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Wir: Marketingbeirat Außerfernbahn
Wir: Fahrgast - Pro Bahn Allgäu/Tirol

AUßERFERNBAHN

Die Allgäu-Tirol-Oberbayerische
Erlebnisbahn


Regionalbahnen sichern durch Partnerschaften mit den Regionen
Erfolgreiches Symposium von FAHRGAST

Regionalbahnen können in der Zukunft nur durch Partnerschaften mit der jeweiligen Region bestehen! Das ist die zentrale Botschaft des Symposiums "Regionalbahnen:Wegweiser", das im Februar 2002 im vollbesetzten Saal des CENTRUM 166, dem Kultur- und Kommunikationszentrum der Gewerkschaft der Eisenbahner (GdE) in Wien stattfand. Anhand des Beispieles Außerfernbahn wurden dabei in dem von FAHRGAST Österreich mit Unterstützung der GdE und der grenzüberschreitenden Arbeitsgruppe "FAHRGAST - PRO BAHN Allgäu/Tirol" durchgeführten Symposiums Möglichkeiten erörtert, wie durch erfolgreiche Marketingstrategien die Schließung von Regionalbahnen verhindert bzw. bereits eingestellte Linien wieder reaktiviert werden können.


Das Podium v.l.n.r.: Rolf Bickelhaupt FAHRGAST - PRO BAHN Allgäu/Tirol; BH Dr. Dietmar Schennach, Reutte; Andreas Offenborn, FAHRGAST Österreich; Norbert Bacher, Geschäftsf. Zentralsekretär GdE (Gesprächsleitung); Otfried Knoll, NÖVOG; Karl Zöchmeister, Leiter Personenverkehr ÖBB. Foto: Johannes Novohradsky

Akzeptanz in der Bevölkerung heben

Bezirkshauptmann Dr. Dietmar Schennach aus Reutte schilderte dabei die Notwendigkeit einer Regionalbahn für eine Region sowohl für die Personen- als auch für die Güterbeförderung. So sei das Außerfern geprägt durch intakte Naturräume in einer beeindruckenden Bergwelt mit einem hohen Freizeit- und Erholungswert, aber auch durch erhebliche Verkehrsprobleme. Für eine Region wichtig sei es daher, mit attraktiven Verkehrsangeboten auf der Schiene Alternativen zum Autoverkehr für Pendler, Urlauber und Tagesausflügler, aber auch für die transportierende Wirtschaft anzubieten.

Um dies umzusetzen, aber auch, um die von den ÖBB angekündigte Streckenstilllegung des Personenverkehrs zu verhindern, sei der "Marketingbeirat Außerfernbahn" gebildet worden, der von den Euregiones "Via Salina" und "Zugspitze - Wetterstein - Karwendel", dem Bezirk Reutte, dem Land Tirol, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, Gewerbebetrieben, Tourismusverbänden und auch von den Fahrgastverbänden PRO BAHN Bayern und FAHRGAST Österreich getragen werde. Wichtig sei - so Dr. Schennach - dass die Akzeptanz der Bevölkerung für dieses "preislich attraktive und umweltschonende Verkehrsmittel gehoben werden müsse". So hätten Bahnen mit fehlender Präsenz in der öffentlichen Wahrnehmung keine Zukunft.


V.l.n.r.: Karl Zöchmeister, Leiter Personenverkehr ÖBB; BH Dr. Dietmar Schennach, Reutte; Andreas Offenborn, FAHRGAST Österreich; Otfried Knoll, NÖVOG; Rolf Bickelhaupt, FAHRGAST - PRO BAHN Allgäu/Tirol. Foto: Johannes Novohradsky.

Neue Kundenschicht ansprechen

Um u.a. dies zu forcieren, sei die nun aufgelegte Broschüre "AUSSERFERNBAHN: Vier Regionen - ein Ziel" vom Marketingbeirat herausgegeben worden. Damit - so der Redakteur der Broschüre Dipl.-Verwaltungswirt Rolf Bickelhaupt von "FAHRGAST - PRO BAHN Allgäu/Tirol" - wurde ein erster Schritt in eine neue Kundenorientierung
gesetzt. So biete "die Mischung aus Erlebnisbahn und Alltagsbahn, wie sie nicht nur bei der Außerfernbahn vorliege, die Möglichkeit, eine neue Kundenschicht, nämlich Touristen mit hoher Erwartungshaltung anzusprechen".Mit dieser Broschüre sei ein Teil des Vermarktungs- und Kommunikationskonzeptes umgesetzt worden, das Eingang in die Machbarkeits- und Marketingstudie "Zukunft der Außerfernbahn" gefunden habe. Weitere Vorschläge aus der Studie wurden umgesetzt wie die Aufstellung von Wegweisern ab den Bahnhöfen, wobei sich hier insbesondere die Arbeitsgruppe FAHRGAST - PRO BAHN engagiert habe. Ebenso konnte diese Arbeitsgruppe entsprechend der Studie die Bahn mit einer eigenen Homepage positionieren und vermarkten, so Bickelhaupt. Weitere Vermarktungsstrategien würden im Laufe diese Jahres vom Marketingbeirat in Angriff genommen.

Ticket-Systeme als Erfolgsgarant

Als wesentlichen Beitrag der "Erfolgsstory Außerfernbahn" bezeichnete Bickelhaupt, der auch stellvertretender Sprecher von FAHRGAST Tirol ist, dass es gelungen sei, die deutschen Angebote "Bayern-Ticket" und "Schönes Wochenende - Ticket" auch auf dem Tiroler Abschnitt der Außerfernbahn gelten zu lassen. Mit diesen Tickets können bis zu fünf Erwachsene bzw. Eltern mit beliebig vielen Kindern für 21 € (Ausnahme: Montag bis Freitag 7 bis 9 Uhr) beliebig oft auf allen Regionalzügen reisen. Einmalig sei auch, dass es für Inhaber der ÖBB-VorteilsCard möglich ist, bis nach Kempten und somit rund 34 Kilometer nach Deutschland hinein reisen zu können.

Der Leiter des ÖBB-Personenverkehrs Mag. Karl Zöchmeister betonte jedoch in seinem Beitrag, dass die ÖBB derzeit nicht daran denken, ein ähnliches Ticket-System aufzubauen.

"Der Kunde ist König"

Der Geschäftsführer der Niederösterreichischen Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖVOG) DI Otfried Knoll zeigte auf dem Symposium wesentliche Punkte auf, ohne deren Realisierung Regionalbahnen keine Zukunft haben. Bahngesellschaften, die in erster Linie von einer "Orientierung nach innen" geprägt seien mit der Folge von Kosteneinsparungen und einhergehend mit schlechter werdenden Angeboten und Service, sollten ihre Schwerpunkte auf die "Orientierung nach außen" - also auf die Bedürfnisse und Wünsche der Fahrgäste - verlegen. Unternehmen, die dem Motto "Der Kunde ist König" nicht gerecht werden, würden auf den liberalisierten Märkten des zukünftigen Bahnverkehrs der Konkurrenz zum Opfer fallen. Knoll wies dabei auf den auf dem Symposium anwesenden Firmen-Beauftragten Jérome Cruveilhier von der Connex Verkehr GmbH hin, dessen Firma auch in Österreich auf den Verkehrsmarkt drängen würde.

Verankerung in den Regionen

Wichtig sei auch, dass Regionalbahnen nur dann weiterbestehen können, wenn sie in der jeweiligen Region fest verwurzelt sind zum Beispiel durch Partnerschaften mit Gemeinden und Tourismusverbänden. Knoll betonte, dass eine Bahnstrecke dazu unter einem einprägsamen Namen und einem einheitlichen Erscheinungsbild vermarktet werden müsse. Als konkretes Beispiel nannte er die Schneebergbahn, deren neue Triebwagenzüge in den Farben eines Feuersalamanders bemalt sind. So sei im ÖBB-Kursbuch beim Fahrplanbild der Schneebergbahn ein Feuersalamender abgebildet mit dem Slogan "Im Takt der Natur den Berg hinauf. In den Spuren des Feuersalamanders".

Außerfernbahn Beispiel für andere Regionen

Österreichs FAHRGAST-Vorsitzender Ing. Andreas Offenborn betonte, dass eine Regionalbahn nur dann Akzeptanz in der jeweiligen Region haben könne, wenn ein attraktives Angebot für die Fahrgäste vorhanden ist. Die Ausflugsbroschüre sei dabei ein wesentlicher Schritt, den Bestand der Außerfernbahn zu sichern. Damit "wurde bewiesen, dass mit Engagement und verhältnismäßig geringem finanziellen Aufwand gezielter der Kunde beworben wurde, als so manche ‚große' Werbekampagne es bewirkte". Der FAHRGAST-Aktivist ist sich sicher, dass der Erfolg mit der Außerfernbahn mit ähnlichen Maßnahmen auch auf viele andere Regionalbahnen übertragbar sei. Dass nicht nur für bestehende, sondern auch für schon eingestellte Regionalbahnen die Zukunft in einem Gesamtkonzept unter Einbeziehung des Tourismus, der Gemeinden und der eigenen Bevölkerung liegen kann, davon ist Offenborn überzeugt.

Partner der Region für die Bahn

In ihren Schlussworten machten Dr. Schennach und Bickelhaupt deutlich, dass der "Marketingbeirat Außerfernbahn", in dem beide vertreten sind, der Partner der Region für die Bahn sei. Hier habe man eine Erfolgsstory begonnen, die durchaus Signalcharakter auch für andere Regionen haben könne. "Die Partnerschaft mit der Region" sei hier zur Selbstverständlichkeit geworden.


CENTRUM 166: Vollbesetzter Saal. Foto: Johannes Novohradsky.


Symposium: "Regionalbahnen:Wegweiser"

am Donnerstag, 21. Februar 2002 um 17 Uhr im CENTRUM 166 der Gewerkschaft der Eisenbahner (GdE), Margaretenstraße 166, Dachgeschoß, 1050 Wien.

Der wachsende Wohlstand unserer Gesellschaft, die zunehmende Freizeit sowie eine gestiegene Mobilität haben in den vergangenen Jahren eine starke Zunahme des Freizeit- und Tourismusverkehrs bewirkt, der vornehmlich über den motorisierten Individualverkehr abgewickelt wird, mit negativen Folgen für die Umwelt. Der Individualverkehr wurde auch durch Streckenstill-Legungen von Bahnlinien weiter forciert.

Dass dem erfolgreich entgegengewirkt werden kann, zeigen verschiedene Initiativen und Beispiele, die bei der deutsch-österreichischen Außerfernbahn ergriffen worden sind wie Ausflugsbroschüren, Internet-Auftritt und Ausschilderungen von Wanderwegen direkt ab Bahnhöfen. Weitere werden folgen. Mit diesen Aktionen sollen mehr Fahrgäste auf die Außerfernbahn gelockt werden, um dadurch die mehrfach angekündige Schließung der Außerfernbahn zu verhindern.

In Ergänzung des Symposiums "da!neben" vom 9. Oktober 2001 im CENTRUM 166 erörtern nun Experten aus Politik und Praxis Möglichkeiten, wie durch erfolgreiche Marketingstrategien die Schließung von Regionalbahnen verhindert bzw. bereits eingestellte Linien wieder reaktiviert werden können.

Es diskutieren:

  • Diplom-Verwaltungswirt Rolf Bickelhaupt, Fahrgast - Pro Bahn Allgäu/Tirol und Marketingbeirat Außerfernbahn, Redaktion der Broschüre "AUSSERFERNBAHN - Vier Regionen - ein Ziel"

  • DI Otfried Knoll, Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft m.b.H., Geschäftsführer

  • Ing. Andreas Offenborn, Verband FAHRGAST, Vorsitzender

  • Dr. Dietmar Schennach, Bezirkshauptmannschaft Reutte und Marketingbeirat Außerfernbahn, Bezirkshauptmann

  • Mag. Karl Zöchmeister, ÖBB, Leiter Personenverkehr

Gesprächsleitung:

  • Norbert Bacher , Gewerkschaft der Eisenbahner (GdE), Geschäftsführender Zentralseketär

Eine Veranstaltung des Verbandes FAHRGAST mit Unterstützung der Gewerkschaft der Eisenbahner (GdE) und von FAHRGAST - PRO BAHN Allgäu/Tirol

Rückfragehinweise:

  • Fahrgast - Österreich: Ing. Andreas Offenborn, Tel.: ++43 (0)664 6153859, eMail: AndiO@a1.net,

  • GdE: maurer-pr, DI Veronika Maurer, Tel.: ++43 (0)1 5241299, eMail: veronika.maurer@chello.at,

  • Fahrgast - Pro Bahn Allgäu/Tirol (D): Dipl:-Verw. Rolf Bickelhaupt, Tel.: ++49 (0)8372 1898, eMail: Bickelhaupt.Allgaeu@t-online.de,
    Fahrgast - Pro Bahn Allgäu/Tirol (A): MMag. Martin Teißl, Tel.: ++43 (0)5242 63453, dienstl. (bitte nur in dringenden Fällen): ++43 (0)512 507 8632 oder 8601, eMail:
    MartinTeissl@gmx.at.


Andreas Offenborn, Vorsitzender von FAHRGAST Österreich, in FAHRGAST, der Zeitschrift der Österreichischen FAHRGAST-Vertretung, zum Symposium:

Liebe Fahrgäste,

mit dieser kurzen Ausgabe möchten wir Ihnen die soeben erschienene Broschüre über die Außerfernbahn vorstellen.

Diese Broschüre ist ein Beispiel, wie Regionalbahnen zusammen mit ihrer Region durch gezielte Marketingmaßnahmen auch über die Grenzen der eigenen Region bekannt gemacht werden können. Wie Sie als treuer Leser unserer Zeitung wissen, ist es gar nicht selbstverständlich, dass auf dieser Bahnlinie überhaupt noch Personenverkehr angeboten wird. Nur durch die Weitsicht einiger weniger Aktivisten von FAHRGAST und PRO BAHN konnten Schritte gesetzt werden, um das Verkehrsangebot zu erhalten. Ohne Engagement von Fritz Gurgiser (Transitforum), Dr. Reinhard Schretter (Fa. Schretter & Cie.), HR DI Diethelm Judmaier (Gesamtverkehrsplanung / A. d. Tiroler Landesregierung) und Hedwig Schubert (Bayerische Eisenbahngesellschaft) wäre das allerdings nicht gelungen.

Diese Broschüre ist der nächste Schritt: nämlich dazu beitragen, dass auch in Hinkunft hoffentlich immer merh Fahrgäste diese Bahn benützen. Wir sehen diese Broschüre aber auch als Beispiel, wie andere Regionalbahnen weiter betrieben werden könnten, von denen in Österreich einige weitere Linien absolut einstellungsgefährdet sind.

Es ist uns bewusst, dass durch die fehlende Kostenwahrheit gerade Bahnen nur als Kostenfaktor betrachtet werden. Aber wenn eine noch so wirtschaftlich betriebene Bahn nicht benützt wird, wird sie von der Schließung bedroht bleiben. Daher hoffen wir, dass die beiliegende Beroschüre Ihnen Anregungen liefert, Urlaub in einer der schönsten Regionen der Welt zu machen - und das ohne im Stau zu stehen.

Weiters erwarten wir uns vom Symposium, dass diese Idee auch anderswo ungesetzt werden kann und dass Bahnbetreiber auch interessiert sind, auf Regionalstrecken Fahrgastzahlen zu steigern anstatt nur lange genug zu warten, bis die Strecken stillgelegt werden können. Mögen Maßnahmen wie diese, aber auch Ihre persönliche Verkehrsmittelwahl dazu beitragen, dass unser wertvolles Regionalbahnnetz noch länger für jeden Fahrgast zur Verfügung steht.

Ihr Andreas Offenborn


DIE AUSSERFERNBAHN

Folgender Text wurde von Rolf Bickelhaupt von der grenzüberschreitenden Arbeitsgruppe "FAHRGAST - PRO BAHN Allgäu/Tirol" für die Sonderausgabe der FAHRGAST-Zeitung verfasst:

Ein Juwel unter den Nebenbahnen in Bayern und Österreich: die AUßERFERNBAHN Kempten - Pfronten - Reutte - Ehrwald - Garmisch-Partenkirchen. Eingebettet zwischen Allgäuer Alpen, Ammer- und Wettersteingebirge, entlang der Zugspitze, unweit der Königsschlösser, dies alles macht diese Bahn zu einer echten Erlebnisbahn.

Mit dieser Strecke wird das österreichische Außerfern mit seinem Hauptort Reutte erschlossen. Das Außerfern ist durch die Lechtaler Alpen vom restlichen Tirol "getrennt". Nur über den 1.216 Meter hohen Fernpass können die Einwohner dieser Region "ihr" Bundesland erreichen. Und die Bahn hat keinen Anschluss an das Festnetz Österreichs. Sie beginnt in Kempten (Allgäu) und endet in Garmisch-Partenkirchen (Oberbayern). Diese "grenzüberschreitende" Lage macht die Bahn neben dem Landschaftserlebnis auch historisch äußerst interessant.

Etwas Historie

Abschnitt Kempten - Pfronten - Reutte i. T.

Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts kam eine Trasse von Kempten Richtung Tirol ins Gespräch. Und im Lokalbahngesetz von 1892 wurde die Strecke Kempten - Pfronten genehmigt. Noch im gleichen Jahr begannen die Bauarbeiten und schon am 30. November 1895 rollte der erste Zug auf dieser Strecke.

Nach der Eröffnung der Lokalbahnstrecke Kempten - Pfronten-Ried am 1. Dezember 1895 wurde die Forderung nach Weiterführung bis Reutte i. T. laut. 10 Jahre später, am 16. Dezember 1905, war es so weit: die Züge fuhren nun bei Pfronten-Steinach über die deutsch-österreichische Staatsgrenze bis Schönbichl. Von dort aus verkehrte die im Jahre 1905 mit Sitz in Reutte i. T. unter Beteiligung der Stadt Kempten gegründete Privatgesellschaft "Lokalbahn Reutte - Schönbichl AG" nach Reutte i. T.

Abschnitt Garmisch-Partenkirchen - Reutte i. T.

Nach dem Garmisch einen Bahnanschluss durch die Trasse nach München via Murnau, Weilheim und Starnberg hatte, lag es nahe, eine direkte Verbindung zwischen München und Innsbruck und in diesem Zusammenhang die Erschließung des Außerfern von Innsbruck aus über den "Umweg" Garmisch zu betreiben. Im Staatsvertrag zwischen Österreich und Bayern aus dem Jahre 1910, auch als "Außerfern - Mittenwald - Abkommen" (AMÜ) bekannt, wurde letztendlich der Bau der "Karwendelbahn" Garmisch - Innsbruck und auch die Fortsetzung von Garmisch ins Außerfern über Ehrwald besiegelt. Dieser Vertrag regelte nicht nur den Bau, sondern auch die Betriebsführung sowie -abrechnung und auch die Instandhaltungspflichten.

Eröffnet wurde die "Karwendelbahn" Garmisch - Innsbruck am 1. Mai 1912, und gut ein Jahr später, am 29. Mai 1913, war es soweit: der erste Zug rollte von Garmisch kommend in Reutte i. T. ein.

Die Pläne zur Stilllegung

Fast schon jahrzehntelang gab es von Seiten der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) immer wieder Überlegungen, die Außerfernbahn zumindest für den Personenverkehr stillzulegen. Zahlreiche Betriebsunterbrechungen, teilweise mit fadenscheinigen Argumenten begründet und immer wieder "überbrückt" mit dem ungeliebten Schienenersatzverkehr, zeugen davon.

Vorläufiger Höhepunkt: der notwendige Abbau der schadhaften Oberleitung zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen/Staatsgrenze im Herbst 2000, nach dem die ÖBB der DB Netz AG mitgeteilt hatten, dass die Außerfernbahn in Österreich endgültig stillgelegt wird.

Endgültiger Höhepunkt: die Ankündigung der ÖBB über den (konkreten) Vollzug der Stillegung des Personenverkehrs zum Fahrplanwechsel am 10. Juni 2001.

Die Rettung

Aber die ÖBB haben die Rechnung ohne das Land Tirol gemacht. Gestärkt durch den mittlerweile gebildeten "Marketingbeirat Außerfernbahn" und anderen Institutionen wie der grenzüberschreitenden Arbeitsgruppe "FAHRGAST - PRO BAHN Allgäu/Tirol" führte das Land Tirol zusammen mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrage des Freistaates Bayern tätig ist, Verhandlungen mit der DB Regio AG Region Bayern mit dem Ziel, die Außerfernbahn für den Personenverkehr zu retten.

Mit Erfolg: am 7. Juni 2001, also drei Tage vor dem "geplanten" Aus, unterzeichnete das Land Tirol und die DB Regio AG in Garmisch-Partenkirchen einen entsprechenden Verkehrsvertrag, der zunächst bis zum nächsten turnusmäßigen Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2002 gültig ist.

Marketingbeirat

Sowohl im Bezirk Reutte als auch in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Oberallgäu und Ostallgäu setzen sich Vertreter aus Politik, Tourismus, Wirtschaft und Verwaltung gemeinsam für die Außerfernbahn ein: In einem grenzüberschreitend besetzten Marketingbeirat werden konkrete Maßnahmen ausgearbeitet und umgesetzt, die die Außerfernbahn für ihre Fahrgäste noch attraktiver machen wird.

Vertreten sind im fast 20-köpfigen Marketingbeirat, Kommunalpolitiker der bayerischen und österreichischen Seite sowie die Wirtschaftskammer Tirol, der grenzüberschreitende Zusammenschluß der EUREGIO Zugspitze-Wetterstein-Karwendel, Gewerbebetriebe, Tourismusverbände sowie die Landkreise Ober- und Ostallgäu und die Bezirkshauptmannschaft Reutte ebenso wie Vertreter der DB Regio AG und der Fahrgastverbände PRO BAHN Bayern und FAHRGAST Österreich.

Der Marketingbeirat zeigt auch auf, was gemeinsam auf die Beine gestellt werden kann, um die Bahn zu einem echten Erlebnis für ihre Fahrgäste werden zu lassen.

Ausgangspunkt der Arbeit des Marketingbeirats ist die INTERREG II Studie "Zukunft der Außerfernbahn", deren Auftraggeber - das Land Tirol, der Verein ERA / Regio Außerfern und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) - ebenfalls im Marketingbeirat vertreten sind.

Studie

Schwerpunkt der Studie war die Erarbeitung von Möglichkeiten für eine Verbesserung der betrieblichen und technischen Situation und das Aufzeigen von Vermarktungsvorschlägen, um die Außerfernbahn langfristig als ein touristisches Highlight der Region zu positionieren. Eine der darin enthaltenen Vorschläge ist die Zusammenstellung von Tagestouren vor dem Hintergrund der Erreichbarkeit mit der Außerfernbahn. Potentielle Fahrgäste sollen bewegt werden, in die Region zu kommen bzw. innerhalb der Region etwas zu unternehmen und ihr Auto stehen zu lassen.

Broschüre

Die jetzt aufgelegte Broschüre"AUSSERFERNBAHN - Vier Regionen - ein Ziel" soll auf attraktive Freizeitmöglichkeiten, Sommer- und Winterausflugtipps, die gut mit der Außerfernbahn erreichbar sind, hinweisen. Mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren kommt die Broschüre, die im "Pro Bahn Verlag & Reisen GmbH" verlegt und von dem Verfasser dieses Artikels redaktionell betreut worden ist, insbesondere auf Bahnhöfen in Südbayern und Tirol sowie bei Tourismusverbänden und -einrichtungen kostenlos zur Verteilung. In ihrer Machart dürfte diese Broschüre im Alpenraum ihresgleichen suchen.

Die Broschüre basiert auf der Homepage der Außerfernbahn www.erlebnisbahn.at/ausserfernbahn, die von der grenzüberschreitenden Arbeitsgruppe "FAHRGAST - PRO BAHN Allgäu/Tirol" am 17. Juni 2001 eingerichtet worden ist und die entsprechend der INTERREG II Studie ebenfalls eine umfangreiche Zusammenstellung von Ausflugtipps, die mit der Außerfernbahn erreichbar sind, enthält.

Arbeitsgruppe Fahrgast - Pro Bahn Allgäu/Tirol

Bereits am 7. Februar 1999 wurde von den beiden Fahrgastverbänden PRO BAHN Bayern und FAHRGAST Österreich eine Arbeitsgruppe zur Förderung des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs gegründet.

Durch zahlreiche Initiativen machte die Arbeitsgruppe auf sich aufmerksam. Ein Höhepunkt war dabei - neben der bereits erwähnten Homepage - die Ausschilderung des Wanderweges "Fürstenstraße" von der Haltestelle "Ulrichsbrücke - Füssen" zu den Königsschlössern. Die Wegweiser haben als Motiv eine Lokomotive. Damit wurde ebenfalls eine der vorgeschlagenen Möglichkeiten aus der INTERREG II Studie verwirklicht. Ein eigens für diesen Wanderweg herausgegebener Folder als auch die Einweihungsfeierlichkeiten und die sich daran anschließende Berichterstattung in den Medien machten den Weg bekannt. Aufgrund des Erfolges wird die Arbeitsgruppe heuer einen weiteren Wanderweg ausschildern lassen.

Und so haben die Aktivitäten der Arbeitsgruppe besondere Würdigung erfahren: In der Broschüre "AUSSERFERNBAHN - Vier Regionen - ein Ziel" wird im gemeinsamen Vorwort der beiden Präsidenten der Euregiones "Via Salina" und "Zugspitze-Wetterstein-Karwendel" sowie des Bezirkshauptmannes von Reutte ausdrücklich auf die "besondere Hilfestellung beim Erhalt der Außerfernbahn" durch "PRO BAHN Bayern und FAHRGAST Österreich" verwiesen.

Rolf Bickelhaupt,
Arbeitsgruppe FAHRGAST - PRO BAHN Allgäu/Tirol


Pressetext zur Broschüre:

Freizeitvergnügen pur mit der Außerfernbahn:
Broschüre mit Ausflugstipps neu erschienen

"Außerfernbahn: Vier Regionen - ein Ziel": Unter diesem Motto präsentiert eine neue Broschüre auf 24 Seiten Freizeittipps rund um die Erlebnisbahn von Kempten über Reutte und Ehrwald bis Garmisch-Partenkirchen. Für jeden Geschmack ist Winter wie Sommer etwas dabei: Von den zahlreichen Skiliften und Bergbahnen über Langlaufrouten und Naturlehrpfade bis hin zu Mountainbike- und Radtouren, aber auch Museen und Kirchen, die allemal einen Besuch wert sind.

Wer diese Freizeitangebote mit einer Fahrt auf der Außerfernbahn verknüpft, kann gleich zwei Vorteile genießen: Zum einen die Zugfahrt durch eine der schönsten Alpenlandschaften überhaupt, zum anderen die Möglichkeit, Ausgangs- und Endpunkt einer Tour flexibel zu wählen, ohne zum geparkten Auto zurückkehren zu müssen. Die Broschüre beschreibt rund 30 attraktive Ausflugstipps und hält darüber hinaus auch Angaben zu Öffnungszeiten sowie nützliche Info-Adressen bereit. Verlegt wird sie bei der "PRO BAHN Verlag & Reisen GmbH" in einer Auflage von 100.000 Stück, die an den Bahnhöfen bis nach München, Augsburg und Ulm sowie Innsbruck verteilt werden, um Tagesausflügler auch ohne Auto für die Region zu begeistern. Darüber hinaus ist das neue Heft bei den Gemeinden und Tourismusstellen entlang der Außerfernbahn erhältlich, damit auch Urlaubsgäste und Einheimische auf den Geschmack kommen, mit der Bahn etwas zu unternehmen.

Bis vor kurzem erschien die Zukunft der Außerfernbahn noch unsicher. Durch die Bemühungen des Landes Tirol und des Freistaates Bayern, der betroffenen Regionen sowie privater Initiativen ist es jedoch gelungen, den Weiterbestand der Außerfernbahn vorerst zu sichern. Die Idee zur Broschüre wurde im "Marketingbeirat Außerfernbahn" aus der Taufe gehoben, der von den EUREGIONES via Salina und Zugspitze-Wetterstein-Karwendel sowie dem Bezirk Reutte getragen wird. "Durch grenzüberschreitende Anerkennung von ermäßigten Tickets, kostenlose Fahrradbeförderung und viele Initiativen mehr ist es in den letzten Monaten gelungen, die Kundenfrequenz auf der Außerfernbahn erheblich zu steigern. Wenn es uns gelingt, durch die in der Broschüre angebotenen Tipps zu einer unvergesslichen Fahrt mit der Außerfernbahn zu verführen, sind wir unserem Ziel zur dauerhaften Absicherung dieser Regionalbahnstrecke wieder einen Schritt näher gekommen" so die EUREGIO-Präsidenten Landrat Kaiser und Bürgermeister Seelos sowie Bezirkshauptmann Dr. Schennach einstimmig im Vorwort der Broschüre, die insbesondere auch das Engagement der beiden Fahrgastverbände "PRO BAHN Bayern" und "FAHRGAST Österreich" zum Erhalt der Bahn hervorheben.

Auch in Zukunft wird der "Marketingbeirat Außerfernbahn" weiterhin Maßnahmen anstoßen, die die Außerfernbahn für ihre Fahrgäste noch attraktiver machen. Geplant ist z.B., bei ausgewählten Freizeiteinrichtungen ermäßigte Eintrittspreise gegen Vorlage der Bahnfahrkarte zu ermöglichen und noch stärker als bisher regionale Tages- oder Wochentickets für Bus und Bahn anzubieten.