur (Schienen) ist laut o.g. Bericht
nun endgültig gesichert (es war zuletzt zu befürchten, daß bis
zu 140.000 Tonnen pro Jahr auf den LKW verlagert werden müßten). Wie wir einem anderen Zeitungsbericht (Süddeutsche
Zeitung vom 06.10.2000) entnommen haben, ist sogar ziemlich
sicher, dass im Frühjahr/Sommer wieder eine neue Oberleitung
aufgebaut wird (die Fahrleitung war bisher der Dreh- und
Angelpunkt bezüglich des Bestandes der Strecke), und wenn die DB
dies nicht tut, dann baut sogar die ÖBB auch noch auf
deutschem(!) Boden eine neue Leitung. Somit ist langfristig auch
die Elektrifizierung sicher.
Bleibt nur noch zu hoffen, dass nun wirklich sehr bald ein
neuer Betreiber defintiv sich bereit erklärt, die Strecke zu
übernehmen und dann unter privater Regie auch wieder
Personenzüge auf dieser langschaftlich einmaligen Verbindung
fahren. Vielleicht kann ein neuer Betreiber das Ganze auch besser
vermarkten.
Da der einstweilen als Ersatz angebotene Busverkehr vor allem
im Winter bei ungünstigen Straßenverhältnissen oder bei Stau
zwangsläufig alles Andere als zuverlässig sein wird, empfiehlt
es sich für Reisende aus dem Allgäu ab der kommenden Woche
NICHT mehr, weiter als bis Reutte (zwischen Kempten und Reutte
fahren die Züge ohnehin mit Diesel und sind deshalb von der
Stromabschaltung nicht betroffen) mit öffentlichen
Verkehrsmitteln zu fahren.
Wer nach Innsbruck oder weiter nach Süden will, dem können
wir ab nächste Woche bis auf weiteres nur das nahelegen, was
bisher die DB-AG ohnehin schon immer getan hat (sie tat das
bisher, um zu VERHINDERN, dass zu viele Reisende auf die
Ausserfernbahn kommen), nämlich den Umweg über Lindau - Bregenz
- Bludenz und dann über den Arlberg zu nehmen oder doch besser
gleich mit dem Pkw über den Fernpaß zu fahren. Mit Letzterem
steht man dann zwar auch im Stau genauso wie der Bus, aber
wenigstens sitzt man im Warmen, kann Autoradio hören und braucht
keine Angst zu haben, einen Anschluß zu versäumen und man muß
auch nicht einen teuren Umweg bezahlen. Reisenden, die nach
Garmisch wollen oder müssen, bietet sich alternativ noch die
Strecke über Geltendorf und Weilheim oder über München-Pasing
an...
Grüße aus dem Allgäu,
Euer Jürgen.
AUßERFERNBAHN GERETTET ?
Landespressedienst Tirol
vom 3.10.2000
"Der Abbau der Fahrleitung auf
der deutschen Strecke der Ausserfernbahn ist aus technischen
Gründen notwendig. Trotzdem wird sichergestellt, dass der
elektrische Schienenbetrieb auf der Ausserfernbahn
weitergeht." Diese Zusicherung gab heute der
stellvertretende ÖBB-Generaldirektor DI Helmut Hainitz dem
Tiroler Landeshauptmann Dr. Wendelin Weingartner.
Es soll laut Hainitz entweder durch die
Deutsche Bahn im Auftrag der ÖBB oder durch die ÖBB selbst eine
neue Oberleitung errichtet werden. "Durch die
Zusicherung der ÖBB, die Strecke langfristig weiterbetreiben zu
wollen, ist die Deutsche Bahn bereit, auch auf ihrem Streckennetz
den Betrieb technisch zu gewährleisten", so
Landeshauptmann Weingartner.
OFFENES SCHREIBEN AN DEN ÖSTERR.
VERKEHRMINISTER
VON DER "ALLGÄU-BAHN":
Sehr geehrter Herr
Verkehrsminister,
das Internet-Projekt Allgäu-Bahn
(http://www.allgaeu-bahn.de) begleitet in seiner Rubrik
"Rettet die Außerfernbahn!" konstruktiv die
Bemühungen zahlreicher Organisationen und Persönlichkeiten, die
sich um den Erhalt der Außerfernbahn bemühen.
So wurde auch das an Sie gerichtete Schreiben (eMail) von PRO
BAHN Allgäu/Tirol vom 2.10.2000, in dem Sie gebeten wurden, den
ÖBB-Regionalmanager Mag. Emmerich Müller abzuziehen,
veröffentlicht.
Ab 8. Oktober 2000 wird die Deutsche Bahn AG (DB) die Oberleitung
zwischen Garmisch-Partenkirchen und Staatsgrenze aufgrund des
maroden Zustandes abbauen. Trotz vorhandener finanzieller Mittel
wird diese Oberleitung - zunächst - nicht ersetzt. Der Grund:
die ungeklärte Lage in Österreich über den Bestand der
Außerfernbahn ab Sommer 2001. Ich bitte Sie nun, sehr geehrter
Herr Minister, die Besucher des Internet-Projektes
"Allgäu-Bahn" davon zu unterrichten, ob die
Außerfernbahn auch über den Sommer 2001 auf österreichischer
Seite weiterhin besteht und - wichtig - auch befahren wird und
wie lange die österreichische Staatsregierung den Bestand dieser
Bahn garantiert.
Zu dem wollen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) über den
ganzen Winter hindurch Schienenersatzverkehr auf dem Abschnitt
Reutte - Garmisch-Partenkirchen anbieten. So äußerte sich
zumindest der schon oben angesprochene Mag. Müller auf einer
Podiumsdiskussion am 2. Oktober 2000 in Pfronten (Ostallgäu).
Der Grund dafür sei die fehlende Oberleitung zwischen
Staatsgrenze und Garmisch-Partenkirchen. So müssten zwei
Diesellokomotiven eingesetzt werden, und dazu hätten die ÖBB in
ganz Österreich keine entsprechenden Fahrzeuge vorrätig.
Daraufhin hat Herr Dipl.-Ing. Andreas Schulz, Prokurist und
Abteilungsleiter Planung bei der Bayerischen
Eisenbahngesellschaft mbH, Herrn Mag. Müller das Angebot
unterbreitet zu versuchen, in Europa diese zwei erforderlichen
Diesellokomotiven aufzutreiben, damit die ÖBB dadurch in die
Lage versetzt werden, auch im kommenden Winter den
Personenverkehr auf der Schiene aufrechtzuerhalten. Das Ausleihen
von Diesellokomotiven innerhalb der europäischen
Bahnverwaltungen ist ein durchaus übliches Verfahren, um
Engpässe an Lokmaterial zu vermeiden.
So sehr das Angebot von Herrn Dipl.-Ing. Andreas Schulz zu
begrüßen ist, so sehr wäre es wohl die Aufgabe der ÖBB,
selbst dafür zu sorgen, dass zwei Diesellokomotiven zur
Verfügung stehen. Ich darf Sie daher bitten, den ÖBB die
entsprechende Weisung zu erteilen die sicherstellt, dass auch im
bevorstehenden Winter der Verkehr zwischen Reutte und
Garmisch-Partenkirchen auf der Schiene stattfindet. Alles andere
wäre der vorzeitige Todesstoß für die Außerfernbahn.
Desweiteren bitte ich um Mitteilung, wie sich die
österreichische Staatsregierung die weitere Zukunft des
Güterverkehrs auf der Außerfernbahn vorstellt. In den letzten
Jahren hat sich die Tonnage auf nunmehr dieses Jahr geschätzten
140.000 Tonnen verdoppelt. Die außerferner Wirtschaft - das
belegen diese Zahlen - hat sich dadurch erfolgreich bemüht,
Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen. Die leidige
Diskussion um den Erhalt der Außerfernbahn ist nicht
förderlich, diese begrüßenswerte Entwicklung beizubehalten.
...
Mit freundlichen
Grüßen
Internet-Projekt ALLGÄU-BAHN
Rolf Bickelhaupt, Diplom-Verwaltungswirt,
Von-Grünenstein-Straße 10, D-87634 Obergünzburg
PRO BAHN ALLGÄU/TIROL FORDERT
ABLÖSUNG EINES ÖBB-SPITZENMANAGERS
Offenes Schreiben an den österreichischen Verkehrsminister
In einem Schreiben an den
österreichischen Verkehrsminister hat der Sprecher der
grenzüberschreitenden Fahrgastvereinigung PRO BAHN
Allgäu/Tirol, Magister Martin Teißl, am 2. Oktober 2000 die
Ablösung von Magister Emmerich Müller, dem Leiter des
ÖBB-Personenverkehrs Tirol, gefordert. Hier Auszüge aus dem
Wortlaut des Schreibens:
"Sehr geehrter Herr
Verkehrsminister,
....
Dann darf ich Ihnen noch mitteilen, dass der Tiroler
ÖBB-Regionalmanager für den Personenverkehr am 1. Oktober 2000
bei einer Veranstaltung zur Zukunft der Außerfernbahn in
Pfronten nahe der Bayerisch-Tirolerischen-Grenze erneut erklärt
hat, dass die ÖBB bereits in diesem Herbst einen dauerhaften
Schienenersatzverkehr mit Bussen einführen werden (auch der
überaus beliebte Schneeexpress soll im Winter durch Busse
ersetzt werden). Mir ist bekannt, dass Sie bereits einmal eine
Weisung gegeben haben, dass die ÖBB hinkünftig solche Aussagen
zu unterlassen haben und dass Sie garantieren, dass die
Außerfernbahn heuer sicher nicht stillgelegt werden wird.
Können Sie Herrn Mag. Müller bitte nicht dahingehend
disziplinieren, dass er ENDLICH aufhört, derartige Aussagen zu
machen, wie er sie am 1. Oktober 2000 wieder gemacht hat. Ich
darf dringend bitten, Herrn Mag. Müller von seinem Posten
abzuziehen, da er trotz Ihrer Weisung weiterhin keine Gelegenheit
auslässt, um die Außerfernbahn noch heuer endgültig zu
ruinieren. Ich darf bereits im Voraus für Ihre geschätzte
Stellungnahme danken.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Teißl
PRO BAHN Allgäu/Tirol
Pirchanger 73
A-6130 Schwaz in Tirol"
ÖBB wollen im Winter mit Bussen fahren
Bayer. Eisenbahngesellschaft will das verhindern!
Von Rolf Bickelhaupt
Pfronten. Ab 8. Okt. 2000 baut die Deutsche
Bahn AG (DB) die Oberleitung zwischen Garmisch-Partenkirchen und
der Staatsgrenze bei Griessen ab. Dies ist für die DB aufgrund
der maroden Oberleitung unbedingt erforderlich. Trotz vorhandener
finanzieller Mittel erfolgt vorerst jedoch kein Neubau der
Oberleitung. Grund: die ungeklärte Lage in Österreich im
weiteren Verlauf der Trasse von der Staatsgrenze bis Reutte/Tirol. Zwar ist der Betrieb seitens der österreichischen
Regierung zunächst bis Sommer 2001 gesichert, aber was danach
kommt, steht in der Sternen.
Zudem wollen die Österreichischen Bundesbahnen
(ÖBB), die die Strecke von Garmisch-Partenkirchen bis nach Reutte/Tirol grenzüberschreitend bedienen, über den gesamten
Winter Schienenersatzverkehr (sprich Einsatz von Linienbussen)
durchführen. Grund: aufgrund der dann fehlenden Oberleitung auf
deutschem Staatsgebiet müssen zwei Dieselloks eingesetzt werden,
und dafür könnten die ÖBB in ganz Österreich keine
entsprechenden Fahrzeuge auftreiben. So zumindest Magister
Emmerich Müller, der Leiter des ÖBB-Personenverkehrs Tirol, am
1. Okt. 2000 auf einer Podiumsdiskussion der Gemeinde Pfronten
anlässlich des Tages der Regionen.
Das hat nun den Abteilungsleiter Planung bei
der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, Andreas Schulz, auf den
Plan gerufen. Am Rande der Podiumsdiskussion hat er Magister
Müller das Angebot unterbreitet, dass er sich in ganz Europa
bemühen werde, die notwendigigen zwei Dieselloks aufzutreiben,
damit die ÖBB dadurch in die Lage versetzt wird, auch im Winter
den Schienenverkehr aufrechtzuerhalten.
Sollte Schulz mit seinen angekündigten
Bemühungen erfolgreich sein, so liegt dann der "Schwarze
Peter" ausschliesslich bei den ÖBB. Es wird also spannend!

Was wollte denn der Gleismeßzug am 4.9.2000 in Griesen?
Foto: Moritz Gretzschel
Privater Interessent für
Außerfernbahn
Ein privater Anbieter interessiert sich jetzt
für die Außerfernbahn. Bereits am Dienstag werden entsprechende
Gespräche geführt, hat der Reuttener Bürgermeister Helmut
Wiesenegg angekündigt.
Ob der neue Interessent die Bahn ganz
übernehmen oder den Österreichischen Bundesbahnen die
finanziellen Mittel zur Erhaltung der Bahn zur Verfügung stellen
will, ist noch nicht klar.
Sollte die Außerfernbahn einen Abnehmer
finden, hat die deutsche Bundesregierung zugesichert, den
deutschen Streckenteil der Bahn auszubauen.
Außerfernbahn fährt weiter
Schliessung vorerst aufgehoben!
Österreichs Infrastrukturminister Michael hat
am 27. August gegenüber Radio Tirol (ORF) versichert, dass die
Außerfernbahn nicht eingestellt wird, außer es gäbe
Alternativen, mit denen die Betroffenen in der Region
einverstanden wären. Kurz zuvor hatten das Transitforum Austria/Tirol und die Arbeiterkammer Tirol eine Rettungsaktion
zum Erhalt der Trasse gestartet.
Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB)
wollten ursprünglich diese Strecke wegen Unrentabilität
einstellen. Offensichtlich hat dagegen Schmid sein Veto, das er
kraft seines Amtes bei Stilllegungsabsichten der ÖBB hat,
eingelegt. Dies bedeutet zugleich, dass die Republik Österreich
das für die notwendige Sanierung der Strecke Pfronten - Reutte/Tirol - Garmisch benötigte Geld zur Verfügung stellen
wird.
Unabhängig davon wird es spätestens im Jahre
2007 zur Privatisierung der Außerfernbahn kommen, weil dies von
der Europäischen Union (EU) bei defizitären Eisenbahnstrecken
für den Personenverkehr zwingend vorgeschrieben ist.
Allgäuer Zeitung vom 26.08.2000:
Bayern und Tirol für Erhalt der
Außerfernbahn
"Fischen. "Der Freistaat Bayern und
das Land Tirol sind sich einig, dass die Außerfernbahn erhalten
bleiben muss." Dies hat Bayerns Wirtschaftsminister Dr. Otto
Wiesheu an den Vorsitzenden des Regionalen Planungsverbandes,
Toni Vogler, geschrieben. Wie berichtet, soll die Außerfernbahn
zwischen Garmisch, Reutte und Pfronten zum 6. Oktober stillgelegt
werden. Bayern halte, so heißt es in dem Schreiben weiter, an
den "geplanten Infrastrukturmaßnahmen im Abschnitt Garmisch
- Griesen fest, solange eine Aussicht auf den Erhalt und die
Bedienung der Strecke" bestehe. Das Land Tirol wiederum
wolle die Einhaltung des "Verkehrsdienstevertrages" mit
der Österreichischen Bahn mit allen Mitteln durchsetzen."
Allgäuer Zeitung vom 24.08.2000:
Protest gegen Stilllegung der
Außerfernbahn
"Kempten. Mehrere Politiker aus der Region, dem
angrenzenden Oberbayern und Tirol haben in einer Resolution gegen
die angekündigte Stilllegung der Außerfernbahn protestiert. Wie
berichtet, hatte die Österreichische Bundesbahn bekannt gegeben,
die Bahnstrecke ab 6. Oktober einzustellen. Die Resolution an den
österreichischen Bundeskanzler Schüssel war auf Initiative der
Wirtschaftskammer Tirol zustande gekommen."
Stellungnahme der DB Netz zur Außerfernbahn
vom 21.08.2000 an PRO BAHN Allgäu
Abbau der Oberleitung in Deutschland aufgrund geplanter
ÖBB-Streckenstilllegungsplänen
In den folgenden Ausführungen gibt die DB Netz
AG den "schwarzen Peter" hinsichtlich der Stilllegung
der Außerfernbahn an die ÖBB. Hier die Stellungnahme der DB
Netz AG:
"Sehr geehrter Herr Schmid,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 18.07.2000,
in dem Sie sich für den Erhalt von Eisenbahninfrastruktur in
Bayern einsetzen.
Die DB Netz AG ist aus kaufmännischen Gründen
allgemein gehalten, laufend die Notwendigkeit der Vorhaltung der
kostenintensiven Infrastruktur zu überprüfen und bei
anstehenden Investitionen alle Möglichkeiten der
Kostenreduzierung zu nutzen. Hinsichtlich der Kreuzungsbahnhöfe Durach, Jodbad Sulzbrunn und Nesselwang haben erste
Untersuchungen ergeben, dass die Kreuzungsgleise sehr selten
benutzt werden, und die Fahrpläne des Allgäu-Schwaben-Taktes
die Kreuzungsgleise dort entbehrlich werden lassen.
Sie werden verstehen, dass wir vor diesem
Hintergrund vor der Erneuerung der abgängigen Anlagen sehr genau
prüfen, ob sie auch in Zukunft noch benötigt werden. Bei dieser
Prüfung werden auch die Auswirkungen eines Rückbaus von
Kreuzungsgleisen auf die Leistungsfähigkeit der Strecke
untersucht. Ergebnisse dieser Detailuntersuchungen für die
Strecke Kempten - Pfronten liegen noch nicht vor; Entscheidungen
sind daher noch nicht getroffen worden. Sofern durch zusätzliche
Bestellungen des Freistaates Bayern neue, höhere
Leistungsanforderungen an die Strecke gestellt werden, müssen
diese Untersuchungen natürlich neu geführt werden.
Wie Ihnen sicher bekannt ist, ist die
Oberleitung auf dem Streckenabschnitt von Garmisch-Partenkirchen
nach Griesen abgängig und erfordert eine grundlegende
Erneuerung. Die Umsetzung dieser Maßnahme wurde Anfang dieses
Jahres fachtechnisch geplant und sollte im Herbst erfolgen.
Im Frühjahr dieses Jahres wurden wir nun von
der ÖBB schriftlich darüber informiert, dass die ÖBB
beabsichtigen, ihren Schienenpersonennahverkehr zum
Fahrplanwechsel 2001 wegen Unwirtschaftlichkeit einzustellen. Als
Grund für die Einstellung nannten die ÖBB ein erhebliches
jährliches Defizit und die beabsichtigte Kürzung bisheriger
staatlicher Zuschüsse. Auch stehen in den nächsten Jahren auf
dem ca. 30 km langen Streckenabschnitt der ÖBB von Griesen bis
Pfronten-Steinach Investitionen in die Infrastruktur von über 40
Mio. DM an. Die durch das Fahrtgastaufkommen erzielten Erlöse
stehen bei nur. ca. 250 Reisenden pro Tag in keinem Verhältnis
zu den erforderlichen Aufwendungen. Da auch die DB Netz AG in den
nächsten Jahren ca. 16 Mio. DM in ihre Anlagen investieren muss,
ist die künftige Verkehrsabwicklung auf der Außerfernbahn aus
der Sicht des Infrastrukturbetreibers zumindest in Frage
gestellt.
Vor diesem Hintergrund sah sich die DB Netz AG
nun nicht mehr in der Lage, kurzfristig 5 Mio. DM in eine
notwendige Erneuerung der Oberleitung zu investieren. Da die
Fahrleitungsmasten durch Frosteinwirkungen im kommenden Winter
einsturzgefährdet sind, haben wir uns zur Vermeidung einer
technisch bedingten Streckensperrung entschliessen müssen, die
Oberleitungsanlagen (Masten, Oberleitung, Speiseleitung) noch vor
Einbruch des Winters zurückzubauen. Dieser Rückbau wird im
Oktober dieses Jahres im Zuge einer Streckensperrung mit
Schienenersatzverkehr erfolgen. Anschließend, also ab Anfang
November, ist auf diesem Streckenabschnitt wieder eine
Betriebsabwicklung möglich, allerdings nur im Dieselbetrieb. Die
DB Regio AG ist bemüht, entsprechende Fahrzeuge in diesem
Bereich einzusetzen.
Falls sich die verkehrliche Situation zugunsten
einer Weiterführung bzw. Wiederaufnahme des Betriebes auf Seiten
der ÖBB ändern und ein elektrischer Betrieb wieder erforderlich
werden sollte, ist unter Berücksichtigung der entsprechenden
Vorlaufzeiten eine Wiedererrichtung der Oberleitungsanlagen
technisch jederzeit möglich. Letztendlich muss sich diese
Maßnahme jedoch für die DB Netz AG rechnen
Es ist richtig, dass die DB Netz AG ihr
Regionalstreckennetz auf Wirtschaftlichkeit hin untersucht.
Bislang wurden jedoch noch keine Entscheidungen getroffen,
Strecken im Allgäu an Dritte abzugeben oder Kooperationen mit
örtlichen, mittelständischen Unternehmen einzugehen.
Ich hoffe, Sie mit meinen Darlegungen
ausreichend informiert zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
gez.: "Stempel"
DER STANDARD, 23. August 2000 TIROL
Deutsche kappen Strom: Aus für Außerfernbahn
Innsbruck/Wien - Die Außerfernbahn auf der
Route Garmisch-Ehrwald-Reutte-Pfronten stellt Anfang Oktober den
Personen- und Güterverkehr ein. Mit gleichem Fahrplan werde ein
Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet, erklärt Emmerich Müller,
Leiter des ÖBB-Personenverkehrs in Innsbruck.
Bisher galt die Außerfernbahn - wie 92 andere
Nebenbahnen auch - als einstellungsgefährdet, war aber durch
einen Vertrag zwischen ÖBB und Land Tirol bis Ende 2007
abgesichert. Nun jedoch hätten sich die Rahmenbedingungen des
Vertrages "wesentlich geändert", erklärt Müller: Die
Deutsche Bahn (DB) habe angekündigt, in sechs Wochen auf ihrem
Abschnitt den Strom abschalten zu wollen.
Weil auch der "Saft" für den
österreichischen Bahnabschnitt aus Deutschland komme, wäre ein
weiterer Betrieb also nur mit Dieselloks möglich. Dieselloks
jedoch seien weder in Deutschland noch in Österreich
aufzutreiben. "Das ärgert uns nicht", fügt Müller
hinzu, das Aus für die Außerfernbahn erfolge bloß früher als
jenes für die anderen Nebenbahnen.
Tirols SPÖ-Klubobmann Walter Guggenberger
spricht von einem Rechtsbruch seitens der ÖBB und fordert die
Landesregierung zu einer Klage auf. Per einstweiliger Verfügung
solle das Land versuchen, den weiteren Betrieb der Bahn zu
erzwingen.
ÖBB-Vorstandsdirektor Gerhard Stindl lehnt
diese Kritik als "völlig haltlos" ab und verweist auf
gute Gespräche mit dem Land. Wie vorgesehen werde es zur
Ausschreibung des Außerfernbahnnetzes kommen. Ob sich ein neuer
Betreiber finde, sei jedoch fraglich. (hs)
"AUSSERFERNBAHN WIRD
EINGESTELLT"
Unter dieser Überschrift veröffentlicht die
"Allgäuer Zeitung" am 19. Aug. 2000 den folgenden
Bericht. Wie daraus zu entnehmen ist, sind sich die
Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und das Land Tirol nicht
einig geworden, den Erhalt der Bahn zu sichern. Die Bahn soll
jetzt "zum Verkauf angeboten" werden!
Die Meldungen der "Allgäuer Zeitung" im Einzelnen:
Die Außerfernbahn Pronten - Reutte - Garmisch
wird ab 6. Oktober ihren Betrieb einstellen, sagt Emmerich
Müller, der Leiter Personenverkehr bei der Österreichischen
Bundesbahn (ÖBB). Vorläufig werden auf der Strecke Ersatzbusse
eingesetzt, bis endgültig über die Zukunft der Bahn entschieden
ist. Aus wirtschaftlichen Gründen sei die Außerfernbahn für
die ÖBB nicht mehr tragbar, so Müller. Für den Erhalt der
einzigen Bahn-Verbindung vom Allgäu nach Österreich über
Kempten - Pfronten - Reutte müssten laut Müller mindestens 30
Millionen Mark in die Infrastruktur investiert werden. Zusammen
mit dem Land Tirol sei es nicht gelungen, ein Konzept zur Rettung
zu erstellen, sagt Müller. Auf deutscher Seite kann die
Bundesbahn die Fahrleitungen ebenfalls aus wirtschaftlichen
Gründen nicht reparieren. Deshalb wird die Bahn ab Herbst zum
Verkauf angeboten.
Alpenpolitische Nachrichten-Agentur
MEDIEN-NETZWERK ALPEN:
18.08.2000
ZUM WOCHENAUSKLANG
>>> Verdammt noch mal, stärkt endlich die Bahn!
Von Wilfred ALPINUS Richter
Im ALPEN-NEWSLETTER vom vergangenen Montag zitierte ich aus dem
Umweltbericht der Europäischen Umweltagentur:
".....So haben sich der Personen- und Gütertransport mehr
als verdoppelt und zwar in einer dramatischen Verschiebung in
Richtung Strasse. Dies ist umso besorgniserregender, als diese
Art von Verkehr mittlerweile wissenschaftlich gesichert als
Hauptemittent der Treibhausgase identifiziert wurde".....
Ausserdem wurden im Kommentar die anstehenden, massiven
Streckenstillegungen bei den Regional- und Nebenbahnen in
Österreich angeprangert.
Nun, das "muntere Spielchen" Richtung "dramatische
Verschiebung Richtung Strasse" geht weiter, wie verschiedene
Meldungen in dieser Woche bezeugen. Da kündigt der deutsche
Verkehrsminister Klimmt in Presseaussendungen seines Ministeriums
"Mehr Tempo beim Ausbau der Strassen in den
Bundesländern" an, und die bayerische SPD (!) verkündet
stolz, dass der Bund für Strassenprojekte in Bayern weitere 143
Millionen zur Verfügung stellt.
Die "schaurigste" Meldung aber betraf den
Schienengüterverkehr. Nach verschiedenen Medien befindet sich
die Deutsche Bahn-Tochter DB-Cargo "in existenzbedrohenden
Schwierigkeiten". Gerade diese Meldung tangiert den
Alpentransitverkehr auf fundamentale Weise, denn die Deutsche
Bahn hätte die dringende Aufgabe, viel Güterverkehr aufzunehmen
und auf Langstrecken durch Europa und damit auch durch die Alpen
zu schicken.
Irgendwie kommt mir die Deutsche Bahn mit ihrem Sektor
Güterverkehr vor wie eine Fussballmannschaft, die vor lauter
Angst vor einer Niederlage nur noch mauert statt in die Offensive
zu gehen und anzugreifen. Die Ergebnisse solcher Taktik sind
hinlänglich bekannt.
Die DB Cargo tut dasselbe: Der Gegner auf der Strasse ist stark,
und so wird ängstlich "gemauert", sprich abgebaut,
statt anzugreifen. Wie heisst es so schön im Fussball:
"Angriff ist die beste Verteidigung".
Beim ständigen Strassenausbau beisst sich die Katze in den
Schwanz: Mehr Strassen = mehr Verkehr = weitere Begehrlichkeiten.
Die Umwelt bleibt auf der Strecke.
Verdammt noch mal, Politikerinnen, Politiker und
Bahnverantwortliche: Stärkt endlich die Bahn!
P.S.: In der Ausgabe vom vergangenen Montag beschäftigte ich
mich mit der drohenden Stillegung der Ausserfernerbahn
zwischen dem Allgäu, dem Tirol und dem Werdenfelser Land. Die DB
und die ÖBB wurden "eingeladen", zu dem Kommentar
Stellung zu nehmen. Bisher - welche "Überraschung" -
Fehlanzeige.
Da es sich bei der Ausserfernerbahn um eine
alpengrenzübergreifende Bahn handelt, hat sich MEDIEN-NETZWERK
ALPEN entschlossen, diese Bahn zu einem
PILOTPOJEKT GEGEN BAHN-ABBAUER UND
VERKEHRS-VERNUNFT-TÖTER
zu erklären. Wer sich mit dieser Pilot-Aktion solidarisiert,
sendet bitte ein e-mail mit entsprechender Meinungs-Äusserung an ALPINUS.
Achtung: Die Zeit drängt.
ORF ON 18.08.2000
Hochschülerschaft für Außerfernbahn
Nach massiven Protesten aus dem Bezirk Reutte kritisiert jetzt auch die Hochschülerschaft der Uni-Innsbruck die geplante Einstellung der Außerfernbahn. Davon wären auch viele Studenten aus dem Außerfern betroffen, die dieses umweltfreundliche Verkehrsmittel zur Fahrt nach Innsbruck benützen.
Viele Studierende könnten sich kein Auto leisten und müssten demnach auf Linienbusse umsteigen, die aber bereits jetzt meist überfüllt seien. Die Hochschülerschaft fordert die Bundesbahnen auf, die Auflassung des Personenverkehrs nochmals zu überdenken.
ORF ON
17.08.2000
ABBAU DER OBERLEITUNG
Protest gegen Bahn-Stilllegung
Als illegal bezeichnet der bayerische Fahrgastverband PRO Bahn den
geplanten
Abbau der Oberleitungen bei der Außerfernerbahn auf deutscher Seite.
Die Deutsche Bahn versuche damit, die Strecke gegen den Willen des
Freistaats Bayern klammheimmlich stillzulegen. Auch die Österreichischen
Bundesbahnen würden mit der geplanten Einstellung des Personenverkehrs
auf
der Außerfernerbahn gegen den Vertrag mit dem Land verstoßen.
Trotzdem glaubt man beim Interessenverband PRO BAHN, dass mit der
Ankündigung der Bundesbahnen, sich auf dieser Strecke zurückzuziehen,
nicht
automatisch das Ende der Ausserfernbahn besiegelt ist. Das Land Tirol
und
Bayern könnten dafür nämlich einen neuen Betreiber finden.
AUSSERFERNBAHN VOR DER
"ENDGÜLTIGEN" SCHLIESSUNG ?
Zur Information finden Sie unten eine
Pressemeldung des Österreichischen Rundfunks (ORF) vom
11.08.2000 (ich habe den vom ORF zitierten Artikel in der Tiroler
Tageszeitung selbst gelesen; er kann dahingehend interpretiert
werden, dass der Schienenersatzverkehr am 06.10.2000 AUF
UNBESTIMMTE ZEIT eingeführt wird; das würde einer Stilllegung
des Personenverkehrs gleichkommen).
Martin Teißl, PRO BAHN Allgäu/Tirol,
Pirchanger 73, 6130 Schwaz
ORF-ON 11.08.2000:
ZUG FÄHRT AB - Außerfernbahn vor Schließung
Voraussichtlich am 6. Oktober soll die
Außerfernbahn seitens der ÖBB und der Deutschen Bahn
eingestellt werden.
Das meldet die Tiroler Tageszeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Am
6. Oktober soll angeblich die Deutsche Bahn auf den bayrischen
Streckenteilen den Strom abdrehen. Das Land Tirol sowie der
Freistaat Bayern würden sich nach wie vor um den Erhalt der Bahn
bemühen, heißt es. Eine Möglichkeit wäre auch, für die Bahn
einen privaten Betreiber zu finden. Ab dem 6. Oktober soll ein
Schienenersatzverkehr mit Bussen auf der Außerferner Strecke
verkehren.
Stellungnahme der DB Netz AG vom 26. Juli 2000 zum geplanten Fahrleitungsabbau auf dem bayerischen Streckenabschnitt der Außerfernbahn als Antwort zum Schreiben vom 14.7.2000 der PRO BAHN Allgäu/Tirol (siehe unten):
Deutsche Bundesbahn
Niederlassung Süd
Richelstraße 3
D-80634 München
Herr Martin Teißl
Pro Bahn Allgäu/Tirol
A-6130 Schwaz in Tirol
Oberleitung der Außerfernbahn, Ihr Schreiben vom 14.07.2000
Sehr geehrter Herr Teißl,
wir danken für Ihr Schreiben vom 14.07.2000 und sind gerne bereit Ihnen eine Stellungnahme zu denen von Ihnen dargestellten Punkten zukommen zu lassen.
Nach der Ankündigung des Vorstandsvorsitzenden der ÖBB Herrn Daxler, dass die ÖBB auf 23 Nebenstrecken in Österreich den Personenverkehr mit Ende 2001 einstellen wird, wenn nicht Länder, Kommunen, Verbände etc. den Betrieb finanzieren, wurde der Landshauptmann von Tirol, Wendelin Weingartner von Herrn
Stindl, ÖBB-Vorstand Personenverkehr, und Herrn Mag. Müller gebeten der Einstellung des Personenverkehrs auf der Außerfernbahn im Wege einer Verhandlungslösung zuzustimmen.
Der Verkehrsdienstevertrag zwischen dem Land Tirol und ÖBB ist bis 2007 gültig, wobei eine Änderung bei beiderseitigem Einvernehmen möglich ist.
Wie von Ihnen richtig dargestellt wurde die Sanierung der Oberleitung zwischen Griesen und Garmisch-Partenkirchen aus Mitteln nach Bundesschienenwegeausbaugesetz 8.2 zwischen
dem Freistaat Bayern und der DB Netz AG abgestimmt.
Nach der Ankündigung von ÖBB-Personenverkehr geht die DB Netz AG nicht mehr davon
aus, dass die Strecke als bestandsgesichert gilt und teilt dies dem Eisenbahnbundesamt mit,
auf Grund dessen das Eisenbahnbundesamt die Mittel für die Fahrleitungssanierung
nicht freigibt. Die Entwurfsplanung zur Erneuerung der Oberleitung auf der Außerfernbahn wurde bereits im März 2000 gefertigt.
Unter den dargestellten Gesichtspunkten kann die abgängige Oberleitung auf der Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen von der DB Netz AG nicht erneuert werden.
Aus technischen Gründen muss daher auf DB-Seite spätestens ab 01.11.2000 der elektrische Betrieb eingestellt werden.
Über die Möglichkeit der Umstellung auf Dieselbetrieb werden zur Zeit zwischen ÖBB und
DB Regio Gespräche geführt.
Auf Grund von Gesprächen zwischen dem Bayrischen Wirtschaftsministerium,
OBB, DB Netz AG und Abklärung aller Sachverhalte mit dem Betriebsstandort München wurde den Beteiligten mitgeteilt, dass für die Strecke Garmisch-Partenkirchen - Griesen für den kommenden Winter die technische Verantwortung für den elektrischen Betrieb ohne eine grundlegende Erneuerung nicht mehr übernommen werden kann.
Deshalb muss ab 09. Oktober 2000 der Rückbau der Fahrleitung durchgeführt werden.
Während dieser Zeit ist Schienenersatzverkehr erforderlich. Eine Wiederinbetriebnahme mit Dieselfahrzeugen wäre zum 05. November möglich.
Sollten Sie noch weitere Fragen in dieser Angelegenheit haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
DB Netz AG, Niederlassung Süd
Gez. p.p.a. Streble
SZ vom 20.07.2000 Bayern
Vergebliche Hoffnung auf Staatsvertrag
Außerfernbahn nach Österreich ist nicht zu retten
Von Christian Schneider
München - Das Aus für die Außerfernbahn scheint besiegelt.
Daran ändert auch ein Abkommen nichts, das Deutschland und
Österreich 1955 für den Betrieb dieser Bahnstrecke
abgeschlossen haben. Die Außerfernbahn führt von
Garmisch-Partenkirchen über österreichisches Gebiet nach Reutte
und von dort über Pfronten im Allgäu weiter nach Kempten.
Erst vor wenigen Tagen hatte der Grünen-Bundestagsabgeordnete
Albert Schmidt in einem Brief an den Bahn-Chef in Bayern, Peter Lisson, an dieses Abkommen erinnert und erklärt, die zwischen
Deutschland und Österreich getroffenen Vereinbarungen für die
Außerfernbahn hätten den "Charakter eines
Staatsvertrages", aus dem sich die Bahn nicht einfach
fortstehlen könne. In dem Abkommen sei der technische Erhalt der
Strecke vorgeschrieben.
Die Deutsche Bahn (DB) will - wie berichtet - auf dem deutschen
Streckenabschnitt der Außerfernbahn zwischen
Garmisch-Partenkirchen und Griesen die sanierungsbedürftige
elektrische Oberleitung abbauen und nicht mehr erneuern. Dies, so
befürchtet nicht nur Schmidt, bedeute das Ende für diese
Strecke, die wegen zahlreicher Steigungen für den Betrieb mit
Diesel-Triebzügen nicht geeignet sei.
"Wir sind ein Privatunternehmen und daher für die
Einhaltung von Staatsverträgen nicht der richtige
Ansprechpartner", erklärte am Mittwoch ein DB-Sprecher in
München auf Anfrage der SZ. Weiter sagte der Bahnsprecher,
"wenn wir einen Auftrag erhalten, diese Strecke weiter zu
befahren, dann werden wir das tun und dafür auch ein geeignetes
Fahrzeug finden". Damit hat die DB den Schwarzen Peter
zunächst an das bayerische Wirtschaftsministerium weitergegeben,
das als Besteller von Zugleistungen tätig werden müsste.
Allerdings: Die Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und
Reutte wird derzeit von der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB)
betrieben. Auf dem Abschnitt zwischen Reutte (Tirol) und Pfronten
(Allgäu) fährt die DB im Auftrag der ÖBB. Erst ab Pfronten
fahren DB-Züge bis Kempten auf Bestellung und Rechnung des
bayerischen Wirtschaftsministeriums. Die ÖBB hat schon vor
längerem wissen lassen, sie werde von 2001 an den
Personenverkehr auf der Außerfernbahn einstellen. Erst nach
dieser Ankündigung hat sich die DB entschlossen, auf die sechs
Millionen Mark teure Erneuerung der Oberleitung zu verzichten.
© 2000 Süddeutsche Zeitung GmbH / SV online GmbH
Freitag, 14. Juli 2000
OFFENER BRIEF VON PRO BAHN ALLGÄU /
TIROL
Eine Kopie dieses Schreibens ergeht neben anderen auch an:
Hedwig Schubert (Bayerische Eisenbahngesellschaft)
Andreas Schulz (Bayerische Eisenbahngesellschaft)
Wolfgang Öser (Bayerische Eisenbahngesellschaft)
Jürgen Tallner (Bayerische Eisenbahngesellschaft)
Österreichischer Bundesminister für Verkehr, Innovation und
Technologie,
Dipl.Ing. Michael Schmid (Wien)
Ministerialrat Horst Kühschelm (Wien)
Eduard Oswald (MdB Deutscher Bundestag, Berlin)
Winfried Wolf (MdB Deutscher Bundestag, Berlin)
Bürgermeister von Reutte, Helmut Wiesenegg
Fritz Gurgiser (Transitforum Austria Tirol)
Bertram Wolf (Österreichischer Rundfunk)
Herrn
Peter Amsl
DB Netz, NL Süd
Öffentlichkeitsarbeit
NNV 02
962-6440
München
Sehr geehrter Herr Amsl!
Wie ich den Medien entnehmen konnte (der Österreichische
Rundfunk hat am 28.06.2000 ausführlich darüber berichtet),
plant die DB Netz AG für Anfang Oktober 2000 den ersatzlosen
Abbau der Elektrofahrleitung an der Bahnstrecke zwischen
Garmisch-Partenkirchen und Griesen. Dadurch wird ab diesem
Zeitpunkt auch keine Speisung der Fahrleitung im ÖBB-Bereich
(Ehrwald Grenze bis Reutte) mehr möglich sein. Da wir von PRO
BAHN Allgäu/Tirol diese Planungen schärfstens zurückweisen,
darf ich einige Fakten klarstellen:
Faktum Nummer 1: Der Bayerische Staatsminister Dr. Otto Wiesheu
hat PRO BAHN Allgäu/Tirol in seinem Brief vom 28.03.2000
darüber informiert, dass von seinem Haus aus die Sanierung der
Elektrofahrleitung im Bayerischen Abschnitt der Außerfernbahn
durch Anmeldung des Projekts nach § 8 Abs. 2
Bundesschienenwegeausbaugesetz unterstützt wird und dass die DB
Netz AG noch für dieses Jahr die vollständige Erneuerung der
Oberleitung und damit die Beseitigung der Langsamfahrstrecke
(durchgehende Beschränkung auf 40 km/h) plant.
Faktum Nummer 2: Die Kammer für Arbeiter und Angestellte für
Tirol informierte PRO BAHN Allgäu/Tirol am 27.04.2000
schriftlich darüber, dass das Land Tirol mit den ÖBB einen
aufrechten Verkehrsdienstevertrag hat, der erst 2007 ausläuft.
Aus diesem Verkehrsdienstevertrag können >die ÖBB nicht
einseitig aussteigen, und jede Verschlechterung des Stilllegung
der Außerfernbahn auf Tiroler Seite), kann seitens des Landes
Tirol zivilrechtlich eingeklagt werden.
Faktum Nummer 3: Am 13.07.2000 hat PRO BAHN Allgäu/Tirol aus dem
Büro des Landeshauptmannes von Tirol (Dr. Wendelin Weingartner)
ein Schreiben erhalten, in dem uns mitgeteilt wird, dass der
Landeshauptmann folgende Strategien verfolgt:
A) Festhalten am bestehenden Vertrag: Die Position zur ÖBB ist,
dass der Vertrag einzuhalten ist. Vorschläge über verschiedene
denkbare und auch konkret in Erwägung gezogene Modelle wie etwa
Ausschreibung, Beauftragung Dritter werden zum derzeitigen
Zeitpunkt den ÖBB nicht angeboten bzw. mit den ÖBB verhandelt,
da dies den rechtlich guten Standpunkt des Landes Tirol
schwächen würde.
B) Klage gegen die ÖBB: Das Schreiben aus dem Büro des
Landeshauptmannes betont, dass mit den ÖBB zunächst auf
vertraglicher Ebene Perspektiven für den Weiterbetrieb gesucht
werden. Wenn auf diese Art und Weise kein Ergebnis erzielt werden
kann, das den Weiterbetrieb des Tiroler Teils der Außerfernbahn
durch die ÖBB bis 2007 garantiert, wird das Land Tirol auch
nicht vor einer Klage gegen die ÖBB zurückschrecken (siehe
Faktum Nummer 2.).
Faktum Nummer 2 und Faktum Nummer 3 belegen klar und eindeutig,
dass die vom ÖBB-Management am 29.06.2000 getroffene
Entscheidung, den Tiroler Teil der Außerfernbahn im Juni 2001
stilllegen zu wollen zurückgenommen werden muss. Daran wird kein
Weg vorbeiführen, weil seitens des Landes Tirol nötigenfalls
sämtliche rechtlichen Mittel ausgeschöpft werden (Klage gegen
die ÖBB), um den Weiterbetrieb bis zum Jahr 2007 durch die ÖBB
zu erzwingen. Aus diesem Grund ist es völlig inakzeptabel und
unverständlich, dass die DB Netz AG im Oktober 2000 die
Elektrofahrleitung mit dem fadenscheinigen Hinweis auf die
Stilllegungspläne der ÖBB abtragen will. Wir fordern die DB
Netz AG unmissverständlich auf, die unter Faktum Nummer 1
angeführten Abmachungen mit dem Bayerischen Staatsministerium
einzuhalten und mit der Sanierung der schadhaften Fahrleitung
unverzüglich zu beginnen. Unsere Forderung nach einer sofortigen
Sanierung der Elektrofahrleitung durch die DB Netz AG können wir
noch durch folgende weitere Fakten erhärten:
Faktum Nummer 4: Die Österreichische Zeitung Kurier vom
08.07.2000 berichtet, dass die Industriellenvereinigung Tirol
eine Aussendung gemacht hat, in der es heißt, dass alljährlich
weit mehr als 100.000 Tonnen an Gütern auf der
Außerfern-Strecke mit der Bahn in den Tiroler Zentralraum und in
die Gegenrichtung transportiert werden. Die
Industriellenvereinigung Tirol hat aus diesem Grund an die
Außerferner Unternehmen in Tirol eine Anfrage zum
Schienengüterverkehr gestellt hat. Die angefragten Unternehmen
sind sich einig sind, dass weiteres Potential für eine
Mengensteigerung gegeben ist (dass der ÖBB-Güterverkehr bereits
jetzt schwarze Zahlen schreibt, darf als bekannt vorausgesetzt
werden).
Faktum Nummer 5: Dr. Reinhard Schretter vom Zementwerk Vils
teilte uns mit, dass das Zementwerk Vils (Hauptkunde der ÖBB)
aufgrund des mit den ÖBB abgeschlossenen Vertrages für die
Beförderung von Gütern erst vor kurzem den Gleisanschluss unter
Einsatz beträchtlicher finanzieller Mittel erneuert hat (wir
werden uns dafür einsetzen, dass überprüft wird, welche
rechtlichen Maßnahmen gegen die DB Netz AG im Fall der
Durchführung des Fahrleitungsabbaues eingeleitet werden können,
da bereits jetzt wegen der Steilheit der Strecke und der Schwere
der Güterzüge absehbar ist, dass aufgrund des
Fahrleitungsabbaues der Fortbestand des Schienengüterverkehrs
und damit die Einhaltung des zwischen dem Zementwerk und den ÖBB
bestehenden Vertrages nicht mehr in jedem Fall sichergestellt
werde kann).
Faktum Nummer 6: Es hat bereits vor Jahren Probefahrten gegeben,
die gezeigt haben, dass bei einer Umstellung des Güterverkehrs
auf Gewichts teilweise hängen bleiben können bzw. dass eine
wirtschaflichte Führung der Züge kaum möglich ist, weil bei
Dieselgüterzügen wegen der erforderlichen Doppel- und
Dreifachtraktion die Kosten explodieren. Der Österreichische
Rundfunk hat am 28.06.2000 in einer Sendung darauf hingewiesen,
dass ganz allgemein festgehalten werden kann, dass die
Transportkapazitäten im Güterverkehr mit Dieselloks wesentlich
geringer sind.
Faktum Nummer 7: Der österreichische Eisenbahnverkehr auf der
Außerfernbahn über deutsches Staatsgebiet ist mit Staatsvertrag
geregelt (Staatsvertrag für die Strecke Scharnitz-Ehrwald und
Vils-Ehrwald, BGBl. 242/1957 in der Fassung BGBl IIII Nr.
58/1998-Außerfern-Mittenwald-Übereinkommen AMÜ). Aus rein
rechtlicher Sicht bestehen daher Verpflichtungen der ÖBB und der
Republik Österreich zur Aufrechterhaltung der Außerfernbahn.
Sehr geehrter Herr Amsl, ich habe Ihnen nun die Fakten
ausführlich dargelegt und darf Sie um eine ebensolche
ausführliche Stellungnahme für die DB Netz AG Niederlassung
Süd bitten. Ich möchte mich bereits im Voraus für Ihre rasche
und geschätzte Antwort bedanken.
Mit freundlichen Grüßen
MMag. Martin Teißl
PRO BAHN Allgäu/Tirol
Pirchanger 73
6130 Schwaz in Tirol
eMail an MMag. Martin Teißl
Donnerstag, 13. Juli 2000
OFFENER BRIEF VON PRO BAHN
e.V., REGIONALGRUPPE ALLGÄU
An Herrn Eduard Oswald, MdB
Deutscher Bundestag
11011 Berlin
diesmal per E-Mail
87448 Waltenhofen, am 13. Juli 2000
Betreff: Willkürzliche Zerstörung von
Schienen-Infrastruktur durch die Deutsche Bahn AG auf der
Außerfernbahn Kempten (Allg)- Pfronten - Garmisch-Partenkirchen
Bezug: Ihr Schreiben (Brief) vom 23. März 2000 Unser Schreiben
vom 20.03.2000
Sehr geehrter Herr Oswald,
am 20.03.2000 habe ich Ihnen per "normaler" (Brief-)Post über die vorsätzlich falsche Antwort der Deutschen
Bahn AG auf eine kleinen Anfrage im Bundestag berichtet. Damals
ging es um den möglichen Rückbau von Ausweichgleisen in den
Bahnhöfen Durach, Jodbad-Sulzbrunn und Nesselwang.
Mit Brief vom 23.03.2000 haben Sie mir mitgeteilt, daß Sie sich
der Sache annehmen und die Angelegenheit überprüfen lassen
werden. In der Zwischenzeit wurde das Ausweichgleis am Bahnhof
Jodbad-Sulzbrunn gesperrt, aber (noch) nicht demontiert. Die
Gleise in Durach und Nesselwang sind noch betriebsbereit und
werden jeden Werktag vom morgendlichen Schülerzug benutzt. Wie
ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, sei der Zustand des
Oberbaus im deutschen Teil der Außerfernbahn zwischen Kempten
und Pfronten-Steinach abschnittsweise so schlecht, daß
lokbespannte Züge (und damit auch Güterzüge) dort nicht
odernur noch ausnahmsweise fahren dürfen. Mit Triebwagen könne
man aber noch ein paar Jahre ohne größere Probleme den
Personenverkehr aufrecht erhalten. Dabei ist der Oberbau vor
allem deswegen in einem miserablen Zustand, weil seit Jahren oder
sogar Jahrzehnten nicht in die Strecke investiert wurde und
uralte Holzschwellen allmählich zu verfaulen beginnen würden.
Und dies, obwohl der Freistaat Bayern durch die Bayerische
Eisenbahn-GmbH im Stundentakt Züge bestellt und einschließlich
Trassenpreis auch bezahlt.
Mittlerweile gibt es noch eine neue Hiobsbotschaft von der
Außerferner Bahn, und zwar aus dem oberbayerischen Teilstück
zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen. Dort ist der Zustand
der elektrischen Oberleitung seit dem Pfingsthochwasser im Jahr
1999 so schlecht, daß alle Züge nur mit 40 km/h fahren dürfen.
Eigentlich hätte im Herbst 2000 die Sanierung dieser Leitung
stattfinden sollen. Stattdessen plant die DB-Netz AG nunmehr, ab
dem 04.10.2000 mit der DEMONTAGE(!) dieser Fahrleitung zu
beginnen.
Geht es nach dem Willen der DB-Netz AG, so würde die Strecke vom
04.10. bis zum 05.11.2000 (also einen Monat lang) während der
Abbauarbeiten KOMPLETT gesperrt, danach wäre eine Bedienung nur
noch mit Dieselfahrzeugen möglich. Durch den dann notwendigen
Schienenersatzverkehr würden Bahnkunden erneut verprellt und zum
Abwandern auf das Auto gedrängt. Es ist sehr fraglich, ob für
eine Bedienung im Personenverkehr nach dem 05.11.2000 geeignete
Dieseltriebwagen zur Verfügung gestellt werden können. Selbst
wenn Dieselfahrzeuge vorhanden wären, dürfte der jetzt noch
sehr starke (und laut einer uns vorliegenden aber nicht zur
Veröffentlichung bestimmten Aussage der ÖBB sogar RENTABLE)
Güterverkehr von Innsbruck nach Reutte durch die Abbaumaßnahme
zum Erliegen kommen, da eine Umleitung der Züge (denkbar wäre
eine vorübergehende Führung über Mittenwald - Geltendorf -
Kempten oder über München - Buchloe - Kempten) wegen des oben
erwähnten schlechten Streckenzustandes zwischen Kempten und
Pfronten-Steinach sowie wegen der gesperrten Ausweiche in
Jodbad-Sulzbrunn vermutlich nicht möglich sein wird. Nach dem
05.11.2000 wird eine Bedienung mit Güterzügen von Innsbruck
über Garmisch nach Reutte und weiter nach Vils wiederum nur sehr
erschwert möglich sein, da ein Testbetrieb bereits im Jahr 1994
ergeben hat, daß Dieselloks die großen Steigungen zwischen
Ehrwald und Reutte nicht oder nur mit großer Mühe bewältigen
können und immer wieder hängenbleiben.
Der österreichische und der oberbayerische Teil der
Außerfernbahn von Reutte in Tirol bis Garmisch-Partenkrichen und
die Anschlußstrecke der Mittenwald- und Karwendelbahn nach
Innsbruck sind seit ihrer Eröffnung im Jahr 1914 durchgehend
elektrifiziert, weil es wegen der auf diesem Teilstück großen
Steigungen keine oder nur wenige geeigneten Dieselfahrzeuge gibt
und im österreichischen Abschnitt zudem bis heute ein reger
Güterverkehr vorhanden ist, der ohne elektrischen Betrieb stark
beeinträchtigt würde.
Ein etwaiger Abbau der Fahrleitung zwischen Garmisch und Griesen
ausgerechnet im Jahr 2000 (vor ein paar Jahren haben wir uns
erhofft, daß Deutschland -auch auf dem Gebiet des ÖPNV- bei
Erreichen dieser "magischen" Jahreszahl zum
"High-Tech-Standort" erwachsen würde) wäre vor allem
deshalb mehr als schizophren, da die Fahrleitung im
österreichischen Teil zwischen Ehrwald und Reutte in Tirol laut
Aussage eines Experten in einem absolut einwandfreien Zustand ist
und ohne größere Investitionsarbeiten noch 30 Jahre lang
betriebsfähig wäre. Da nach den Plänen der DB-AG aber nicht
nur die eigentliche Fahrleitung, sondern auch die Speise- leitung
(Verbindung) von Murnau nach Ehrwald demontiert werden soll,
wäre die völlig intakte und noch vor wenigen Jahren für
teueres Geld sanierte Oberleitung im österreichischen Teil
danach praktisch nutzlos.
Die DB-Netz AG begründet den geplanten Abbau der Fahrleitung
damit, daß sich die ÖBB zum Sommerfahrplan 2001 von der
Außerfernbahn zurückziehen wolle. Derartige Bestrebungen sind
zwar leider durchaus vorhanden, doch hat das österreichische
Verkehrsministerium eine Stillegung bisher nicht genehmigt. Das
Land Tirol hat auf einen Vertrag hingewiesen, wonach der Betrieb
der Außerfernbahn bis zum Jahr 2007 auf jeden Fall aufrecht
erhalten werden muß. Im Wege einer Ausschreibung sollte bis
spätestens dann ein anderer Betreiber gefunden werden, der
jedoch ebenfalls auf das Funktionieren der Stromleitung
angewiesen ist. Und sogar die ÖBB selbst hat zugesagt, den
Zugverkehr zumindest bis zum Sommerfahrplan 2001
aufrechtzuerhalten. Ein Abbau der Fahrleitung zwischen Garmisch
und Griesen bereits zum jetzigen Zeitpunkt würde daher sowohl
den Interessen des Landes Tirol, der Republik Österreich als
auch der ÖBB widersprechen.
Die Aufrechterhaltung der Befahrbarkeit der Strecke zwischen
Mittenwald und Griesen ist gesetzlich zwischen der Republik
Österreich und der Bundesrepublik Deutschland im sogenannten
Außerfern-Mittenwald-Übereinkommen (AMÜ) festgehalten. Dagegen
würde die Bundesrepublik Deutschland bzw. in deren
Auftragsverwaltung die DB-AG eindeutig verstoßen. Letztendlich
bestellt der Freistaat Bayern auf der Strecke zwischen Garmisch
und Griesen (Grenze) durch die Bayerische Eisenbahn-GmbH (BEG)
einen regelmäßigen Zugverkehr und zahlt ebenfalls
Trassenpreise. Auch den Interessen des Freistaates Bayern wird
somit widersprochen.
Uns ist wie Ihnen auch bekannt, daß die Deutsche Bahn AG als
Wirtschaftsunternehmen nach den Aspekten der Rentabilität
handeln muß. Jedoch kostet auch ein Abbau von Infrastruktur
Geld, und nachdem aufgrund der obengenannten Verträge durchaus
auch Schadenersatzforderungen oder sogar eine Klage auf
Wiederaufbau der Fahrleitung auf die DB-AG zukommen könnte,
sehen wir -selbst wenn man versucht sich in die Situation der
DB-Netz AG zu versetzen- keinerlei Rechtfertigung für diese
völlig sinnlose Zerstörung von Infrastruktur. Nach dem
Regent-Modell will die DB-AG außerdem in naher Zukunft Strecken
an private Betreiber abgeben, doch welcher Privatunternehmer will
eine Infrastruktur übernehmen, die zuvor vom Staatsunternehmen
kaputtgemacht worden ist?
Unter diesen Aspekten bitten wir Sie, Ihre bereits laufenden
Recherchen fortzusetzen und im Rahmen Ihrer Möglichkeiten alles
zu unternehmen, um den drohenden Abbau der Fahrleitung zwischen
Garmisch und Griesen sowie der Ausweichgleise zwischen Pfronten
und Kempten zu verhindern und stattdessen die schnellstmögliche
Sanierung der Stromleitung und auch eine baldige Verbesserung des
Oberbaus zwischen Kempten und Pfronten, evtl. sogar mit dem Ziel
einer Erhöhung der Reisegeschwindigkeit von derzeit 60 auf 80
km/h im Bereich zwischen Nesselwang und Pfronten-Kappel) in die
Wege zu leiten.
Wir gehen davon aus, daß Sie uns über die erzielbaren
Ergebnisse auf dem Laufenden halten werden. Für Ihre Bemühungen
danken wir Ihnen im voraus.
Mit den besten Wünschen,
für PRO BAHN e.V.
Ihr Jürgen Schmid
eMail an Jürgen Schmid
Samstag, 8. Juni 2000
FAHRT ZU EINEM "BEGRÄBNIS"
Protestkundgebung gegen die Schließung der Außerfernbahn
Die Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) lässt keinen
Zweifel: sie will so schnell als möglich die Außerfernbahn
schliessen. Daher trafen sich am 8. Juni 2000 Tiroler Landtags-
und Kommunalpolitiker zu einer Protestkundgebung im bayerischen
Grenzbahnhof Griessen.
Dass die Demonstration nicht im außerferner Tirol, sondern in
Bayern stattfand, hatte zwei Gründe: einmal will die Deutsche
Bahn AG der ÖBB insoweit "Schützenhilfe leisten", in
dem sie die Fahrleitung auf der oberbayerischen Seite zwischen
Garmisch-Partenkirchen und Griessen ab 5. Oktober dieses Jahres
kappen will, und zweitens stellte der südbayerische
Fahrgastverband PRO BAHN den Politikern einen hypermodernen
Triebwagenzug vor. Und der erhielt von der ÖBB keine
"Einreisegenehmigung".
Auf der Zugfahrt zur Kundgebung brachte es der Bürgermeister von Reutte, Helmut
Wiesenegg, auf den Punkt: "Ich fahr jetzt zu
einem Begräbnis". Und er war es auch, der die Akzente auf
der Kundgebung setzte: so habe die ÖBB die Strecke "bewusst
heruntergewirtschaftet", um sie sodann aus Gründen der
Ökonomie schließen zu können. Dies sei ein "Todesstoß
für die ganze Region". Die Fahrleitungen wären "noch
für 30 Jahre gut", betonte der langjährige Eisenbahner
immer wieder. Die Schließung der Bahn würde auch eine massive
Belastung des Straßenverkehrs mitsichbringen: bis zu 8.000
zusätzliche LKW würden dann jährlich über den Fernpaß
fahren.
| Die Tiroler Landtagsabgeordnete Maria
Scheiber betonte, dass die Außerfernbahn für die Region
eine "Hauptbahn" sei. Die Trasse müsse
"betriebswirtschaftlich interessant" gemacht
werden. Gleichzeitg forderte sie die Regierungen in Wien,
Berlin, Innsbruck und München sowie die ÖBB und die DB
auf, die Verträge einzuhalten, die den Bestand der Bahn
bis zum Jahr 2007 garantieren würden. In die gleiche
Richtung gingen die Beiträge des Landtagsabgeordneten
Bernhard Eggel und von Hofrat Diethelm Judmaier vom Amt
der Tiroler Landesregierung, der einen Stundentakt
zwischen Garmisch-Partenkirchen und Kempten einforderte.
Und für die Außerferner Wirtschaft betonte Dr. Reinhard
Schretter aus Vils, dass auch der Güterverkehr auf der
Schiene für die Region ein wesentliches wirtschaftliches
Standbein sei. |

Abgeordnete zum Tiroler Landtag Maria
Scheiber
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Angereist war der Fahrtgastverband PRO
BAHN mit dem nebenstehenden Triebzug aus München, den
die Organisation leihweise von der Saarbrücker Stadtbahn
erhalten hatte. Und als Bürgermeister Wiesenegg den
hypermodernen Zug sah, schöpfte er wieder Hoffnung. Mit
einem solchen Triebwagenangebot - so hofft er - könne
auch die Außerfernbahn erhalten werden. |
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